Zentralrat der Juden

Graumann besorgt über Antisemitismus bei Muslimen

In Deutschland nimmt der Hass auf Juden zu – weil verstärkt Muslime zuwandern. So sieht es Dieter Graumann, Chef des Zentralrats.

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Nach Überzeugung des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, erhält der Antisemitismus in Deutschland durch die Zuwanderung von Muslimen Auftrieb.

„Der Antisemitismus in den muslimischen Communitys ist oft zu stark ausgeprägt, besonders unter männlichen Jugendlichen. Auf Sportplätzen und Schulhöfen hört man das Wort Jude viel zu oft als Schimpfwort“, sagte Graumann der „Bild am Sonntag“.

Die Verantwortlichen der muslimischen Communitys müssten dagegen viel mehr tun. Sie müssten sich viel offensiver diesem Problem zuwenden. „Aus dieser Verantwortung werden wir sie nicht entlassen“, sagte Graumann.

Zugleich widersprach er der These von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) , wonach der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Graumann sagte, es sei zwar nur schwer zu bestreiten, dass der Islam in der Vergangenheit Deutschland nicht so stark geprägt habe wie Christentum oder Judentum.

Aber Deutschland sei im Lauf von Tausend Jahren auch noch von anderen Kräften geprägt worden, etwa von der Aufklärung. „Heute ist auch der Islam ganz sicher ein wichtiger Teil von Deutschland“, betonte der Zentralrats-Präsident in der "Bild am Sonntag".

Zugleich lobte er die Rede von Bundespräsident Christian Wulff am 3. Oktober, in der Wulff erklärt hatte, der Islam gehöre zu Deutschland.

Zwischen den Religionen gebe es zwar „noch zu viel Gegeneinander“, daraus müsse man „zumindest ein Nebeneinander machen, am besten aber ein herzliches Miteinander“, sagte Graumann. Deshalb hätten ihm die positiven Signale in der Rede des Bundespräsidenten „sehr gut gefallen“.

Die Juden in Deutschland wollten sich in der Debatte über die Leitkultur in Deutschland nicht instrumentalisieren lassen, betonte Graumann: „Manche bei uns sehen die neue Vereinnahmung kritisch nach dem Motto: 2000 Jahre lang habt ihr uns ausgegrenzt, verfolgt und Schlimmeres mit uns gemacht, jetzt plötzlich sind wir da, um eventuell gegen die Muslime in Stellung gebracht zu werden. Und gewiss wollen wir uns nicht instrumentalisieren lassen.“