Linkspartei

Linke holt Deutschland-Rekorde in Berlin

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Katrin Schoelkopf und Lucas Wiegelmann

Die Linke hat im Berliner Bezirk Lichtenberg das deutschlandweit beste Ergebnis eingefahren und das zweitbeste in Berlin-Marzahn. Überhaupt hat die Partei den Ostteil der Stadt im Griff und setzt damit die Sozialdemokraten unter Druck.

Erst kurz vor Mitternacht hatte Stefan Liebich es erfahren. Da wusste er zwar längst, dass er über die Landesliste der Linke (Platz 4) in den Bundestag einziehen würde. Aber dass er sogar ein Direktmandat erringen und in seinem Pankower Wahlkreis ein Idol der SPD vom Sockel stoßen würde, daran hatte er selbst nicht geglaubt: Gegen Mitternacht wurde dann klar, dass der 36 Jahre alte Linke Stefan Liebich das SPD-Urgestein Wolfgang Thierse (65) geschlagen hatte – mit 28,8 zu 27,4 Prozent. Zwar wird Thierse auch dem neuen Bundestag wieder angehören, weil er über die Landesliste abgesichert war. Das Ergebnis ist dennoch symptomatisch für die neuen Berliner Verhältnisse: Die Linke hat den Ostteil der Stadt wieder fest im Griff und setzt damit die SPD unter Druck. Bemerkenswert ist, dass die Partei nun auch im Westen aufholt. Die Ergebnisse zeigen: Die Hauptstadt entwickelt sich immer mehr zu einer Hochburg der Linkspartei.

Im Bezirk Lichtenberg holte die Partei ihr deutschlandweit bestes Ergebnis: 41,2 Prozent der Zweitstimmen. Auch das zweitstärkste Resultat erzielten die Linken in Berlin: 40,8 Prozent in Marzahn-Hellersdorf. Doch auch in westlichen Bezirken schnitt die Linkspartei respektabel ab. Überall konnte sie zulegen und holte zum Beispiel in Spandau 10,7 Prozent und in Neukölln 13,9. In der ganzen Stadt liegt die Linkspartei mit 20,2 Prozent gleichauf mit der SPD. Linke-Landeschef Klaus Lederer sprach gestern von „einem gigantischen Ergebnis.“

Die Niederlage von Wolfgang Thierse machte den Jubel der Linken komplett. Denn dass Gregor Gysi in Treptow-Köpenick, Petra Pau in Marzahn-Hellerdorf und Gesine Lötzsch in Lichtenberg gewinnen würden, damit war zu rechnen gewesen. Aber ein viertes Direktmandat hat die Linkspartei in Berlin noch nie geholt. Das gute Gesamtergebnis sorgte schließlich dafür, dass auch die Vize-Bundesvorsitzende Halina Wawzyniak mit Platz 5 der Landesliste in den Bundestag einzieht.

Linken-Fraktionschefin Carola Bluhm sieht nach diesen Ergebnissen jetzt die Sozialdemokraten unter Zugzwang. Die SPD könne von ihrer Partei lernen und müsse linker werden, sagte Bluhm. Mit Schwarz-Gelb im Bund werde sich Rot-Rot in Berlin in sozialer Hinsicht neu aufstellen.

Auch Stefan Liebich führte seinen Sieg in Pankow auf „unsere richtigen Themen Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden“ zurück. Liebich will den Absturz der SPD in Berlin nicht nur kommunalpolitisch begründen. „Tatsache ist aber, dass man der SPD soziale Gerechtigkeit nicht mehr zutraut.“ Das treffe auch Klaus Wowereit und SPD-Landeschef Michael Müller. „Den Platz, den die SPD freigemacht hat, haben jetzt wir eingenommen.“


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