Weltpolitik

Süd- und Nordkorea öffnen wieder Kommunikationskanäle

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dpa
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (l) und Südkoreas Präsident Moon Jae In bei einem Treffen im April 2018.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (l) und Südkoreas Präsident Moon Jae In bei einem Treffen im April 2018.

Foto: dpa

Lange Zeit herrschte Funkstille zwischen Süd- und Nordkorea. Jetzt gibt es wieder deutliche Zeichen für eine Annäherung.

Bei ihren Bemühungen um eine Wiederannäherung haben Süd- und Nordkorea einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht.

Nach monatelanger Unterbrechung stellten beide Länder überraschend ihre offiziellen Kommunikationsverbindungen am Dienstag wieder her, dem 68. Jahrestag der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags zur Beendigung des Korea-Kriegs (1950-53). Den Schritt verkündeten beide Seiten getrennt voneinander. Die Einigung ging demnach auf einen lange geheim gehaltenen Briefwechsel zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zurück.

Ziel des Austauschs zwischen Moon und Kim seit April sei es gewesen, gegenseitiges Vertrauen wiederzugewinnen und die Beziehungen voranzubringen, hieß es der Mitteilung des Präsidialamts in Seoul. Die Öffnung der Kommunikationsleitungen sei ein Schritt dahin. Eine Diskussion über ein neues Gipfeltreffen von Angesicht zu Angesicht gab es demnach nicht. Beobachter in Südkorea gehen allerdings davon aus, dass Moon vor dem Ende seiner Amtszeit im nächsten Jahr Kim noch einmal treffen will.

Das weithin abgeschottete Nordkorea hatte im Juni des vergangenen Jahres einseitig alle Kommunikationskanäle zwischen den Regierungen und den Militärs beider Länder gekappt. Auch die Hotline zwischen dem Präsidialamt in Seoul und dem Büro des nordkoreanischen Machthabers war betroffen. Die Regierung in Pjöngjang sah die Würde des Machthabers durch kritische Flugblattaktionen aus Südkorea verletzt. Nordkoreanische Flüchtlinge hatten regelmäßig riesige Heißluftballons über die Grenze geschickt. In den Flugblättern riefen sie zum Sturz der autokratischen Führung in Pjöngjang auf.

Nordkorea hatte Seoul vorgeworfen, nichts gegen die Aktionen zu unternehmen. Später sprengte Nordkorea auch ein gemeinsames Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong. Im April 2018 hatten Moon und Kim im Grenzort Panmunjon bei ihrem ersten von drei Gipfeln versprochen, sich regelmäßig zu treffen und sich über ihre Hotline anzurufen.

Alle Koreaner wünschten sich, dass sich die bilateralen Beziehungen wieder von den Rückschlägen "so früh wie möglich" erholten, hieß es am Dienstag in den nordkoreanischen Staatsmedien. Die obersten Anführer hätten sich darauf geeinigt, durch "die Wiederherstellung der getrennten innerkoreanischen Kommunikationsverbindungslinien" das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen und die Aussöhnung zu fördern. Beobachter gehen davon aus, dass Nordkorea mit der Wiederannäherung an das Nachbarland auch den Weg zu möglichen Hilfen ebnen könne. Das Land hatte zuletzt Probleme bei der Versorgung der Menschen im Land eingestanden.

"Südkorea wollte einen innerkoreanischen Gipfel in diesem Jahr, um den Dialog und die Zusammenarbeit wiederaufzunehmen", sagt der südkoreanische Experte Cheong Seong Chang vom privaten Sejong-Institut. Er denke, dass es zu einem weiteren Treffen zwischen Moon und Kim kommen werde.

Mit der Wiederherstellung der Kommunikationsverbindungen habe Nordkorea auch die Bemühungen der südkoreanischen Regierung gewürdigt, auf die Nordkorea-Politik der US-Regierung von Präsident Joe Biden einzuwirken und sie "softer" (auf Deutsch: "weicher") zu machen. Für die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Pjöngjang und Washington gebe es aber nach wie vor "eine Reihe von Hindernissen".

Nordkorea ist wegen seines Atomwaffenprogramms international isoliert. Die Verhandlungen zwischen Nordkorea und den USA kommen seit dem gescheiterten Gipfel Kims mit dem früheren US-Präsidenten Donald Trump im Februar 2019 in Vietnam nicht mehr voran. Unter dem Stillstand litten auch die innerkoreanischen Beziehungen. Die USA boten Nordkorea zuletzt bedingungslos Gespräche an. Beobachter gehen aber davon aus, dass Nordkorea zunächst konkrete Vorschläge von Washington erwartet.

© dpa-infocom, dpa:210727-99-547057/5

( dpa )

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