Gefährliche Blender

Politik will Piloten vor Laserattacken schützen

Laserattacken gefährden Verkehrsjets, Polizei- und Rettungshubschrauber: Aus der Union wird nun ein Einfuhrverbot für leistungsstarke Laserpointer gefordert.

Foto: Paulnasca / Paulnasca/Wikipedia

Diese Freizeitbeschäftigung ist brandgefährlich. Die Täter verstecken sich in der Nähe von Flughäfen, bewaffnet mit leistungsstarken Hightech-Geräten.

Sie können damit Piloten großer Verkehrsmaschinen bei Starts und Landungen über mehrere Kilometer hinweg blenden und für eine stark eingeschränkte Sehkraft sorgen.

Offenbar lieben sie das Risiko, eine Katastrophe auslösen zu können. Die Angriffe mit Laserpointern häufen sich, sie sind für die Piloten längst trauriger Alltag geworden.

An den Verkehrsflughäfen werden fast täglich Blendattacken angezeigt – das „Blitzen“ von Piloten kommt immer mehr in Mode. Die deutschen Luftfahrtunternehmen meldeten im vergangenen Jahr 273 Vorfälle, das sind fast acht Mal so viele wie im Vorjahr.

Da wurden noch 36 Angriffe bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) registriert. Die meisten Fälle ereigneten sich auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main mit 41 Attacken. In Köln waren es 21, in Stuttgart 13, in Berlin zwölf und in Hamburg elf Fälle. Vermutlich sind es noch viel mehr. Die Dunkelziffer ist beträchtlich, weil nicht jeder Pilot nach einem langen Arbeitstag auch noch einen Report über Laserangriffe schreiben möchte.

Bei Ebay als ungefährlich eingestuft

Die Laserpointer sind eine heimtückische Waffe. Man kann sie bei Ebay bestellen, wo sie als ungefährlich eingestuft und oft mit einer Leistung deklariert werden, die tatsächlich wesentlich höher liegt.

Der Preis der Geräte ist mit zehn bis 100 Euro niedrig, die Wirkung aber immens. Denn anders als beim Steinwurf von einer Autobahnbrücke können bei einem Unfall gleich Hunderte Passagiere getötet werden. Es grenzt fast an ein Wunder, dass noch kein Flieger abgestürzt ist.

Das hat nun auch die Politik erkannt. „Immer häufiger werden selbst Piloten von Polizei- und sogar Rettungshubschraubern mit den gefährlichen grünen Lasern geblendet“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Günter Krings (CDU), der „Morgenpost Online“.

Zehnmal so viele Fälle in den USA

Wegen der steigenden Zahl der Laserattacken fordert er jetzt ein Einfuhrverbot für leistungsstarke Geräte. „Die Bundesregierung muss schnellstens reagieren, bevor etwas passiert und Menschen zu Schaden kommen. Nötig ist ein Einfuhrverbot für die Geräteklassen Drei und Vier. Schon das Mitführen von solch starken Lasern muss für Privatleute untersagt werden“, sagte Krings. Der Politiker verlangt mithin, dass der Gesetzgeber das Waffenrecht entsprechend ändert.

Andere Länder sind schon viel weiter. In Teilen Australiens fällt bereits der Besitz leuchtstarker Lasergeräte seit dem Jahr 2008 unter das Waffengesetz. Und in den USA, wo im vorigen Jahr 2800 Vorfälle registriert wurden, also zehn Mal so viele wie hierzulande, stehen schon Blendversuche unter Strafe.

Der Kick in der Flüchtigkeit des Augenblicks

In Deutschland verbietet die Luftverkehrs-Ordnung in einem Radius von 1,5 Kilometern um einen Flugplatz den Betrieb von Lasergeräten, die den Flugbetrieb stören können. Strafbar macht sich allerdings nur derjenige, der den Flugverkehr konkret gefährdet. Die Piloten melden solche Vorfälle in der Regel erst einmal den Fluglotsen, die dann die Polizei einschalten.

Über die Täter wissen die Behörden wenig. Laut Fachleuten suchen vor allem Jugendliche und jüngere Erwachsene den besonderen Kick, der auch durch die Flüchtigkeit des Augenblicks entsteht.

Der Pilot sitzt in einer Maschine, die sich schnell fortbewegt. Er ist ein anonymes Opfer, dessen Leiden der Angreifer am Boden nicht direkt miterlebt. „Die Täter lassen sich oft nur schwer lokalisieren, die Tatmittel sind relativ klein und der Tatort wird meist schnell verlassen“, sagt Jens Schobranski, Sprecher des Präsidiums der Bundespolizei in Potsdam. Deshalb könne man in vielen Fällen lediglich Verfahren gegen unbekannt einleiten.

