Gefängniskomplex

Hohenschönhausen - Spionagelabor und Waffenschmiede

Abgeschottet von der Außenwelt, mit Stacheldraht gesichert - das frühere Sperrgebiet Hohenschönhausen war zu DDR-Zeiten eine abgeschirmte Welt für sich.

Im früheren Sperrgebiet Hohenschönhausen, von dessen Stacheldrahtzaun südlich der Freienwalder Straße noch Reste zu erkennen sind, befanden sich nicht nur das zentrale Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sowie bis 1974 das geheime „HaftarbeitslagerX“. In dem von außen total isolierten Bereich, Sitz der Stasi-HauptabteilungenIX (zuständig für Untersuchungen) und XIV (Haftvollzug) arbeiteten eine Reihe weiterer wichtiger Abteilungen der Stasi.

Dazu zählte der „Operativ-Technische Sektor“, in dem Ingenieure und Tüftler ungezählte Hilfsmittel für den wohlausgerüsteten Spion erfanden und herstellten, ohne die Geheimdienstarbeit unmöglich ist.

Zum Beispiel kamen von hier wahrscheinlich jene Taschen mit Geheimfächern, im Stasi-Jargon „Container“ genannt, mit denen die beiden Kurierinnen des MfS-Spitzels Karl-Heinz Kurras in den 60er-Jahren hochbrisante Papiere der West-Berliner Polizei sicher über die Grenze brachten. Außerdem wurden hier miniaturisierte Abhöranlagen entwickelt, getarnte Kameras konstruiert und gefälschte“ Pässen reihenweise produziert.

Eine andere hochgeheime Einrichtung im Sperrgebiet war die „Abteilung Bewaffnung/Chemischer Dienst“. Hier wurden die Waffen der MfS-Mitarbeiter gewartet und Vorbereitungen für den Kriegsfall getroffen, denn das MfS hätte bei eskalierenden Spannungen einen Aufstand der DDR-Bevölkerung gegen das kommunistische Regime um jeden Preis verhindern müssen.

Außerdem hatte in Hohenschönhausen ein großer Teil der „Verwaltung Rückwärtige Dienste“ ihren Sitz. Deren Mitarbeiter organisierten Bauvorhaben des MfS, ihren Fuhrpark und die Freizeiteinrichtungen wie Gästehäuser. Nach dem Hauptsitz dieser Verwaltung an der Normannenstraße in Lichtenberg war Hohenschönhausen ihr zweiter großer Sitz. Natürlich gab es für die zeitweise mehrere Tausend MfS-Mitarbeiter in Hohenschönhausen eine Kantine, obwohl viele von ihnen in der Umgebung wohnten, entweder in Siedlungshäusern oder auch in den beiden „Ledigenheimen“, die heute ein Tagungshotel beherbergen.

Die Auslandsspionage des MfS, die HauptverwaltungA oder kurz HVA hatte in Hohenschönhausen ein Gebäude, von dem aus elektronische Spionage gegen die Bundesrepublik betrieben wurde.

Der neben den verschiedenen Gefängnissen wohl wichtigste und auch geheimste Komplex aber war das sogenannte NS-Archiv der Stasi, untergebracht im ehemaligen Bürogebäude einer Maschinenfabrik an der Freienwalder Straße. Hier verwahrte das MfS 4,5 laufende Kilometer Akten mit personenbezogenen Angaben, vor allem über Westdeutsche und ihre Vergangenheit im Nationalsozialismus. Das Archiv, in dessen Kartei 1989/90 mehrere hunderttausend Namen verzeichnet waren, diente praktisch ausschließlich der zielgerichteten Diffamierung politisch unliebsamer Personen; mit Ermittlungen gegen NS-Straftäter gaben sich die Experten höchstens ausnahmsweise ab.