Öffentlich-Rechtliche

MDR-Intendant wusste seit Jahren von Fohts Schulden

Schon 2009 hat MDR-Intendant Udo Reiter von den Geldgeschäften seines Unterhaltungschefs erfahren. Trotzdem verwahrt er sich gegen Kritik am Sender.

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MDR-Intendant Udo Reiter hat eingeräumt, dass er bereits im August 2009 Kenntnis davon erhielt, dass sein mittlerweile suspendierter Unterhaltungschef Udo Foht einem Produzenten 10.000 Euro schuldete. Er habe „diesen Vorgang an den Fernsehdirektor weitergegeben“ und von diesem Mitte Oktober 2009 die Mitteilung erhalten, „dass die Sache erledigt sei“, teilte Reiter am Mittwoch in Leipzig mit.

Zudem habe der Fernsehdirektor selbst bereits im Februar 2009 Kenntnis von einer weiteren Forderung an Foht in Höhe von 20.000 Euro erhalten. Diese Forderung sei offenbar von einem Dritten beglichen worden.

Reiter teilte mit, die Details dieser Rückzahlungen seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Leipzig könne der Sender dazu derzeit keine weiteren Angaben machen. Ein Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft sagte, die Ermittlungen würden vorerst nicht auf den Intendanten und den Fernsehdirektor ausgedehnt. Die bisher vorliegenden Erkenntnisse reichten nicht aus, um eine Bewertung vorzunehmen.

Der MDR hatte den Unterhaltungschef Ende Juli suspendiert, nachdem bekanntgeworden war, dass dieser eine Produktionsfirma auf Briefpapier des MDR aufgefordert hatte, einen fünfstelligen Betrag an die Firma „Just for fun“ zu überweisen. Ermittlungen des Senders ergaben, dass Foht auch weitere Personen aufgefordert hatte, Geld an Produktionsfirmen zu überweisen. Der Sender erstattete gegen Foht Anzeige wegen Betrugs zulasten Dritter.

Der MDR-Intendant betonte, dem Sender sei nach bisherigem Kenntnisstand durch die Geschäfte von Foht kein finanzieller Schaden entstanden. Dennoch habe der Unterhaltungschef „grob gegen MDR-Regularien verstoßen“.

Richtig sei, „dass das Einrichten von Controlling-Planstellen in den stürmischen Aufbaujahren nicht immer im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stand“, räumte Reiter ein. Er verwahrte sich jedoch gegen Kritik am Sender: Die Kontrollinstanzen des MDR hätten zur Aufklärung der Betrugsfälle entscheidend beigetragen, teilte er mit. Auch seien „die Finanzen geordnet“.

Im Sender "kaum eine Instanz intakt"

Der Chef der sächsischen Staatskanzlei, Johannes Beermann, hatte dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gesagt, er mache sich Sorgen um den MDR. In dem Sender sei „kaum eine Instanz intakt“. Dazu teilte Reiter mit, die Vermutung liege nahe, dass hier versucht werden solle, die aktuellen Probleme des MDR zu instrumentalisieren, um den Sender und seine Gremien vor der Intendantenwahl unter Druck zu setzen.

Reiter hatte Ende Mai angekündigt, dass er seine Amtszeit vorzeitig beenden werde. Am 26. September soll der Rundfunkrat seinen Nachfolger wählen.