Atom-Gefahr

Deutschland fehlt ein flächendeckendes Alarmsystem

Im Fall eines Atom-GAUs fehlten Alarmierungsmöglichkeiten, klagt die Polizei. Die SPD fordert Gesundheitsminister Rösler auf, die Bevölkerung über Gefahren aufzuklären.

Als Reaktion auf das verheerende Erdbeben in Japan fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) ein besseres Warnsystem für Katastrophenfälle in Deutschland. „Wir haben kein effektives Alarmsystem, um die Bevölkerung etwa nach einem Atom-Gau schnell flächendeckend zu informieren“, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Von ehemals rund 100.000 Alarmsirenen seien zwei Drittel inzwischen abgebaut worden. „Eine akustische Warnung ist also längst nicht mehr überall gewährleistet.“ Der Umstieg auf moderne Alarmsysteme sei bisher nicht gelungen, kritisierte Wendt. „Wer Radio und Fernseher ausgeschaltet hat, bleibt heute zunächst blind und taub für Gefahren, während früher jeder Mensch hören konnte, dass Gefahr droht.“

Wendt monierte auch, dass in Deutschland bei einer Katastrophe anders als in Japan nicht unmittelbar im ganzen Land Alarm gegeben werde. Beim Bevölkerungsschutz leiste sich Deutschland bisher einen „gefährlichen föderalen Flickenteppich“. Die Bundesländer müssten rasch ein „nationales Alarmsystem mit Weckeffekt“ einführen.

Katastrophen-Warnungen per Handy, Rauchmelder, Funkuhren oder Internet seien technisch machbar. Eine Einführung scheitere bisher aber daran, dass die Bundesländer das Thema nicht konsequent verfolgten. Bis die moderne Technik in Deutschland umgesetzt sei, müsse zumindest in Regionen mit Atomkraftwerken oder anderen Gefahrenquellen wieder verstärkt auf Alarmsirenen zurückgegriffen werden, sagte Wendt.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, forderte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) aufgefordert, die nach der Atomkatastrophe von Japan extrem verunsicherte Bevölkerung in Deutschland aufzuklären.

„Als Laie kann man nicht einschätzen wie gefährlich die Lage ist“, sagte Lauterbach der „Passauer Neuen Presse“. Es sei „fatal“, dass Rösler, in dieser Situation abgetaucht sei. „Herr Rösler muss deutlich sagen: 'Bitte, kaufen Sie keine Jodtabletten, keine Geigerzähler oder Schutzanzüge. Für uns besteht keine Gefahr aus der japanischen Atomkatastrophe.'"

Den Hinweis aus dem Gesundheitsressort, Strahlenschutz sei Sache des Umweltministeriums, ließ Lauterbach nicht gelten. Die Menschen hätten Angst vor Gesundheitsrisiken. „Es fällt in die Zuständigkeit des Gesundheitsministers, zu sagen, ob eine Gefahr besteht oder nicht“, sagte er.

Der SPD-Politiker kritisierte zudem, dass für einen nuklearen Störfall in Deutschland kaum vorgesorgt sei. „Die Bevölkerung ist mit dem Mantra abgespeist worden, dass die deutschen Atomkraftwerke sicher sind.“