Anschlag in Deutschland

Islamisten wollten Splitterbombe zünden

Die drei Marokkaner, die am Freitag in Nordrhein-Westfalen festgenommen wurden, hatten bereits konkrete Pläne für einen Anschlag in Deutschland. Als mögliches Ziel nannten die Ermittler Düsseldorf.

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Mit den Festnahmen von drei mutmaßlichen Al-Qaida-Mitgliedern in Deutschland haben die Behörden nach Angaben von Innenminister Hans-Peter Friedrich eine konkrete Terrorgefahr gebannt.

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Die am Freitag festgenommenen drei mutmaßlichen Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Qaida haben nach den Erkenntnissen der Ermittler bereits konkret einen Sprengstoffanschlag in Deutschland vorbereitet. Ein genaues Anschlagsziel habe es aber noch nicht gegeben, teilte der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum am Samstag in Karlsruhe fest. Die Festgenommenen seien „noch in der Experimentierphase“ gewesen. Sie hätten geplant, einen mit Metallteilen versetzten Sprengsatz in einer größeren Menschenmenge zur Explosion zu bringen.

Laut Griesbaum belegen aktuelle Erkenntnisse der Ermittler, dass Al-Qaida in Deutschland Anschläge plant. Einer der drei Beschuldigten habe 2010 von einem hochrangigen Mitglied der Terrororganisation den Auftrag für einen Anschlag in Deutschland erhalten.

Bei dem Hauptbeschuldigten handelt es sich den Angaben zufolge um einen 29-jährigen Marokkaner, der den Ermittlungen zufolge in einem Ausbildungslager der Extremistenorganisation Al-Qaida in Waziristan gewesen sein soll. Nach der Ausbildung sei er zur Durchführung eines Attentats nach Deutschland zurückgekehrt, teilte Griesbaum mit. Die beiden anderen Festgenommenen seien ein 31-jähriger Deutsch-Marokkaner, der als Elektriker gearbeitet habe, und ein 19-jähriger Deutsch-Iraner, der kurz vor dem Abitur gestanden habe. Der Marokkaner habe ein Netzwerk in Deutschland aufgebaut. Ein vierte Person sei noch nicht identifiziert.

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, berichtete, der Hauptbeschuldigte habe sich seit November 2010 illegal in Deutschland aufgehalten, um die Vorbereitungen für ein Attentat zu treffen. Gegen ihn sei inzwischen Haftbefehl erlassen worden. Es habe Verbindungen der Beschuldigten nach Österreich, Marokko und in das Kosovo gegeben. Es sei ein Netzwerk von sieben bis acht Beteiligten aufgebaut worden. „Aber es können auch mehr sein“, sagte Ziercke. Es gebe noch keine Entwarnung. Der Anschlag in Marrakesch am Donnerstag mit 16 Toten hätte ein stimulierendes Ereignis für die Festgenommenen sein können.

Ein mögliches Ziel für einen Anschlag hätten Veranstaltungen im Großraum Düsseldorf sein können. Am 14. Mai 2011 finden dort etwa der Eurovision Song Contest statt, zwei Wochen später der Börsentag und vom 3. bis 5. Juni der Christopher Street Day.

Beim Eurovision Song Contest soll es dennoch keine schärferen Sicherheitsvorkehrungen geben. Man habe „volles Vertrauen in die Sicherheitsmaßnahmen, die die lokalen, regionalen und nationalen Behörden eingerichtet haben“, zitierte am Samstag die „Rheinische Post“ eine Sprecherin des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Allein bei der Finalshow am 14. Mai werden 36.000 Zuschauer in der Düsseldorfer Arena erwartet.

Die drei junge Marokkaner aus Nordrhein-Westfalen sollen am heutigen Sonnabend dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden.