Bildungspolitik

Gleiche Abi-Aufgaben in acht Bundesländern geplant

Bis zum Jahr 2014 wollen die unionsgeführten Länder zentrale Prüfungen in Mathematik und Deutsch einführen – eine wahlkämpferische Botschaft.

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Ein Abitur für alle. Für die Schüler von Flensburg bis Berchtesgaden. In wenigen Jahren könnte diese Vision schon Wirklichkeit geworden sein. Acht unionsgeführte Bundesländer haben sich jetzt einer ursprünglich von Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg ausgehenden Initiative angeschlossen. Mit den genannten haben sich nun Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammengetan, um „normierte Aufgabenpools für die Abiturprüfung zu entwickeln“, wie es in einer Erklärung nach der Klausurtagung der zuständigen Unions-Minister und -Senatoren in Hamburg hieß. Für den Fall ihres Wahlsiegs hat auch die Spitzenkandidatin der rheinland-pfälzischen CDU, Julia Klöckner, bereits angekündigt, die Beteiligung ihres Bundeslandes ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Hamburgs Schulsenator Dietrich Wersich sagte: „Ziel ist, ein höheres Maß an Vergleichbarkeit zu erreichen.“ Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) betonte, die nationalen Aufgabenpools, die derzeit in Arbeitsgruppen für Deutsch und Mathematik entwickelt würden, bedeuteten nicht identische Prüfungen. Das sei kein deutsches Zentralabitur, „sondern ein Länderabitur, das in den Abituraufgaben konkrete Vergleichbarkeit ermöglicht“. Identische Bildungswege seien damit ebenfalls nicht verbunden. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte das Vorhaben. „Ich wünsche mir, dass sich alle Länder anschließen. Auch bei anderen Schulabschlüssen sind zentrale Prüfungen denkbar“, sagte Schavan dem Bonner „General-Anzeiger“.

Dem immer lauter werdenden Ruf aus der Bevölkerung nach mehr Vergleichbarkeit, ja wenn nicht nach Einheitlichkeit des deutschen Bildungssystems wird damit in einem zentralen Punkt tatsächlich entsprochen. Dass sich nun innerhalb weniger Monate acht Länder gefunden haben, ist dennoch einigermaßen überraschend. Schon vor einigen Jahren hatte der damalige Ministerpräsident Baden-Württembergs Günther Oettinger die Forderung nach einem Zentralabi erhoben. Die Südländer sollten voran gehen. Damals wurde sein Einwurf als Kuriosum abgetan.

Zentrales Abitur bedeutet Bestandsgarantie für das Gymnasium

Doch seither haben die Ministerpräsidenten und Kultusminister wohl zu viele Umfragen gelesen, in denen die überwiegende Mehrheit der Befragten, die Verantwortung für die Schulen lieber beim Bund sähe als bei den Ländern. Nur noch gut ein Drittel hält die Länder für kompetent genug. Es hat sich geradezu die Meinung verfestigt, dass sie alles dafür tun, die Bildungssysteme eher noch weiter zu diversifizieren, als einander anzugleichen. Diesem Eindruck möchten die unionsgeführten Länder entgegentreten. Sie wollen nicht riskieren, die Verantwortung für die Schulen irgendwann zu verlieren oder teilen zu müssen.

Das zentrale Abitur ist eine politische, eine wahlkämpferische Botschaft. Denn es bedeutet eine Bestandsgarantie für das Gymnasium. Ein zentral gestelltes Abitur würde die Struktur des Schultyps auf Dauer festigen. Denn es ist kaum vorstellbar, dass Schüler, die etwa ein sechs oder sieben Jahre dauerndes Gymnasium besucht haben, die gleichen Aufgaben lösen, wie jene, die nach acht oder neun Jahren ihren Abschluss machen.

Diese Politik der Union ist nur vor dem Hintergrund des Hamburger Schulentscheids vom Sommer 2010 zu verstehen. Damals hatte die CDU den Eindruck erweckt, das Gymnasium preisgeben zu wollen. Die Angst vor einem Rumpfgymnasium hatte die Gegner des längeren gemeinsamen Lernens mobilisiert – bürgerliche Kreise, die Klientel der CDU. Die Partei hat ihre Lehren gezogen. Ein „Strukturmoratorium“ forderte etwa Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) nach dem Scheitern der Schulreform. Kein Wahlkämpfer der Union, der in diesem Jahr Regierungsverantwortung verteidigen oder erringen will, wird darauf verzichten, das Gymnasium auf den Schild zu heben.

Größtes Problem sind die Ferienzeiten

Die Forderung nach zentralen Abituraufgaben birgt jedoch noch eine Menge Potenzial, sich damit unbeliebt zu machen – gerade bei den Eltern der Gymnasiasten. „Hier werden einige Anpassungen erforderlich sein, bis wir in wenigen Jahren zu gemeinsamen Aufgabenstellungen kommen“, sagt Niedersachsen Kultusminister Bernd Althusmann. Der amtierende Präsident der Kultusministerkonferenz drückt sich aus guten Gründen vorsichtig aus. Werden nämlich die Abituraufgaben angeglichen, dann müssen die Prüfungen auch am gleichen Tag stattfinden. Sonst würden die Lösungen schnell die Runde machen.

Das wiederum bedeutet aber, dass die Ferienzeiten geändert werden müssen, mit erheblichen Folgen. Künftig würden acht Bundesländer ihre Schüler gleichzeitig in die Sommerferien entlassen. Die Familien würden gleichzeitig Flughäfen und Autobahnen überschwemmen, Hotels wären nicht mehr gleichmäßig ausgelastet und zu bestimmten Zeiten hoffnungslos überbucht.

Über einen Zeitraum von fast zwei Monaten sind derzeit die Abiturprüfungen in Deutschland gestreckt. Der Beginn der Sommerferien variiert zwischen Ende Juni und Mitte August. Bis 2017 sind die Ferienzeiten bereits festgelegt. 2014 sollen die gemeinsamen Abi-Aufgaben erstmals gestellt werden. So der Plan.