Studie

Junge Ossis sind weniger solidarisch als Wessis

In der DDR hätten die Menschen zusammengehalten, heißt es oft. Junge Ostdeutsche sind einer Studie zufolge hingegen weniger solidarisch als ihre Altersgenossen aus dem Westen.

Foto: dpa / dpa/DPA

Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall verhalten sich junge Ostdeutsche laut einer Studie der Universitäten Magdeburg und Essen weniger solidarisch als Westdeutsche. Selbst Studenten aus Westdeutschland, die im Osten eine Universität besuchen, sind demnach solidarischer als ihre ostdeutschen Kommilitonen, teilte die Universität Magdeburg mit.

Die Studie war vom britischen „Journal of Public Economics“ bereits am 28. Juni online veröffentlicht worden. Sie habe Ergebnisse einer ersten Untersuchung aus dem Jahr 1995 nahezu unverändert bestätigt.

Für die Untersuchung ließen die Forscher der Universitäten in Magdeburg und Essen insgesamt 144 Studenten aus Ost und West antreten. Jeder Teilnehmer konnte in einem Würfelspiel mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln einen Geldbetrag von damals zehn D-Mark und nun fünf Euro gewinnen.

Kaum Angleichung in mehr als 15 Jahren

Zugleich mussten die Studenten angeben, wie viel sie im Falle eines Gewinns innerhalb einer anonymen Dreiergruppe an andere abgeben würden. Entsprechend hätten sie auch Geld kassiert, wenn sie selbst nicht gewinnen, aber andere in ihrer Gruppe ihnen etwas abgeben.

„Unser Experiment zeigt, dass der Solidaritäts-Unterschied zwischen Ost- und West-Deutschland sich binnen 20 Jahren nicht angenähert hat“, heißt es in der Studie. Dies sei umso erstaunlicher, als die Versuchspersonen kaum älter als 20 Jahre waren und damit praktisch ihr gesamtes bewusstes Leben im wiedervereinigten Deutschland verbracht hatten.

Dies widerspreche auch Thesen, dass sich politische Werte innerhalb von 20 bis 40 Jahre annäherten.