Thomas de Maizière

150 Handschläge für freiwillig Wehrdienstleistende

Ein historischer Tag: Verteidigungsminister Thomas de Maizière begrüßt in der Julius-Leber-Kaserne die ersten Soldaten nach der Wehrpflicht. Die Zahl ist überschaubar und auch die Frauenquote ist steigerungsfähig.

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Am Freitag war aus der Bundeswehr nach über 50 Jahren eine Freiwilligenarmee geworden. Künftig soll sich die Truppe aus 170.000 Zeit- und Berufssoldaten sowie 5000 bis 15.000 freiwillig Wehrdienstleistenden zusammensetzen. Ob diese

Video: Reuters
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Woher kommen Sie? Was haben Sie vorher gemacht? Wie lange bleiben Sie? Um die 100 Mal wiederholt Thomas de Maizière (CDU) diese Fragen in gut einer Stunde. Und jedes Mal schüttelt der Verteidigungsminister dabei einem jungen Mann die Hand.

Fast alle der 158 Freiwilligen, die zum 1. Juli in die vierte Kompanie des Wachbataillons einrücken, stehen an diesem regnerischen Morgen in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin-Wedding Schlange vor ihrem obersten Chef.

Junge Männer in Trainingsjacken, Turnschuhen, weiten Jeanshosen, mit Ohrringen und nicht gerade armeetypischen Frisuren – alle sagen sie ihren Heimatort, ihre Dienstzeit und kurz ihre Gründe: Sicherheit, Geld verdienen und Disziplin lernen wollen die meisten.

„Ich bin aus Neugier hier“, antwortet der 19-jährige Jan Jaschinski aus Charlottenburg knapp. Vier Wochen nach dem Abitur sucht der junge Berliner erst einmal „Distanz zur Schule“. Für 15 Monate hat er sich verpflichtet, eventuell will er danach auch bei der Bundeswehr studieren. Für ausführliche Erklärungen aber bleibt jetzt wenig Zeit.

Lauter Freiwillige in den Kasernen

Heute zählt allein die Geste, der Handschlag des Ministers an einem historischen Datum. Nach 54 Jahren habe die Bundeswehr am Freitag „aufgehört zu existieren als Wehrpflichtarmee“, sagt de Maizière nach rund 100 Handschlägen und Herzlich-Willkommens-Grüßen.

An diesem 4. Juli ziehen nun zum ersten Mal lauter Freiwillige in die Kasernen ein, bundesweit sind es 3375 Männer und 44 Frauen, was bei einer angestrebten streitkräfteübergreifenden Frauenquote von 15 Prozent durchaus noch steigerungsfähig ist.

Gemessen an den mindestens 5000 freiwillig Wehrdienstleistenden, mit der die Armee nach der Strukturreform plant, klingen die Zahlen schon ermutigend. Insgesamt hat die Bundeswehr in diesem Jahr fast 14.000 Soldaten dieser neuen Gattung gewonnen. Davon sind allerdings 5700 ehemalige Wehrpflichtige, die ihre Dienstzeit über sechs Monate hinaus verlängern, und zahlreiche Schüler aus doppelten Abiturjahrgängen.

Wie viele junge Leute sich aber in den nächsten Jahren – ohne Einberufungsbescheid – definitiv melden werden, kann niemand vorhersehen. Auch de Maizière nicht. Erst in vier bis fünf Jahre werde man ungefähr Bescheid wissen, ob der neue Freiwilligendienst Erfolg habe, sagt er.

"Wir müssen uns anstrengen"

„Alles in allem“ blicke man jetzt aber auf erfreuliche Zahlen. „Wir müssen uns anstrengen, damit sie gut bleiben.“ Für den nächsten Einzugstermin Oktober rechne die Bundeswehr mit weiteren 1500 „echten“ Freiwilligen, das wären dann insgesamt etwas mehr als 5000.

In den nächsten zwei Wochen bekommen Rekrut Jaschinski und seine Kameraden erst einmal ihre soldatische Grundausbildung. Das bedeutet: Personalbögen ausfüllen, Stuben beziehen, Kleidung empfangen, Ärzte besuchen und – sehr wichtig: Grüßen und Marschieren lernen.

Eine Art Selbsttest

Wem die strengen militärischen Umgangsformen nicht gefallen, der oder die kann in den ersten sechs Monaten die Truppe wieder verlassen; genauso hat auch die Bundeswehr das Recht zu kündigen. Für Jan Jaschinski ist aber gerade diese neue Welt hinter den Kasernentoren eine Herausforderung, auch eine Art Selbsttest.

„Wenn man hier Befehle bekommt, muss man die befolgen – egal, ob es einem passt oder nicht“, sagt der 19-Jährige. Wie er mit dieser Situation umgehen werde, möglicherweise auch mit Bestrafung, darauf sei er selbst gespannt. Darüber hinaus freue er sich auch auf die sportlichen Leistungen, die als Soldat von ihm verlangt würden, und auf den „eventuell entstehenden Teamgeist“.

"Wir. Dienen. Deutschland“

Auf genau diesen Effekt hofft auch de Maizière bei der Nachwuchsgewinnung. Aus der bisherigen Botschaft „Eine starke Truppe“ hat er jetzt die Kernbotschaft „Wir. Dienen. Deutschland“ gemacht. Der Spruch ziert schon die ersten Prospekte und sei „ohne Werbeagentur ausgedacht“, wie er betont.

Das erste Wort soll den gemeinsamen Stolz herausstellen: „Wir sind ein Team, wir sind die Bundeswehr“. Das Dienen stehe für die gute Sache, der sich Soldaten kreativ und fröhlich verpflichteten, und für die sie Anerkennung verdienten. „Und Deutschland ist unsere Heimat“, erklärt de Mazière weiter, „dafür dienen wir – notfalls auch unter Einsatz unseres Lebens“.

Jan Jaschinski weiß, dass er ab einer Verpflichtungszeit von zwölf Monaten in den gefährlichen Einsatz nach Afghanistan geschickt werden kann. „Das gehört doch heute zum Job dazu“, sagt er.

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