Buback-Prozess

Journalist belastet Ex-RAF-Terroristin Becker

Der umstrittene Journalist Nils von der Heyde hat im Prozess gegen die Ex-RAF-Terroristin Verena Becker ausgesagt. Becker habe zum Zeitpunkt des Anschlags auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback bereits mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet.

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Der umstrittene Journalist Nils von der Heyde hat im Prozess gegen die Ex-RAF-Terroristin Verena Becker unter Berufung auf einen verstorbenen Verfassungsschützer eine Tatbeteiligung Beckers in den Raum gestellt. Vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart sagte der 73-Jährige am Donnerstag, dass ihm der frühere Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, Christian Lochte, kurz nach dem Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback am 7. April 1977 gesagt habe, dass Becker die tödlichen Schüsse abgegeben habe.

Laut von der Heyde sagte Lochte wenige Tage nach dem Anschlag, dass „die Sola“ – ein Deckname Beckers – geschossen hätte, obwohl in den Medien von Ermittlungen gegen die Terroristen Knut Folkerts, Christian Klar und Günther Sonnenberg die Rede war. Woher Lochte die Informationen hatte, konnte von der Heyde nicht sagen. Am Donnerstag räumte der frühere Journalist ein, dass er nicht beurteilen könne, ob die Aussage richtig sei, da Lochte ihm etwas vom Hörensagen mitgeteilt habe.

Der Journalist gab zudem an, dass Becker zum Zeitpunkt des Anschlags nach Informationen von Lochte bereits mindestens ein Jahr mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet habe. Lochte soll von einer möglichen Intrige gesprochen haben. Von der Heyde interpretierte dies dahingehend, dass Becker als Verfassungsschutzmitarbeiterin vor Strafverfolgung geschützt werden sollte.

Darüber hinaus soll der Verfassungsschützer von der Heyde anvertraut haben, dass Generalbundesanwalt Buback als „sehr erfolgreicher Jäger von Ost-Agenten“ einer Reihe von Leuten ein Dorn im Auge gewesen sei.

Von der Heyde behielt angebliche Informationen für sich

Auf die Frage, weshalb er sein Wissen erst im Februar 2011 öffentlich machte, sagte der 73-Jährige, dass ihn das Buch von Bubacks Sohn Michael dazu veranlasst habe. Ihn und den 1991 verstorbenen Lochte hätte ein Vertrauensverhältnis verbunden.

Die Generalbundesanwaltschaft legte jedoch dar, dass von der Heyde in seiner Laufbahn Informationen mit Mitteln des investigativen Journalismus an die Öffentlichkeit gebracht habe. Als Beispiel dafür wurde die Rolle des Journalisten in einem Mordprozess angeführt. Dass von der Heyde es gerade im Fall Becker mit seinem Ethos vereinbaren könne, Informationen über 34 Jahre zurückzuhalten, erscheine daher zweifelhaft.

Von der Heyde wehrte sich gegen den Vorwurf. „Nach 1991 war ich mir der Tatsache bewusst, wenn ich das öffentlich mache, dass ich mich dem Vorwurf aussetze, eine Hörensagen-Aussage vorzubringen. Und das ist ja auch heute so“, rechtfertigte sich der 73-Jährige.