"Flieger beim Landen aus der Bahn"

Allein beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf wurden 2010 rund 110 Laserangriffe auf Flugzeuge gemeldet. „Das sind keine Dumme-Jungen-Streiche. Es ist höchst gefährlich, weil sie Flieger beim Landen damit völlig aus der Bahn bringen können“, sagte LKA-Sprecher Frank Scheulen der „Morgenpost Online“.

Selbst die Fliegerstaffel der nordrhein-westfälischen Polizei wurde im vorigen Jahr acht Mal „gelasert“. In den beiden Vorjahren wurden aus dem gleichen Grund zwei Täter mit Gefängnis bestraft, ein Verfahren läuft noch.

In Hamm war im Januar 2010 ein Mann zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und tausend Euro Geldstrafe verurteilt worden. Der 29-Jährige hatte im Juni 2009 zwei Mal den Piloten eines Hubschraubers mit einem Laserpointer geblendet.

Dem Strafgesetzbuch zufolge handelt es sich bei den Laserattacken um gefährliche Eingriffe in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr, die mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden können.

Folge: starke Kopfschmerzen

Die Pilotenvereinigung Cockpit findet es prinzipiell gut, dass die Politik jetzt etwas gegen die Laserpointer tun will – sie verlangt allerdings ein schärferes Vorgehen: Ein Importverbot hält Cockpit-Vorstandsmitglied Jörg Handwerg nicht für ausreichend, weil der Zoll dies nur sehr schwer kontrollieren kann.

„Zwar dürfen Laser mit einer Leistung von mehr als ein Milliwatt in Deutschland in Geschäften nicht verkauft werden, aber man bekommt die Geräte im Internet“, sagte Handwerg der „Morgenpost Online“. Er fordert deshalb, bereits den Besitz der Geräte für Privatpersonen zu verbieten.

Handwerg hat sich im Kollegenkreis umgehört. Einige Piloten hätten sich nach dem Blenden mit Laserstrahlen wegen eingeschränkter Sehkraft oder starker Kopfschmerzen mehrere Tage krankgemeldet.

Ein Kapitän im Dienst eines großen deutschen Touristikunternehmens habe erzählt, dass er in jüngster Zeit zwei Mal geblendet wurde.

„Dieser Pilot ist dabei voll getroffen worden und klagte über starke Schmerzen im Auge“, sagt Handwerg. Er hat an der Fachhochschule Köln einen Selbstversuch mit einem grünen Laserpointer gemacht: „Wenn man da reingeschaut hat, sieht man in der Mitte des Bildes lange einen grünen Punkt.“

"Blackout" in der Mitte des Auges

Das fühle sich so an, als ob einem jemand eine Folie vor das Gesicht gespannt habe. Man könne dahinter nichts mehr sehen. Es dauere mehrere Minuten, bis das Bild um den Punkt herum wieder die normale Farbgebung annimmt.

Dieser „Blackout“ in der Mitte des Auges stellt ein großes Risiko beim Fliegen dar, denn die Warnsignale im Cockpit werden in Rot und Gelb angezeigt. Der Autopilot allein reicht nicht aus, er unterstützt die Piloten lediglich bei einfachen Funktionen – ähnlich einem Word-Programm auf dem Computer.

Damit kann man die Rechtschreibung überprüfen, aber den Text muss man schon selber schreiben. Und genauso verhält es sich auch mit dem Fliegen.

Handwerg schätzt die Gefahr für die Piloten durch Laser hoch ein. „Als mein geblendeter Kollege wieder auf seine Instrumente geschaut hat, war er beim Landeanflug mit der Maschine seitlich abgekommen“, berichtet er.

Das „Blitzen“ könne bei Landemanövern, die bei guten Wetterverhältnissen immer noch fast zu 100 Prozent „per Hand“ geflogen werden, katastrophale Unfälle verursachen. „Falls die weitere Verbreitung der sinnlosen Laserspielzeuge nicht unterbunden wird, ist das nur noch eine Frage der Zeit“, sagt Handwerg.

Busfahrer geblendet – arbeitsunfähig

Es trifft aber nicht nur Piloten. Lokführer, U-Bahn-, Bus- und Autofahrer werden ebenfalls zunehmend Opfer von mitunter folgenreichen Blend-Attacken.

Gerade erst hat ein Schüler im Westerwald einen Busfahrer während der Fahrt mit einem Laserpointer so stark geblendet, dass er zum Arzt musste.

Wie die Polizei in Betzdorf am Samstag mitteilte, hatte der Schüler dem 60-jährigen Fahrer in Gebhardshain (Kreis Altenkirchen) über den Innenspiegel im Schulbus mit dem Pointer in die Augen gestrahlt.

Es sei nur deshalb kein Unfall passiert, weil der Fahrer gerade losgefahren war, hieß es.

Es wurde ein Strafverfahren wegen Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eingeleitet. Der Busfahrer sei verletzt und zunächst arbeitsunfähig.

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