Mordfall von Metzler

Gewaltandrohung gegen Gäfgen mit Wissen der Politik

Neues Detail im Fall Gäfgen: Angeblich hat ein Mitglied der hessischen Landesregierung die Gewaltandrohung freigegeben. Spannend ist der Name des Politikers.

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Die Frankfurter Polizei soll dem Mörder des elfjährigen Bankierssohns Jakob von Metzler im Jahr 2002 mit Wissen der Politik Gewalt angedroht haben. Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet über Hinweise darauf unter Berufung auf erstmals zugängliche Akten der Staatsanwaltschaft Frankfurt, die ihr vorlägen. Da das Land Hessen bislang jegliche Beteiligung an den Folterplänen bestreitet, muss am Donnerstag (17. März) der ehemalige Frankfurter Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner vor Gericht als Zeuge in dem Zivilverfahren aussagen, das der Kindsmörder Magnus Gäfgen gegen das Land angestrengt hat. Er fordert Schmerzensgeld und Schadensersatz.

Umfangreiche Vernehmungsakten der Staatsanwaltschaft enthalten laut „FR“ zahlreiche Belege für eine Rückendeckung der Gewaltandrohung durch Mitglieder der Landesregierung: Ein direkt an der Aktion beteiligter Kriminaloberrat sagte demnach, Daschner habe ihm mitgeteilt, er habe „den Staatssekretär über den aktuellen Sachstand informiert“. Daschner habe ihm außerdem gesagt, „der unmittelbare Zwang gegenüber Gäfgen sei freigegeben“.

Diese Angaben decken sich mit aktenkundigen Aussagen von Daschners Anwälten aus dem Jahr 2004 gegenüber der Staatsanwaltschaft, wonach er sich vor den Zwangsmaßnahmen „bei dem für ihn allein zuständigen Gesprächspartner“ in der Landeshauptstadt Wiesbaden „rückversichert“ habe, so die Zeitung. Dabei sei ihm mitgeteilt worden, „dass gegen diese Maßnahme nichts einzuwenden sei“.

Der Name des hochrangigen Wiesbadener Gesprächspartners, der dem Polizeivizepräsidenten grünes Licht gab, blieb bislang geheim. Im Zivilprozess soll Daschner nach „FR“-Informationen aussagen, ob der Gesprächspartner der damalige Innenminister und heutige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) war.

Der damalige Jura-Student Magnus Gäfgen tötete den Jungen am 27. September 2002 in Frankfurt und erpresste eine Million Euro von der Familie. Er wurde bei der Abholung des Lösegelds observiert und später festgenommen. Weil er über den Verbleib des Jungen falsche Angaben machte und die Polizei um dessen Leben fürchtete, drohte ein Hauptkommissar auf Anweisung des Polizeivizepräsidenten Daschner ihm an, ein Kampfsportler würde ihm starke Schmerzen zufügen, wenn er nicht den Aufenthaltsort Jakobs nennen würde.Danach verriet er, dass der Junge tot sei und wo er ihn wirklich abgelegt hatte.