Griff zur Flasche

Priester und Politiker anfällig für Alkoholmissbrauch

Stressige Berufe verleiten zum Alkoholmissbrauch. Ein Suchtforscher sieht dabei eine besondere Gefährdung für Politiker und Geistliche.

Foto: dpa / dpa/DPA

Politiker und Priester sind nach Ansicht des Suchtforschers Michael Klein besonders anfällig für Alkoholmissbrauch. In solchen Berufen sei die Gefährdungslage "einfach höher“, sagte Klein dem Kölner "domradio“. Bei ihnen kämen „täglicher Stress, viel Verantwortung, Tabuisierung und oft auch Einsamkeit und Isolation“ zusammen. Wenn das nicht besprochen werde, entstehe „eine gefährliche Mischung“. Sie könne zum Griff zu Alkohol oder anderen Substanzen führen.

Vor wenigen Tagen hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Schockenhoff öffentlich ein Alkoholproblem zugegeben. Gerade unter Politikern gilt das Alkoholmissbrauch nach wie vor als Tabuthema. Schockenhoff bekannte sich seinem Problem im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Trunkenheit am Steuer und Fahrerflucht . Jetzt befindet er sich in einer Therapie.

Keine belastbaren Zahlen zu Priestern bekannt

Zum Thema "Alkoholismus unter Kirchenleuten“ gibt es nach Angaben Kleins, der das Deutsche Institut für Sucht- und Präventionsforschung an der Katholischen Hochschule Köln leitet, noch keine flächendeckende Untersuchung. Eine nicht repräsentative Studie an alkoholabhängigen Ordensleuten und Priestern habe jedoch gezeigt, dass sie sich besonders stressbelastet fühlten und hilfebedürftig seien.

Der Suchtexperte riet Betroffenen, bei ersten Warnzeichen "die Wertigkeit der Arbeit“ zurückzuschrauben und sich stärker um das persönliche Wohlergehen zu kümmern, eventuell auch mit Hilfe einer Psychotherapie.

Alkohol ist das am weitesten verbreitete Suchtmittel in der Bundesrepublik. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln gelten etwa 1,3 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren als alkoholabhängig.