Zivildienst-Nachfolger

Nur wenige melden sich zum Freiwilligendienst

Tausende Deutsche sollen im Freiwilligendienst umsonst arbeiten – zum Wohle der Gesellschaft. Bislang gehe die Rechnung nicht auf, so ein Verband. Das Ministerium widerspricht.

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Der neue Bundesfreiwilligendienst stößt offenbar auf deutlich weniger Interesse als erwartet. Der Hauptgeschäftsführer des Paritätische Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, sagte dem Radiosender MDR info, bis jetzt gebe es bei dem Wohlfahrtsverband schätzungsweise 500 fest entschlossene Interessenten. Ziel seien aber zehnmal so viel gewesen. Die Lücke werde man in diesem Jahr keinesfalls schließen können.

Als einen Grund nannte Schneider die schnelle Abschaffung der Wehrpflicht. „Wir konnten nicht genügend Werbung an den Schulen machen“, sagte er. Einen regelrechten Pflegenotstand werde es aber nicht geben.

Das Bundesfamilienministerium widersprach in einer Stellungnahme dieser Darstellung. Vier Wochen nach Start der Informationskampagne hätten bereits mehr als 1000 Freiwillige Verträge unterzeichnet. "Das Interesse ist enorm“, sagte Staatssekretär Josef Hecken. „Mitte Mai haben wir unsere große Informationskampagne gestartet, seitdem haben im Schnitt 250 Freiwillige pro Woche einen Vertrag für den Bundesfreiwilligendienst unterschrieben. Zugleich haben wir über 14.000 freiwillige Verlängerungen des Zivildienstes über den 1. Juli hinaus."

Die Verbände rechneten auch für die nächsten drei Wochen mit einer Vielzahl von weiteren Vertragsschlüssen. Man erwarte daher, dass es am 1. Juli keinen großen Unterschied zwischen der Zahl der Freiwilligen und der Zahl der rund 19.900 heute im Dienst befindlichen Zivis geben werde. "Es gibt viele Einrichtungen und Verbände, die jetzt schon mehr Verträge mit Freiwilligen unterschrieben haben als sie je Zivis hatten“, so Josef Hecken.

Der Bundesfreiwilligendienst ersetzt nach der Abschaffung der Wehrpflicht am 1. Juli den Zivildienst. Er tritt neben das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr und steht auch für Frauen und ältere Menschen offen.