Bundestagswahl

Union und SPD mit herben Verlusten – AfD wird dritte Kraft

Die Union ist laut einer Hochrechnung trotz Verlusten Sieger der Bundestagswahl. Die SPD stürzt ab. Die AfD wird drittstärkste Kraft.

Die CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist stärkste Kraft geworden - allerdings mit großen Verlusten.

Die CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist stärkste Kraft geworden - allerdings mit großen Verlusten.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Berlin.  Laut einer ersten Hochrechnung der ARD nach Schließung der Wahllokale sind künftig zwei Koalitionen im Bundestag rechnerisch möglich: entweder eine große Koalition aus Union und SPD, oder ein "Jamaika"-Bündnis von Union, FDP und Grüne. Aber: Die SPD will den Weg in die Opposition gehen.

Demnach kommen CDU /CSU mit Kanzlerin Angela Merkel auf gut 33 Prozent. Das wäre ein klares Minus gegenüber der Wahl 2013, als die Union 41,5 Prozent holte und das zweitschlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl.

"Wir hatten uns ein ein wenig besseres Ergebnis erhofft", räumte Parteichefin Angela Merkel ein. "Aber gegen uns kann keine Regierung gebildet werden."

Auch die mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz verliert und kommt jetzt auf 20,4 Prozent (2013: 25,7). Das ist das schlechteste Ergebnis für die SPD bei einer Bundestagswahl. Bisheriger Tiefpunkt war die Wahl 2009 mit 23,0 Prozent.

SPD will in die Opposition gehen

Nun will die SPD in die Opposition gehen. "Das werden wir tun", bestätigte Partei-Vize Manuela Schwesig am Sonntagabend im ZDF. "Dass wir nicht einfach so weitermachen können, ist auch klar, aber Martin Schulz als Parteivorsitzender steht nicht in Frage", so Schwesig.

Schulz selbst sagte, er wolle weiterhin Parteichef bleiben. "Dies ist eine schwerer und bitterer Tag für die Sozialdemokratie", sagte Schulz am Abend. "Wir haben unser Wahlziel verfehlt."

Die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer ließ eine Regierungsbeteiligung ihrer Partei offen. "Wir werden jetzt erst einmal abwarten", sagt sie im ZDF. Wenn die Kanzlerin bei der FDP anrufe und zu einer Regierungsbeteiligung einlade, werde man darüber sprechen.

Gauland: Wir werden Merkel jagen

Drittstärkste Kraft ist der Hochrechnung zufolge künftig die , die gut 13 Prozent der Stimmen holt und damit erstmals in den Bundestag einzieht. 2013 war die Partei noch mit 4,7 Prozent gescheitert. "Die Bundesregierung, egal wie sie aussieht, kann sich warm anziehen", erklärte Partei-Vize Alexander Gauland an Abend. "Wir werden sie jagen."

FDP und Linke bei 9 bis 10 Prozent

Nach vier Jahren Abstinenz ist auch die FDP wieder im Parlament, sie holt 10-11 Prozent (2013: 4,8). kann mit etwa 9 Prozent rechnen, nach 8,6 Prozent vor vier Jahren.

Die kommen auf rund 9,3 Prozent (2013: 8,4). Das ist deutlich besser als zuletzt in den Umfragen. Sie wollen nach Aussage ihres Spitzenkandidaten Cem Özdemir in einer möglichen Koalition mit Union und FDP keinen "anti-europäischen Populismus" mitmachen. Er nannte im ZDF zudem den Klimaschutz und eine Politik für eine gerechte Gesellschaft als Voraussetzungen für eine Regierungsbeteiligung der Grünen. (W.B./dpa)

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