Interview

VroniPlag-Gründer outet sich sich selbst

An VroniPlag scheiden sich die Geister. Die einen halten die Online-Plattform für ein Instrument zur Jagd auf Politiker, die anderen sehen darin einen Beitrag zur Demokratie. In einem Interview outete sich nun ein Geschäftsmann als Gründer von VroniPlag.

Der Betreiber der bisher anonymen Plattform VroniPlag hat sich am Donnerstag geoutet. Im Interview mit „Spiegel Online“ bekannte sich Martin Heidingsfelder mit Namen und Foto dazu, einst jene Plattform gegründet zu haben, deren Recherchen zum Entzug der Doktortitel von den FDP-Politikern Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis führten. Heidingsfelder ist laut dem Bericht selbst Mitglied der SPD. Er arbeitet nach eigenen Angaben als selbstständiger Programmier.

Der VroniPlag-Gründer erklärte, sein Name sei zuletzt in mehreren Internetforen veröffentlicht worden. Nachdem eine Boulevardzeitung bei ihm angerufen habe und wissen wollte, ob er die Plattform ins Leben gerufen habe, wollte er das Outing „selbst in die Hand nehmen“.

Heidingsfelder hatte bisher unter dem Pseudonym "Goalgetter" gearbeitet. Andere Mitglieder hatten ihn nach einer Abstimmung die erweiterten Administratoren-Rechte entzogen. Als Administrator der Plattform konnte Heidlingsfelder unter anderem andere Nutzer zu Administratoren machen.

Goalgetter wurde unter anderem vorgeworfen, dass er mehrfach gegen den erklärten Willen einer Mehrheit von Administratoren von seinen Rechten Gebrauch gemacht habe. Goalgetter betrachte Konsensentscheidungen etwa als "Diktatur der Mehrheit".

Gegenüber Spiegel Online erklärte Heidlingsfelder, er sei nicht frei von Eitelkeiten, könne aber "nichts dafür, dass sich die Medien vor allem für den Gründer von VroniPlag interessieren". Zudem habe er bis Mitte Mai die Presse die Pressearbeit für das Wiki größtenteils alleine gemacht.

VroniPlag Wiki ging vor ein paar Monaten festgestellt hatte. Die Plattformen dokumentieren übernommene Textstellen. Im Zuge der Untersuchungen entzogen Hochschulen die Doktortitel etwa von zu Guttenberg (CSU) und der Europapolitiker und (FDP).

Heidlingsfelders Motivation war bereits vom Start des Projektes VroniPlag umstritten. Die Plattform war nach der Auswertung der Doktorarbeit von zu Guttenberg aus dem Wiki GuttenPlag hervorgegangen. Heidlingsfelder bekam damals den Tipp, dass auch die Tochter von Edmund Stoiber, Veronica „Vroni“ Saß, in ihrer Doktorarbeit abgeschrieben habe.

Um diese Hinweise zu untersuchen, gründete er VroniPlag. Diese Entscheidung war unter den Mitstreitern von GuttenPlag auch deshalb umstritten, weil Saß keine Politikerin ist und für viele auch keine Person von öffentlichem Interesse. Viele heutige Administratoren kamen erst später zu VroniPlag, als etwa die Arbeit von Koch-Mehrin untersucht wurde.