Invasion Russlands

Mehr als 232.000 Ukraine-Flüchtlinge in Deutschland erfasst

| Lesedauer: 4 Minuten
dpa
Ukrainische Flüchtlinge und ihre Kinder warten am Bahnhof im polnischen Przemysl.

Ukrainische Flüchtlinge und ihre Kinder warten am Bahnhof im polnischen Przemysl.

Foto: dpa

Die Anzahl der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine nimmt weiter zu. Ihre Unterbringung und Versorgung soll gewährleistet werden. Sicher scheint zunächst vor allem: es werden noch mehr.

Berlin/Athen/Nikosia/Dublin. In Deutschland sind seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine von der Bundespolizei 232.462 Kriegsflüchtlinge erfasst worden. Das teilte das Bundesinnenministerium am Dienstag mit.

Diese Zahl beschränkt sich auf Geflüchtete, die von der Bundespolizei angetroffen wurden, etwa an der österreichisch-bayerischen Grenze, an Bahnhöfen oder in Zügen. Im Regelfall gibt es keine festen Grenzkontrollen an den EU-Binnengrenzen, Ukrainer dürfen zudem ohne Visum einreisen - die Zahl der Angekommenen ist daher wahrscheinlich deutlich höher.

Nicht erfasst wird außerdem, wie viele der Geflüchteten womöglich von Deutschland aus weiterreisen zu Freunden oder Verwandten in anderen Staaten. Die vom Innenministerium gemeldete Zahl bezieht sich nicht auf die Registrierungen in Aufnahmeeinrichtungen oder bei Ausländerbehörden.

Um Engpässe bei der Unterbringung und Versorgung der Ukraine-Flüchtlinge zu vermeiden, sollten am Dienstag rund 4000 Menschen mit 77 Bussen an verschiedene Orte in Deutschland gebracht werden. Nach Angaben aus Regierungskreisen waren alleine 21 Fahrten nach Bayern vorgesehen. Eine vom Bund organisierte Fahrt war demnach von Polen nach Hessen geplant. Mehr als die Hälfte der Busfahrten sollte in Berlin starten.

Griechenland hat Flüchtlingscamps wiedergeöffnet

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine trafen in Griechenland rund 13.000 ukrainische Flüchtlinge ein. Darunter seien 4161 Minderjährige, teilte das griechische Bürgerschutzministerium mit. Im benachbarten EU-Land Zypern kamen laut zyprischem Staatsfunk bisher mehr als 6000 Menschen aus der Ukraine an. Zudem sind gut 2000 Menschen aus der Ukraine auf der Ferieninsel geblieben, die dort bereits arbeiteten oder Urlaub machten und wegen des Kriegs nicht in ihre Heimat zurückkehren können. Auch diesen werde wie allen anderen Kriegsflüchtlingen "rasch und unbürokratisch" geholfen, berichtete der zyprische Staatsrundfunk.

In beiden EU-Staaten bekommen nach Angaben der Behörden alle Flüchtlinge aus der Ukraine für die nächsten zwölf Monate eine Sozialversicherungs- und Steuernummer. Zudem hat Griechenland bereits drei Camps wieder geöffnet, die während der Flüchtlingskrise 2015 errichtet worden waren. Die meisten Flüchtlinge aus der Ukraine kommen jedoch bislang bei Verwandten und Freunden unter. In Griechenland leben zahlreiche Ukrainer, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 emigriert waren.

Irlands Regierung erwartet viel mehr Flüchtlinge

Auch Irland richtet sich darauf ein, auf der Insel Zehntausende weitere Menschen aus der Ukraine aufzunehmen. "Es ist nicht die Frage, ob wir soundso viele Menschen unterbringen können, sondern wie wir es tun", sagte Außenminister Simon Coveney. Bisher sind mehr als 10.000 Kriegsflüchtlinge angekommen. "Die Erwartung ist, dass diese Zahl noch deutlich steigen könnte. Jedes EU-Mitglied bereitet sich darauf vor, und Irland ist keine Ausnahme."

Irland hat zugesagt, zwei Prozent aller geflohenen Ukrainer aufzunehmen. Regierungsmitglieder halten es für möglich, dass in den kommenden Monaten etwa 200.000 Menschen einreisen könnten. In Irland leben gut fünf Millionen Menschen. Nach offiziellen Angaben nahmen bislang 4000 Ukrainer vom Staat bereitgestellte Unterkünfte in Anspruch. Die Regierung arbeite mit Behörden und Kirchen an zusätzlichen langfristigen Unterbringungsmöglichkeiten.

Das Nachbarland Großbritannien hat bisher rund 10.200 Visa an Ukrainer verteilt. Insgesamt gab es - Stand Sonntag - 31.500 Anträge. Das Vereinigte Königreich ist das einzige westeuropäische Land, das von geflohenen Ukrainer ein Visum verlangt. Die Regierung steht deshalb in der Kritik. Das Innenministerium in London begründet die Vorgabe mit Sicherheitsbedenken.

UN: 3,5 Millionen Menschen aus Ukraine geflohen

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat am 24. Februar begonnen. Nach UN-Angaben sind bereits mehr als 3,5 Millionen Menschen aus der Ukraine ins Ausland geflohen. Die Ukraine hatte vor Beginn des russischen Angriffs mehr als 44 Millionen Einwohner. "Wir müssen davon ausgehen, dass es acht bis zehn Millionen Geflüchtete werden in den nächsten Wochen", hatte Außenministerin Annalena Baerbock am Montag bei einem EU-Treffen in Brüssel gesagt. Die Innenminister der Europäischen Union wollen am kommenden Montag erneut über die Aufnahme der Kriegsflüchtlinge sprechen.

© dpa-infocom, dpa:220322-99-628245/2

( dpa )