Minderjährige Geliebte

CDU-Spitzenkandidat Boetticher vor Aus

Schleswig-Holsteins CDU-Chef von Boetticher will Sonntagabend eine persönliche Erklärung zu seinem Privatleben abgeben. Zur Stunde trifft sich der geschäftsführende Vorstand.

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Nach Spekulationen über sein Privatleben ist Schleswig-Holsteins CDU-Landeschef Spitzenkandidaten Christian von Boetticher parteiintern unter erheblichen Druck geraten. Um 18 Uhr ist der geschäftsführende Landesvorstand der schleswig-holsteinischen CDU zu einer Krisensitzung zusammengekommen. In Kiel wird deshalb über den bevorstehenden Rücktritt des Christdemokraten diskutiert.

Laut einem Bericht der Zeitung „Bild am Sonntag“ hatte der 40-jährige Boetticher eine damals 16-Jährige aus Nordrhein-Westfalen Anfang 2010 über das Online-Netzwerk Facebook kennen gelernt. Einer ersten Begegnung im März 2010 sollen weitere Verabredungen bei ihr und bei ihm daheim in Pinneberg gefolgt sein.

Freunden erzählte Boetticher, er habe eine wirklich wundervolle Zeit mit dem Mädchen verlebt, schreibt das Blatt. Nachdem Ministerpräsident Peter Harry Carstensen signalisierte, bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten zu wollen, soll Boetticher die Beziehung schweren Herzens beendet haben. Ihm sei klar gewesen, zitiert die Zeitung einen Freund, dass diese ungewöhnliche Beziehung jetzt nicht länger geheim zu halten war und dass sie von der Öffentlichkeit nie akzeptiert werden würde.

Carstensen ist bereits auf Distanz zu seinem Nachfolger als Parteichef gegangen. Er habe in der zweiten Juli-Woche von „Gerüchten“ über eine Beziehung gehört und das Gespräch mit seinem Nachfolger im Amt des Parteivorsitzenden gesucht, sagte Carstensen der Zeitung „Schleswig-Holstein am Sonntag“.

Er habe Boetticher dabei deutlich gemacht, dass der Vorgang „mehr als eine rechtliche Dimension hat. Ich gehe davon aus, dass er die richtigen Schlüsse daraus zieht“, erklärte Carstensen.

Boetticher erst im Mai als Spitzenkandidat nominiert

Für die Union kommt die Affäre neun Monate vor der Landtagswahl im Mai 2012 zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst Anfang Mai hatte ein Parteitag in Norderstedt den Fraktions- und Landeschef als Spitzenkandidat vor nominiert. Offiziell sollte er Anfang November auf Listenplatz eins gewählt werden.

Boetticher gilt seit langem als Kronprinz von Ministerpräsident Carstensen. Er war aber bereits vor der Affäre in Teilen der Nord-CDU umstritten. Kritiker werfen ihm mangelnde Kommunikation und Führungsschwäche vor. Boetticher trat im September vergangenen Jahres bereits als Parteichef die Nachfolge von Carstensen an.

„Wenn man gradlinig sein will, hat man Ecken und Kanten“, sagt Boetticher. Er beschreibt sich selbst als „ausgeglichen, interessiert, bodenständig“. In seiner Freizeit geht der Sylt-Fan laufen und spielt Klavier. Zwar im niedersächsischen Hannover geboren, verbrachte der Christdemokrat aber den Großteil seiner Kindheit und Jugend in Appen (Kreis Pinneberg) nordwestlich von Hamburg.

Bereits mit 15 Jahren war Boetticher Mitglied in der Schülerunion. Mit 18 trat er der CDU bei und stieg über Orts- und Kreis- bis in den Landesvorstand auf.

Carstens rückt von vom Kronzprinzen ab

„Wir sind gut miteinander befreundet“, sagte Carstensen einst über seinen Kronprinzen. Der Nordfriese galt lange Zeit als Förderer Boettichers. Carstensen holte den damaligen Europaabgeordneten 2005 nach Kiel und machte ihn in der großen Koaltion zum Landwirtschaftsminister. Seit der Landtagswahl 2009 ist der an Heilig Abend geborene Boetticher Fraktionschef.

Mittlerweile ist der 64 Jahre alte Carstensen aber offenbar von Boetticher abgerückt. Seiner Ansicht nach haben die aktuellen Vorgänge um den 40-Jährigen „mehr als eine rechtliche Dimension“. Seinem Nachfolger als CDU-Landeschef empfahl Carstensen, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Der blonde Hüne Boetticher studierte in Kiel und Hamburg Jura. In der Hansestadt promovierte er 2001 in Verfassungsrecht. Thema seiner Doktorarbeit: „Parlamentsverwaltung und parlamentarische Kontrolle“. Seit 2002 ist er als Rechtsanwalt zugelassen und gehört einer Pinneberger Sozietät an.

Der unverheiratete Pinneberger ist seit 2002 Ehrenritter im Johanniter-Orden und Mitglied der schlagenden Studentenverbindung Slesvico-Holsatia in Kiel.