Vatikan

Papst entlässt Walter Mixa aus Bischofsamt

Papst Benedikt XVI. hat Walter Mixa von seinem Kirchenamt entbunden. Nach wochenlanger Kritik und Gewaltvorwürfen hatte der Augsburger Bischof dem Vatikan seinen Rücktritt angeboten. Mit jungen Seminaristen soll der unter Misshandlungsverdacht stehende Mixa einem Medienbericht zufolge Saunabesuche unternommen haben.

Papst Benedikt XVI. hat das Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs Walter Mixa angenommen, doch im Mittelpunkt des Interesses stehen die neuen Details zum Missbrauchsvorwurf gegen den 69-Jährigen. Der Missbrauchsverdacht gegen Mixa war der katholischen Kirche laut einem Pressebericht bereits vor dessen Rücktrittsgesuch bekannt.

Bei einer Audienz in der vorvergangenenen Woche habe der Augsburger Weihbischof Anton Losinger Papst Benedikt XVI. von dem Verdacht berichtet, dass Mixa in seiner Zeit als Bischof von Eichstätt einen minderjährigen Jungen sexuell belästigt habe, berichtet das Münchner Nachrichtenmagazin „Focus“. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sowie der Münchner Erzbischof Reinhard Marx seien anwesend gewesen. Sie hätten Mixa deshalb geraten, „sein Amt ruhen zu lassen“.

Der "Spiegel" berichtet, dass der 69-Jährige in seiner Zeit als Bischof von Eichstätt häufig junge Seminaristen des Priesterseminars "Collegium Willibaldinum" mit in seine Privaträume im Bischofshaus eingeladen und mit ihnen gemeinsame Saunabesuche unternommen habe.

Der Geistliche, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war und über seinen Augsburger Anwalt die Vorwürfe "mit aller Entschiedenheit" zurückweisen ließ, soll, so heißt es in Kirchenkreisen, homosexuelle Neigungen gehabt haben. In der Szene wurde über seinen Spitznamen "Monsi"– abgeleitet von Monsignore – gespottet.

Schon seit längerem hatte auch im Kirchenmilieu darüber Verwunderung geherrscht, wie es Mixa gelang, auffallend viele junge Männer in seine Priesterseminare zu locken, selbst solche, die in anderen Bistümern als ungeeignet abgelehnt worden waren.

Nach wochenlangem Streit um seine Person hatte Mixa dem Papst am 21. April seinen Rücktritt als Bischof von Augsburg angeboten. Mit der Entscheidung von Samstag entband Benedikt XVI. Mixa von seinem Amt als Bischof.

Mehrere ehemalige Bewohner eines Waisenhauses in Schrobenhausen hatten dem heute 69-Jährigen vorgeworfen, er habe sie in seiner Zeit als Stadtpfarrer des kleinen Ortes zwischen Ingolstadt und Augsburg in den 70er- und 80er-Jahren brutal geschlagen und anderweitig misshandelt. Mixa hatte dies zunächst kategorisch bestritten. Nach einigem Zögern gab er dann aber zu, Kinder und Jugendliche geschlagen zu haben.

Zusätzlich wird Mixa vorgeworfen, eine namhafte Summe von Stiftungsgeldern zweckentfremdet zu haben. Ein Sonderermittler hatte Ende April die Öffentlichkeit informiert, dass in Mixas Verantwortung große Geldbeträge aus dem Stiftungsvermögen der Schrobenhausener Waisenhausstiftung für zweifelhafte Anschaffungen wie Antiquitäten, Wein, Teppiche, Einrichtungsgegenstände und ein kaum benutztes Solarium für das Kinderheim gezahlt worden sind.

Nach dem Besuch beim Papst habe der Missbrauchsbeauftragte des Augsburger Bistums, ein ehemaliger Richter des Oberlandesgerichts München, die Generalstaatsanwaltschaft in München über den Verdacht gegen Mixa informiert, berichtet der „Focus“. Der stellvertretende Leiter, August Stern, habe ein Vorermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Ingolstadt eingeleitet. Mixas Anwalt Gerhard Decker wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück.

Mixa hatte zunächst erklärt, er habe es mit der „finanziellen Zuordnung“ für diese Gegenstände nicht so genau genommen und später eine Münchner Rechtsanwaltskanzlei zur Prüfung der Vorgänge eingesetzt.