Präsidentschaftswahl

US-Wahl 2020: Diese Amerikaner hoffen auf Joe Biden

Am 3. November wählen die US-Amerikaner einen neuen Präsidenten. In Wisconsin hoffen Farmer auf einen Sieg von Biden – gegen Trump.

So wird in den USA gewählt

Alle vier Jahre wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Das Wahlsystem unterscheidet sich deutlich von unserem.

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Cambridge. Wenn Duane Hinchley seine Frau Tina auf die Palme bringen will, dann zeigt er bei der Autofahrt durch die Acker-Landschaft um Cambridge auf die vielen blau-weiß grundierten Vorgarten-Werbeschilder mit den Namen, die das Milchbauer-Ehepaar nicht ausstehen kann: Donald Trump. Mike Pence.

Die Hinchleys, die im Herzen des vor der Präsidentschaftswahl in sechs Wochen schwer umkämpften Bundesstaates Wisconsin einen zehn Quadratkilometer großen Bauernhof mit 240 Milchkühen betreiben, sind anders als das Gros der Landwirte in Amerika. Sie hoffen, „nachdem wir vier Jahre durchgeweint haben”, inständig auf einen Sieg des Demokraten Joe Biden.

Farmer über Trump: „Hat unser Einkommen drastisch verringert“

Was die Farmer über Trump zu sagen haben, ist vernichtend. „Wirtschaftlich hatten wir am Ende der Obama-Zeit unsere besten Tage”, steigt Duane Hinchley ein, „danach ging es bergab.” Trumps Zoll-Handelskrieg mit China, sagt die Hausherrin, die durch Tagestouren für Schulklassen und Senioren für ein zusätzliches finanzielles Standbein sorgt, „hat unser Einkommen drastisch verringert”.

Die versprochenen Kompensationszahlungen aus Washington, die sich landesweit auf über 30 Milliarden Dollar belaufen, seien auf ihrem Hof bis heute nicht wirklich angekommen. Nur durch Rücklagen habe man überlebt. „2019 sind in Wisconsin über 800 mittelständische Bauern in die Pleite gegangen”, sagt Duane Hinchley, „wie können Landwirte allen Ernstes diesen Präsidenten wiederwählen?”.

Joe Biden sei ein „besonnener Mann“

Käme Joe Biden ins Amt, würde der Handelskrieg „beigelegt”. Dass der Demokrat Super-Reiche stärker besteuern will, findet er „richtig und überfällig”. Seine Frau zieht den Kreis breiter. Mit Joe Biden würden „endlich Anstand und Würde zurückkehren”. Trump habe allein mit seiner Sprache gegenüber Frauen „die MeToo-Bewegung gestartet”. Sie nennt ihn „rassistisch und spalterisch”. Joe Biden sei ein „besonnener Mann“, der „führt und nicht hetzt”.

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In Wisconsin, steht Tina Hinchley damit nicht allein. Der Anteil von Frauen mit einfacher Schulbildung auf dem Land, 2016 für Trump eine Bank, geht laut einer Umfrage von ABC News und „Washington Post“ im zweistelligen Prozentbereich zurück.

Zahlen, die Chris Walton Mut machen. Mit 31 Jahren ist der Afro-Amerikaner Parteichef von Milwaukee County, dem bevölkerungsreichsten Landkreis in Wisconsin. Vor allem hier leben viele schwarze Wähler, die Hillary Clinton 2016 die kalte Schulter zeigten. Walton, ein geschulter Redner, glaubt, dass Joe Biden das nicht passieren wird. „Damals war es ein perfekter Sturm gegen uns. Es gab Leute, die wollten keine Präsidentin.”

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Walton: „Am 3. November wird Wisconsin wieder blau“

Am 3. November, sagt Walton, wird Wisconsin wieder „blau”. Sprich: demokratisch. 53 % zu 46 % kann er sich „gut vorstellen“. Was ihn zuversichtlich macht, ist das, was er auf der Straße hört: Dass Joe Biden dank seiner langen Erfahrung „genau der richtige Mann zur richtigen Zeit ist”. Dass mit ihm die Corona-Krise „bei weitem nicht so schlimm geworden wäre”. Dass Trump „gelogen hat und die Wirtschaft zusammenbrechen ließ, die Obama ihm hinterließ”.

