Stasi-Unterlagen

Jahn – Stolpe soll DDR-Vergangenheit aufarbeiten

Der Stasi-Unterlagenbeauftragte Roland Jahn mahnt eine sachliche Debatte in der Aufarbeitung von Brandenburgs Stasi-Vergangenheit an. Und fordert Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe dazu auf, sich kritisch mit seiner DDR-Vergangenheit auseinanderzusetzen - ein eindringlicher Appell.

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Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) zur kritischen Auseinandersetzung mit seiner DDR-Vergangenheit aufgefordert. Gerade jetzt, wo er nicht mehr im Amt sei, könnte er unaufgeregter damit umgehen, sagte Jahn der „Märkischen Allgemeinen“ (Montag). „Ich würde mir aber auch wünschen, dass sich Herr Stolpe heute nicht nur rechtfertigt, sondern sein Verhalten in der DDR noch einmal neu hinterfragt“, sagte er.

Die jüngste Gutachten der Enquete-Kommission

Der Berliner Historiker Helmut Müller-Enbergs, zugleich Mitglied der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit im Brandenburger Landtag, setzt sich unterdessen für ein neues Gutachten über Stolpe ein. Zuletzt hatte es heftigen Streit über Expertisen gegeben. Ein Gutachter hat bereits seinen Auftrag zurückgegeben. Kritik gibt es auch, weil der frühere Ministerpräsident Stolpe nicht befragt werden soll.

Im Fall Stolpes kommt das jüngste Gutachten der Kommission zu dem Schluss, dass er wegen seiner Stasi-Kontakte als führender Kirchenvertreter in der DDR eigentlich sein Landtagsmandat hätte niederlegen müssen. Der 75-jährige Ehrenvorsitzende der SPD hatte in 30 Jahren als Verhandlungsführer der Evangelischen Kirche gegenüber dem DDR-Staat auch mit der Staatssicherheit gesprochen, um Menschen in Bedrängnis zu helfen.

Jahn sagte, heute sei es wichtig, DDR-Biografien differenziert zu betrachten. „Es ist wichtig, genauer hinzuschauen, warum sich Menschen wie verhalten haben“, sagte er. „Ich verurteile niemanden, der sich angepasst hat“, betonte Jahn. „Anpassung hat aber seinen Preis, den oft andere bezahlt haben, manche mit Gefängnis.“

Historiker Müller-Enbergs will seinen Antrag für ein neues Gutachten bei der nächsten Sitzung der Kommission am 19. August stellen, kündigte er in einem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Brief an den SPD-Fraktionsvorsitzenden Ralf Holzschuher an. Dafür solle die seit 1994 erschienene Literatur und weiter entdeckte Stasi-Unterlagen zu den Kontakten Stolpes mit der Stasi in „gediegener Sachlichkeit und nach wissenschaftlichen Maßstäben “ zusammengestellt werden. Er halte es auch für unfair angesichts der Verdienste von Stolpe, ihn nicht zur Arbeit seiner Regierung in Sachen Stasi-Überprüfung sprechen zu lassen. # dpa-Notizblock