Stadtplanung

Neuer Investor will Post-Ruine in Spandau abreißen

Die verwahrloste Immobilie in bester Spandau-Lage hat neue Besitzer. Sie wollen 100 Millionen Euro in ein neues Quartier investieren.

Das alte Postamt in Spandau hat einen neuen Besitzer

Das alte Postamt in Spandau hat einen neuen Besitzer

Foto: BM

Seit gut 20 Jahren steht das Postamt am Rande des historischen Spandauer Ortszentrums an der Klosterstraße leer. Zwar fanden sich immer wieder Interessenten für den Anfang der 80er-Jahre errichteten Betonkoloss. Immer wieder scheiterten jedoch die vielen ambitionierten Pläne wechselnder Investoren.

Jetzt gibt es neue Hoffnung: Die verwahrloste Immobilie in bester Spandau-Lage hat neue Besitzer. Die Merz Objektbau und das Unternehmen Fay Projects haben das 14.000 Quadratmeter große Areal gegenüber den Spandau Arcaden gekauft. Am Mittwoch stellten die neuen Eigentümer ihre Planungen im Rathaus Spandau vor.

„Wir freuen uns, dass wir nach der langen Zeit den Zugriff auf das Grundstück sichern konnten“, teilte Merz-Geschäftsführer Agilolf Bachner mit. Bereits seit 2010 habe man mit den damaligen Eigentümern verhandelt, damals jedoch erfolglos. Um das Vorhaben zu entwickeln, hätten beide Unternehmen die Projektgesellschaft „Spandauer Ufer“ gegründet.

Die bisherigen Abstimmungen sehen eine Mischnutzung von Hotel, Wohnen und Gewerbe sowie einen öffentlich zugänglichen Platz an der Havel vor“, teilten die Unternehmen in einer Presseerklärung mit. Man habe das Ziel, möglichst schnell mit den Abbrucharbeiten am alten Postamt zu beginnen, um Platz für das neue Vorhaben zu schaffen.

Höhe soll sich am benachbarten Rathausturm orientieren

Insgesamt sollen Gebäude mit einer Bruttogeschossfläche von 48.000 bis 68.000 Quadratmetern entstehen. Die Höhe der neuen Bebauung werde sich an der Dachtraufe des Rathausturmes (77 Meter) sowie der Gebäude im Umfeld orientieren. Das Investmentvolumen bezifferten die Projektpartner auf 100 Millionen Euro. Neben einem Wohnanteil von rund 20 Prozent würden auf dem Areal in Handel, Dienstleistung, Hotel und Gewerbe auch rund 200 Arbeitsplätze entstehen.

„Der zweite Schandfleck im Spandauer Zentrum – das ehemalige Postgebäude - kommt weg! Nach der Sanierung des ehemaligen Hauses der Gesundheit, die so gut wie abgeschlossen ist, geht es nun der alten Post an den Kragen“, begrüßte Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) den Verkauf des ehemaligen Postgeländes. 20 Jahre Stillstand seien genug. „Der Standort muss jetzt positiv entwickelt werden, sodass die Attraktivität von Spandaus Mitte weiter steigt“, sagte Kleebank.

Wie genau das neue Quartier gestaltet werden soll, dazu sollen in den kommenden Monaten konkrete Planungsvarianten entwickelt werden. Läuft alles nach Plan, könnte der Teilabriss der Beton­ruine an der Klosterstraße bereits in diesem Jahr beginnen. Ebenso wie die Bürgerbeteiligung, die dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan, den das Bezirksamt aufstellen möchte, vorausgeht. 2018 könnte dann Baurecht bestehen und die Bauarbeiten beginnen, hoffen die neuen Eigentümer. Die Fertigstellung des gesamten Quartiers, so Bachner, werde voraussichtlich 2020/2021 erfolgen.

Das drittgrößte Bauvorhaben in Spandau

Die von der neu gegründeten Projektgesellschaft „Spandauer Ufer“ vorgestellten Pläne wirken trotz ihres beachtlichen Umfangs recht bescheiden, wenn man sie an den hochfliegenden Visionen misst, die die Vorbesitzer für das Areal entwickelt hatten. So hatte etwa die Weag einen 136 Meter hohen Hotelturm mit 2000 Betten, sowie eine 2000 Quadratmeter große Marina errichten wollen. Von einer Marina ist nun nicht mehr die Rede, auch in der von der Weag geplanten Höhe ist das Projekt vom Tisch.

Das künftige Bauvorhaben ist auch hinsichtlich der Bebauungsgröße insgesamt deutlich abgespeckt. „Die Bruttogeschossfläche, die den damaligen Investoren vorschwebte, war etwa doppelt- bis dreimal so hoch“, sagte Kleebank. Doch auch in dieser bescheideneren Variante zählt das Projekt immer noch zu den bedeutendsten Großprojekten im Bezirk: Nach dem Ausbau des BMW-Motorradwerkes in Haselhorst und dem Großprojekt Inselstadt Gartenfeld mit bis zu 3000 Wohnungen und Gewerbe sei es das nunmehr drittgrößte Bauvorhaben in Spandau, sagte der Bezirksbürgermeister.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.