Forderung an Westerwelle

Der Brief der FDP-Frauen im Wortlaut

Nach 24 Jahren ergebnisloser Versuche: Die Selbstverpflichtung reicht nicht! Wir fordern eine Quote von 40 Prozent Frauen in allen Gremien der Freien Demokratischen Partei!

Sehr geehrter Herr Dr. Westerwelle,

die FDP hat ein Problem – zu wenige Frauen!

Wir, die unterzeichnenden Mitglieder des „Spreekreises – liberale Frauen pro Quote“, der Bundesvereinigung LIBERALE FRAUEN e.V. und der FDP, begrüßen den Bundesvorstandsbeschluss vom 7. Februar 2011 „Neue Chancen für Frauen – Potenziale erschließen, Fairness erreichen.“ Wir vermissen darin jedoch jede verbindliche Festlegung auf eine konkrete Erhöhung des Frauenanteils in den Gremien der FDP.

Wir stellen fest: Seit 1987 gibt es in unserer Partei immer wieder sogenannte freiwillige Selbstverpflichtungen zur Steigerung des Frauenanteils in Gremien und Parlamenten. Seitdem aber sinkt der Frauenanteil kontinuierlich. Wir wollen nicht zusehen, dass eine weitere Generation von liberal denkenden Frauen schwindende Beteiligungschancen vorfindet.

Der weibliche Nachwuchs wird bereits bei Wahlen zu Orts- und Kreisvorständen und bei Delegiertenwahlen entmutigt und durch Männer beiseite gedrängt. Beispiele hierfür sind zahlreich. Ursprünglich liberal gesinnte Wählerinnen finden auf diese Weise immer weniger liberale Rollenvorbilder, die ihr Interesse wecken und mit denen sie sich identifizieren können. Als Folge wenden sie sich von uns ab.

Wir stellen fest: Wer weibliche Quoten ablehnt, muss konkrete und wirksame Alternativen aufzeigen. Diese vermissen wir, denn den Beweis, dass es in der FDP ohne feste Vorgaben geht, ist die Partei bisher schuldig geblieben. Daran liegt es wohl auch, dass laut einer Umfrage von Infratest dimap 52 Prozent der FDP-Wählerinnen FÜR die Frauenquote sind (siehe Morgenpost Online vom 13. Februar 2011).

Wir stellen fest: In den vergangenen 24 Jahren der Beschwörung der Freiwilligkeit ist der Frauenanteil unter den Mitgliedern rückläufig. Im Jahr 1987 betrug er noch 25 Prozent, 2003 lag er bei 23 Prozent, inzwischen ist er auf 22 Prozent gefallen. Vor 30 Jahren lag die Freie Demokratische Partei mit ihrem Frauenanteil an der Spitze der Deutschen Parteien, inzwischen sind wir zum Schlusslicht geworden. Bei den Wahlergebnissen wird das deutlich.

Gemischte Teams sind nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sie sind auch eine große Chance im Wettbewerb der Parteien untereinander. Unsere Wettbewerber haben das inzwischen eingesehen. Viele von uns liberalen Frauen haben lange, allzu lange geglaubt, dass allein die Qualifikation entscheidet. Das hat sich leider als Irrtum erwiesen.

Wir stellen fest: Es gibt heute schon zahlreiche Quoten in der FDP – „Kurfürstenlisten“, Bezirkslisten, Landeslisten mit Bezirksproporz, Jugendquoten, Berufsquoten usw. In allen diesen Bereichen wird dies unangefochten für demokratisch erwünscht und für liberal gehalten.

Die „Berliner Morgenpost“ schrieb in einem Leitartikel am 31. Januar 2011 zum einstimmigen Quotenbeschluss der Liberalen Frauen Berlins: „Bisher hatte noch niemand eine bessere Idee, wie zu verhindern wäre, dass die Männerdominanz für Deutschland zu einem Nachteil wird, wie sie es für die FDP … in der Berliner Landespolitik bereits ist.“

Deshalb fordern wir: mehr weibliche Vorbilder, mehr Beteiligungschancen für Frauen in der FDP durch die Einführung einer Quote von 40 Prozent Frauen in allen Gremien der Partei.

Mit liberalen Grüßen

Die Mitglieder des „Spreekreises – Liberale Frauen pro Quote“

und weitere Unterstützerinnen und Unterstützer

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