Verschleppung

Mongolischer Geheimdienstler in Berlin angeklagt

Vor dem Berliner Kammergericht muss sich demnächst ein Mongole wegen Entführung eines Landsmannes verantworten. Die Bundesanwaltschaft hat gegen den 42-Jährigen Anklage wegen Verschleppung und gefährlicher Körperverletzung erhoben.

Die Bundesanwaltschaft hat gegen einen mongolischen Geheimdienstler Anklage vor dem Kammergericht Berlin wegen gefährlicher Körperverletzung und Verschleppung eines Landsmannes erhoben. Dies teilte die Behörde am Dienstag in Karlsruhe mit. Demnach soll der 42 Jahre alte Beschuldigte Bat K. 2003 den mongolischen Staatsbürger Enkhbat Damiran aus Frankreich entführt und über den Berliner Flughafen Tegel in die Mongolei ausgeflogen haben, wo er gefoltert worden sei.

Der Fall liest sich wie ein Filmdrehbuch: Laut Bundesanwaltschaft hatte der Geheimdienstler und Diplomat den Auftrag, den in Frankreich lebenden Damiran zu verschleppen, um ihn in der Mongolei als Mörder des im Jahr 1998 in Ulan Bator getöteten Politikers Zorig Sanjasuuren zu präsentieren. Sanjasuuren war Führer der oppositionellen Nationaldemokratischen Partei und 1989 maßgeblich an der Demokratisierung des Landes beteiligt.

Der Anklage zufolge wurde der arglose Damiran vom Beschuldigten und weiteren mongolischen Geheimdienstlern in Le Harvre auf einen Parkplatz gelockt, überwältigt und mit einem Auto zunächst in die Mongolische Botschaft in Brüssel und dann in die Botschaft in Berlin gebracht. Dort wurde das Opfer laut Bundesanwaltschaft dann mit Betäubungsmitteln ruhig gestellt, an einen Rollstuhl gefesselt und als angeblich verletzter mongolischer Diplomat durch die Flughafenkontrollen geschleust.

Obwohl Damiran dann in der Mongolei gefoltert worden sei, habe er nicht zugegeben, Sanjasuurens Mörder gewesen zu sein. Das Verfahren gegen ihn sei im November 2003 eingestellt worden. Damiran sei im April 2006 aus Strafhaft in anderer Sache entlassen worden und noch im gleichen Monat verstorben. Der Fall war unter anderem vom Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Folter aufgenommen worden.

Der beschuldigte Geheimdienstler war im September 2010 in Großbritannien aufgrund eines Europäischen Haftbefehls der Bundesanwaltschaft festgenommen worden und wurde nun Mitte August nach Deutschland überstellt. Das Berliner Gericht muss nun darüber entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird und es zum Prozess kommt.