Forderung an Guttenberg

SPD will "Gorch Fock"-Crew heimfliegen lassen

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Verteidigungsminister Guttenberg soll die "Gorch Fock"-Besatzung nach Deutschland einfliegen, fordert die SPD. Die Aufklärung des Skandals könne nicht warten.

Die SPD hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) aufgefordert, die Besatzung des Segelschulschiffs "Gorch Fock“ schnell per Flugzeug nach Deutschland zurückzubringen.

Die Missstände auf dem Schiff, auf dem im November 2010 die junge Kadettin Sarah Lena S. aus der Takelage in den Tod gestürzt war, müssten zügig aufgeklärt werden, sagte SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. "Wir können nicht auf die Rückkehr warten.“

Zudem gab Arnold zu bedenken, dass der sogenannte Havariebeauftragte, der den Unfall untersucht, der jetzige Kommandant des Schiffes ist. "Alle Beteiligten müssen ein Interesse an einer schnellen Prüfung haben“, sagte Arnold.

Guttenberg will "Gorch Fock" als Ausbildungsschiff erhalten

Die "Gorch Fock“ ist derzeit auf der Heimreise von Argentinien in ihren Heimathafen Kiel und wird dort Ende April oder Anfang Mai 2011 erwartet.

Das Schiff soll laut Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg der Marine als Segelschulschiff erhalten bleiben. "Es wäre schön, wenn es weiter ausbilden kann“, sagte der CSU-Politiker am Rande seiner politischen Gespräche in Indien. Wenn notwendig, werde der Ausbildungsrahmen geändert.

Scharfe Kritik des Bundeswehrverbandes

Zuvor hatte bereits der Bundeswehrverband die schleppende und bruchstückhafte Aufklärung des Todes der Seekadettin kritisiert. Verbandschef Ulrich Kirsch sagte in Berlin, nach seinem Eindruck würden viele Informationen bewusst "scheibchenweise“ gestreut. Er warnte davor, den Todesfall als "Vehikel für politische Zwecke zu missbrauchen“.

Kirsch empfahl Politik und Medien, die Untersuchungs- und Ermittlungsergebnisse abzuwarten und bis dahin keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

Die Kieler Staatsanwaltschaft prüft, ob die 25-Jährige Sarah Lena S. zum Unfallzeitpunkt Anfang November diensttauglich oder mit 83 Kilogramm auf 1,58 Meter Größe stark übergewichtig war , wie es laut "Bild“-Zeitung ein interner Untersuchungsbericht der Marine nahelegt. Laut der Zeitung soll es auch Mängel bei der Einweisung der Ausbilder an Bord gegeben haben.

Kirsch sagte, aus seiner Sicht müsse die Leistungsfähigkeit jedes Besatzungsmitglieds vor dem Auslaufen des Schiffes getestet werden, "bevor jemand eine so fordernde Ausbildung“ wie auf der „Gorch Fock“ durchlaufe.

Die veröffentlichten Ergebnisse des Berichts weisen aus Kirschs Sicht darauf hin, "dass da etwas tragisch schief gegangen ist“. Sollte ein Fehlverhalten Einzelner vorliegen, müsse dies angemessen geahndet werden.

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