Grüne in Brandenburg

Verschwundener Ex-Schatzmeister taucht wieder auf

Christian G., der wochenlang vermisste ehemalige Schatzmeister der Brandenburger Grünen, ist wieder da. 36.000 Euro bleiben verschwunden.

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Das Geld ist weg, der Ex-Schatzmeister wieder da: Der wochenlang abgetauchte Ex-Schatzmeister der Brandenburger Grünen, Christian G., ist in Berlin festgenommen worden.

Beamte des Landeskriminalamtes fassten den 33-Jährigen am Freitag. Gegen ihn wird wegen Untreue und Geldwäsche ermittelt. Die von Konten des Landesverbandes verschwundenen rund 36.000 Euro aber sind nach Angaben der Grünen vom Sonntag noch nicht wieder aufgetaucht.

G. habe sich in einer Vernehmung nach seiner Festnahme zwar geäußert, sagte der Sprecher des Brandenburger Landeskriminalamtes (LKA), Toralf Reinhardt, am Sonntag. Ob der 33-Jährige aber gestanden hat, wollte der Sprecher nicht sagen.

Gegen Auflagen auf freiem Fuß

Die Staatsanwaltschaft Potsdam und das LKA hatten am Samstag mitgeteilt, dass zunächst der von G. genutzte Wagen seiner Eltern in Berlin entdeckt wurde. Danach hätten LKA-Beamte, die für Wirtschaftskriminalität und Geldwäschebekämpfung zuständig sind, den Gesuchten gegen 21.00 Uhr festgenommen – auf der Straße, wie Reinhardt ergänzte.

Ein vom Amtsgericht Potsdam erlassener Haftbefehl wegen der Untreuevorwürfe wurde außer Vollzug gesetzt. G. ist damit gegen Auflagen auf freiem Fuß und muss sich nun an seinem Wohnort Berlin regelmäßig bei den Behörden melden.

Gegen G. ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam wegen Untreue. Zudem ermittelt das LKA wegen des Verdachts der Geldwäsche. Dabei handele es sich aber nicht um den aktuellen Fall, sondern um Geschehnisse aus dem Jahr 2010, sagte Reinhardt. Näher wollte er sich dazu nicht äußern.

Auf dem Konto fehlen 36.000 Euro

Im Februar hatten die Grünen mitgeteilt, dass auf dem Konto des Landesverbandes rund 40.000 Euro fehlten. G., der kurz zuvor seinen Rücktritt als Schatzmeister erklärt hatte, soll das Geld abgezweigt haben. Die Grünen-Landesvorsitzende Annalena Baerbock sagte am Samstag, dass sich nach näherer Durchsicht von Unterlagen herausgestellt habe, dass es nicht um rund 40.000, sondern etwa 36.000 Euro gehe. Das Geld sei in mehreren Chargen in bar abgehoben worden.

Es gibt Hinweise, dass dies mit dem Privatleben von G. zu tun habe. Medien hatten von einer bulgarischen Freundin berichtet. In deren Heimatland soll der Schatzmeister auch mehrere tausend Euro transferiert haben. Am 23. Februar stellte der Grünen-Landesvorstand Strafanzeige. Der Vater des 33-Jährigen hatte seinen Sohn nach Behördenangaben bereits am 19. Februar als vermisst gemeldet.

Trotz aller Querelen sagte die Grünen-Landeschefin: „Wir sind erleichtert, dass Herr G. wohlauf ist.“ Der Landesverband werde nun alles dafür tun, um zur Aufklärung des Falles beizutragen. Sie hoffe auf eine umfängliche Aufklärung. Ende Februar war Benjamin Raschke als kommissarischer Schatzmeister gewählt worden.

Es werde weiter „mit hoher Intensität“ ermittelt, teilten LKA und Staatsanwaltschaft mit. Reinhardt sagte, dass derzeit geprüft werde, wo sich der Verdächtige vor seiner Festnahme aufgehalten habe. Er sei aber „mit Sicherheit“ nicht die ganze Zeit in der Hauptstadt gewesen. G., der für die Grünen auch in Hohen Neuendorf (Oberhavel) aktiv war, ist auch weiterhin Mitglied der Partei – nach Auskunft der Grünen gibt es derzeit kein Parteiausschlussverfahren.