Bundestagswahl

Wie prominente Politiker in ihrem Wahlkreis punkten konnten

Der Berliner Christian Sröbele schaffte zum vierten Mal, was keinem anderen Grünen je gelang. Er holte ein Direktmandat. Doch wie schnitten andere prominente Bundespolitiker ab?

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele hat zum vierten Mal in Folge das Direktmandat im Berliner Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg geholt. Auch wenn der 74-Jährige am Sonntag Stimmen einbüßte, das Urgestein ist ein Phänomen.

Ströbele erhielt nach Angaben der Landeswahlleiterin 39,9 Prozent der Erststimmen – 6,8 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Er behält in dem Wahlkreis, zu dem auch Prenzlauer Berg Ost gehört, aber großen Abstand zu den Kandidaten von Linkspartei, SPD und CDU, die alle unter 20 Prozent blieben.

Der 74-Jährige ist der einzige Grüne, dem es bislang gelang, ein Direktmandat zu erringen.

Doch wie schnitten andere prominente Politiker bei der Bundestagswahl 2013 ab? Die Berliner Morgenpost mit einem Überblick (Stand: vorläufiges Endergebnis).

Steinmeier holt einziges SPD-Direktmandat in Brandenburg

Der SPD-Bundestagsfraktionschef und frühere Bundesaußenminister, Frank-Walter Steinmeier, hat das einzige Direktmandat der Sozialdemokraten in Brandenburg geholt. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU-Kandidatin Andrea Voßhoff errang er eine hauchdünne Mehrheit.

Steinmeier kam auf 33,1 Prozent der Stimmen, Voßhoff auf 32,8 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2009 hatte die SPD fünf Direktmandate und die Linkspartei vier errungen. Die CDU kam damals auf ein Direktmandat, dieses Mal auf neun.

Steinbrück kann seinen Wahlkreis wieder nicht gewinnen

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat seinen Wahlkreis erneut nicht direkt gewinnen können. Er unterlag in Mettmann I bei Düsseldorf der CDU-Bundestagsabgeordneten Michaela Noll. Die Politikerin holte 49,5 Prozent der Erststimmen, Steinbrück 34,6 Prozent.

Gabriel verteidigt Wahlkreis in Niedersachsen

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seinen Bundestagswahlkreis Salzgitter-Wolfenbüttel klar verteidigt. Gabriel erhielt 46,6 Prozent der Erststimmen. Er verwies damit nicht nur seinen CDU-Konkurrenten Uwe Lagosky mit 37,0 Prozent klar auf den zweiten Platz, sondern übertraf auch deutlich das Zweitstimmenergebnis der Sozialdemokraten in seinem Wahlkreis von 39,2 Prozent.

Vor vier Jahren hatte Gabriel den Wahlkreis mit 44,9 Prozent der Erststimmen gewonnen.

Michelle Müntefering wird Bundestagsabgeordnete

SPD-Politikerin Michelle Müntefering hat in ihrem Wahlkreis Herne-Bochum II das Direktmandat für den Bundestag gewonnen. Sie erhielt nach Angaben der Stadt bei der Wahl am Sonntag 48,6 Prozent der Erststimmen.

Ihr Ehemann, der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering, war bei der Bundestagswahl nicht mehr angetreten.

Merkel fährt ihr bestes Erststimmenergebnis ein

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihren Wahlkreis in Vorpommern mit ihrem bestes Erststimmen-Ergebnis seit 1990 klar gewonnen. Sie erreichte im Wahlkreis 15 (Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I) 56,2 Prozent der Stimmen. Damit lag sie noch einmal 7 Prozentpunkte über ihrem bisherigen Rekordergebnis von 2009.

Seit 1990 hat Merkel den Wahlkreis in Vorpommern bei jeder Bundestagswahl gewonnen.

Finanzminister Schäuble verteidigt Direktmandat

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sein Direktmandat im Wahlkreis Offenburg verteidigt. Der 71-Jährige holte 56,04 Prozent der Erststimmen. Schäuble steuert damit im Bundestag auf einen Rekord zu.

Der in Offenburg lebende Minister ist der dienstälteste Abgeordnete im Bundestag. Er gehört dem Parlament seit knapp 41 Jahren an. Seit seinem Einzug ins Parlament 1972 hat er bei jeder Wahl das Direktmandat errungen. Seit Gründung des Bundestags vor 64 Jahren hat es eine solch lange Abgeordnetentätigkeit erst einmal gegeben: Richard Stücklen (1916- 2002) gehörte dem Bundestag 41 Jahre und 15 Tage an.

Nach seiner Wiederwahl wird Schäuble diesen Rekord Ende des Jahres brechen. Kein deutscher Politiker war dann länger Bundestagsabgeordneter als er.

De Maizière verteidigt Direktmandat in Meißen

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat sein Direktmandat bei der Bundestagswahl verteidigt. Er setzte sich mit 53,6 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Meißen gegen den Linke-Kandidaten Sebastian Scheel (17,7 Prozent) durch. Bei der vorherigen Wahl 2009 hatte de Maizière mit 45,2 Prozent der Erststimmen das beste Ergebnis eines Direktkandidaten in Sachsen erzielt.

Schavan gewinnt Direktmandat in Ulm

Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat trotz des Wirbels um die mögliche Aberkennung ihres Doktortitels erneut klar das Direktmandat in Ulm gewonnen. Nach Auszählung aller Wahlbezirke kam Schavan auf 52,1 Prozent aller Stimmen, das waren 9,3 Prozentpunkte mehr als 2009.