Trumps Neigung, „die Leute permanent zu spalten” und sich nur „um seine Anhänger zu kümmern”, als wären Demokraten Fremdkörper oder Feinde, habe das Land moralisch zerrüttet, sagt Walton. „So führt man Amerika nicht. Viele werden schon deshalb zur Wahl gehen, um dieses Kapitel zu beenden.” Joe Biden werde niemals wie der Präsident nach den Unruhen im 45 Auto-Minuten von Milwaukee entfernten Kenosha „wie ein Brandstifter mit einem Paket Streichhölzer in einer Papierfabrik herumrennen und Wunden weiter aufreißen anstatt zu versöhnen”.

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Chris Walton bestätigt auch, was kurz vorher in Oskosh, einer verschlafenen Kleinstadt am Lake Winnebago, Dottie und LuAnn Butkiewicz im Hauptquartier der örtlichen Demokraten erzählen. Danach ist die „Euphorie wirklich groß“. 1900 Werbeschilder für den Vorgarten mit der Aufschrift „Joe Biden-Kamala Harris” seien bereits weg, 1300 weitere bestellt. „Das hatten wir hier noch nie.”

Wahlkampf: Demokraten haben mehr Geld zur Verfügung

Dazu kommt das Geld. Bidens Demokraten haben in der heißen Phase mehr Geld – rund 140 Millionen US-Dollar – in der Wahlkampfkasse als Donald Trump. Allein im August sammelte die Partei mit dem Esel im Wappen für Biden landesweit 365 Millionen Dollar ein.

Als Joe Biden am Montag in Manitowoc nördlich von Milwaukee vor seine Anhänger trat, konnte er neue Rekordmarken vermelden. In den ersten 48 Stunden nach dem Tod der Supreme-Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg („RBG”) sind auf einer Online-Plattform 100 Millionen US-Dollar für demokratische Anliegen/Kandidaten zusammengekommen. Indiz dafür, dass die Bedeutung der ideologischen Zusammensetzung des höchsten Gerichts der USA, sonst einer Domäne konservativer Wähler, im demokratischen Lager extrem zunimmt. Lesen Sie dazu: US-Wahlkampf: Gegen Ginsburgs Tod verblasst sogar Corona

Joe Biden versucht daraus mit präsidialer Haltung Kapital zu schlagen. An die republikanische Mehrheit im Senat appellierte er, „keine rohe politische Gewalt” auszuüben. Heißt: Trump soll darauf verzichten, noch vor dem Wahltermin am 3. November eine erzkonservative Juristin an die Stelle der linksliberalen Kultfigur durchzudrücken. Der Präsident will am Wochenende die Person seiner Wahl bekanntgeben.

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Krankenversicherung als Chance für Biden

Mit einer 6-3-Mehrheit der Konservativen am Supreme Court, so Biden, drohe kurzfristig massives Ungemach. Hintergrund: Noch in diesem Jahr berät das Gericht über Eckpfeiler der von Trump ersatzlos sturmreif geschossenen Krankenversicherung seines Vorgängers („Obamacare”).

Die Frage ist, welche Versicherungsleistungen chronisch Kranke („pre-existing conditions”) künftig noch zu gewärtigen haben. Ein Thema, das Millionen Menschen existenziell betrifft. Wenn eine konservative Mehrheit am Gericht Anti-Obamacare-Urteile unterer Instanzen bestätigt, könnten sie ins Bodenlose fallen. In der prekären Coronavirus-Lage bedeutet das für Zigtausende eine „Katastrophe”, sagen Analysten in Washington.

Joe Biden wird auf dieses Szenario ab sofort immer wieder hinweisen. Es könnte noch nicht entschiedene Wähler in letzter Minute mobilisieren.

Apropos Mobilisierung: In den Umfragen, die im Tages-Takt kommen, liegt der Alt-Vizepräsident weiter beharrlich vor Trump; landesweit wie auch in den allermeisten Schlüssel-Bundesstaaten von Pennsylvania bis Michigan. Dort lässt sich ablesen, dass Trumps „Law and Order”-Strategie nach den tödlichen Ausschreitungen und Plünderungen im Gefolge von Anti-Rassismus-Demonstrationen nicht verfängt. Der Mehrheit ist das Corona-Krisenmanagement des Präsidenten viel wichtiger. Hier bekommt Trump angesichts von über 200 000 Toten unterdurchschnittliche Noten.

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