Berlin

Polizei streitet über Einsatz gegen Auto-Zündler

Berlin streitet über den richtigen Weg zur Bekämpfung der Auto-Zündler: Die Polizeiführung will keine Hilfe von der Bundespolizei. Das sieht die Gewerkschaft anders.

Foto: dapd

Eine größere Polizeipräsenz in Berlins Straßen ist aus Sicht von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) kein Patentrezept im Kampf gegen die Serie von Auto-Brandstiftungen in der Hauptstadt. Vielmehr müssten die Taten durch die Auswertung von Indizien, durch „kriminalistische, mühselige Arbeit“ aufgeklärt werden, sagte Körting im ZDF-„Morgenmagazin“.

In diesem Jahr wurden in Berlin bei vermutlich politisch motivierten Taten bislang fast 150 Autos beschädigt. Trotz des Einsatzes von Zivilstreifen und Hubschraubern mit Wärmebildkameras konnten bislang nur wenige Tatverdächtige gefasst werden. Die Serie von Anschlägen auf Pkw setzte sich auch in der Nacht zu Montag fort.

Körting sagte, er lehne eine Unterstützung durch Bundespolizisten nicht grundsätzlich ab. Diese sei aber nur sinnvoll, wenn es etwa Hinweise auf einen Täter oder eine Region gebe, in der schwerpunktmäßig Taten verübt werden. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte am Wochenende dem Land Unterstützung durch die Bundespolizei in Aussicht gestellt.

Wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, lehnte die Berliner Polizei dies vorerst ab. Behördensprecher Frank Millert sagte, auswärtige Einsatzkräfte ohne die entsprechenden Orts- und Szenekenntnisse seien „wenig hilfreich“. Die Berliner Polizei setze weiter auf die Mischung ortskundiger Berliner Bereitschaftspolizisten sowie besonders geschulter und erfahrener Fahndungskräfte.

"Nationale Aufgabe"

Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete diese Entscheidung der Polizeiführung als „nicht nachvollziehbar“. Zusätzliche Einsatzkräfte des Bundes und der Länder könnten die Berliner Polizei umfassend entlasten, sagte der stellvertretende GdP-Landesbezirksvorsitzende Detlef Herrmann. Ortskundige Berliner Polizisten würden damit für die Fahndung nach den Brandstiftern freigesetzt.

Nach den Worten Herrmanns ist die Bekämpfung der Brandstiftungen in Berlin zu einer „nationalen Aufgabe“ geworden. Die negative internationale Berichterstattung darüber schade dem Wirtschaftsstandort Berlin nachhaltig.

Die Serie von politisch motivierten Brandanschlägen in Berlin hatte nach dem 1. Mai begonnen. Gingen in den ersten Wochen vor allem in den Szenestadtteilen Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Friedrichshain Autos in Flammen auf, verlegten die Täter ihre Aktionen in der zweiten Jahreshälfte in den bürgerlichen Westteil der Stadt. In der vergangenen Woche brannte es täglich.

In der Nacht zu Montag setzten die Täter fünf Fahrzeuge in den Stadtteilen Mitte, Wedding und Charlottenburg direkt in Brand, darunter einen hochwertiger Sportwagen einer italienischen Luxusmarke. In der Weddinger Hochstraße beschädigten Flammen und Hitze fünf neben den angegriffenen Fahrzeugen geparkte Pkw.

Nach Angaben der Polizei stieg die Zahl der seit Jahresbeginn vermutlich aus politischen Motiven angesteckten Wagen in Berlin inzwischen auf 151. Bei den Anschlägen wurden 92 Autos in Mitleidenschaft gezogen.

Bereits 2009 waren in Berlin bei vermutlich politisch motivierten Brandanschlägen über 300 Fahrzeuge beschädigt worden. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei einen Rückgang.