Schavan hatte ihren Ministerposten im Februar niedergelegt, nachdem die Universität Düsseldorf erklärt hatte, die Doktorarbeit der CDU-Politikerin wegen Plagiatsvorwürfen zu überprüfen.

Kein Direktmandat für Bundestagspräsident Lammert

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat erneut das Direktmandat in seinen Wahlkreis Bochum verpasst. Der CDU-Politiker konnte allerdings seinen Stimmenanteil von 31,0 auf 35,7 Prozent steigern. Das Mandat ging an Axel Schäfer (SPD), der auf 44,2 Prozent der Erststimmen kam. Über die nordrhein-westfälische Landesliste der CDU hat Lammert ein Bundestagsmandat sicher.

Minister Altmaier mit 44,5 Prozent der Erststimmen

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) setzte sich Wahlkreis Saarlouis mit 44,5 Prozent der Erststimmen durch.

Von der Leyen verpasst erneut Direktmandat

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist wieder an einem Direktmandat vorbeigeschrammt. Mit 42,8 Prozent der Erststimmen lag die frühere Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) im Wahlkreis Stadt Hannover II wie bereits vor vier Jahren am Sonntag deutlich vor der CDU-Politikerin (33,9 Prozent). Von der Leyen hatte sich 2009 erstmals um ein Direktmandat beworben. Die Bundesarbeitsministerin zieht aber als Nummer eins der CDU-Landesliste in den Bundestag ein.

Ministerin Schröder gewinnt Direktmandat

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat das Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis Wiesbaden gewonnen. Sie erhielt 43,6 Prozent der Stimmen, für ihren SPD-Konkurrenten Simon Rottloff stimmten 35,0 Prozent der Wähler.

Schröder hatte am Wahlabend ihren Rückzug aus dem Bundeskabinett angekündigt. „Ich habe mich entschieden, für das nächste Kabinett nicht wieder als Ministerin zur Verfügung zu stehen“, sagte sie in Wiesbaden. „Ich möchte zukünftig mehr Zeit für meine Familie haben, vor allem für meine Tochter Lotte.“

CDU-Generalsekretär Gröhe mit mehr als 50 Prozent

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe knackte im Wahlkreis Neuss I die Fünfzigprozentmarke - mit 51,6 Prozent der Erststimmen.

Wolfgang Bosbach mit fast 60 Prozent

Knapp an der 60-Prozent-Marke schrammte CDU-Mann Wolfgang Bosbach vorbei. Der Innenpolitiker und parteiinterne Kritiker der Kanzlerin hat seinen Wahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis wieder souverän gewonnen: 58,5 Prozent der Erststimmen. Damit errang er zum sechsten Mal in Folge das Direktmandat.

Grünen-Chef Özdemir verliert in Stuttgart

Der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir hat das Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart I nicht gewonnen. Nach Auszählung aller Stimmen erhielt er 27,5 Prozent und verlor damit klar gegen Amtsinhaber Stefan Kaufmann (CDU), der auf 42,0 Prozent kam. Vor vier Jahren hatten noch 29,9 Prozent der Wähler für Özdemir gestimmt.

Trittin mit 10,2 Prozent in Göttingen

Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, musste Federn lassen. Vor vier Jahren kam er als Direktkandidat in Göttingen auf 13 Prozent, am Sonntag erreichte er 10,2 Prozent. Den Wahlkreis gewann der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann.

Grünen-Chefin Roth verliert fast vier Prozentpunkte

Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth hat in ihrer Heimatstadt Augsburg im Vergleich zu 2009 fast vier Prozentpunkte bei den Erststimmen eingebüßt. Bei der Wahl am Sonntag kam sie auf 11,0 Prozent, sie lag aber etwas besser als das Zweitstimmenergebnis der Grünen (10,5 Prozent).

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Rösler kommt auf nur 2,6 Prozent

Neben dem miserablen bundesweiten Abschneiden seiner Partei hat FDP-Chef Philipp Rösler am Sonntag auch eine persönliche Wahlschlappe erlitten. Der Bundeswirtschaftsminister brachte es in seinem Wahlkreis Hannover-Land I auf gerade einmal 2,6 Prozent der Erststimmen. Rösler war erstmals bei einer Bundestagswahl ins Rennen gegangen, bei der Wahl 2009 hatte er noch im Landtag in Hannover gesessen.

Bahr verpasst Direktmandat klar

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat in seinem Wahlkreis in Münster ein Direktmandat klar verpasst. Bahr erhielt nach Angaben der Stadt 5,7 Prozent der Erststimmen. Das waren 4 Prozentpunkte weniger als 2009. Den Wahlkreis gewonnen hat die CDU-Kandidatin Sybille Benning.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring erreichte im im Wahlkreis Stadt Hannover II nur 1,5 Prozent der Erststimmen. Vor vier Jahren hatte er noch 6,2 Prozent erreicht.

Westerwelle mit sechs Prozent

Bundesaußenminister Guido Westerwelle holte in seinem Wahlkreis Bonn sechs Prozent der Erststimmen.

Gysi verteidigt sein Direktmandat

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, holte mit 42,2 Prozent der Stimmen seinen Berliner Wahlkreis Treptow-Köpenick - zum dritten Mal in Folge. dpa/AFP/sei

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