Polizeigewalt

Trump spaltet Amerika – auch bei seinem Besuch in Kenosha

Donald Trump hat seine Ankündigung wahrgemacht und Kenosha besucht. Dort stößt der US-Präsident auf Zustimmung – und harsche Ablehnung.

Trump inszeniert sich in Kenosha als Garant für Recht und Ordnung

US-Präsident Donald Trump hat seinen Besuch in der von schweren Unruhen erschütterten Stadt Kenosha für Solidaritätsbekundungen mit der Polizei genutzt. Die Beamten hätten einen "fantastischen Job" geleistet, sagte Trump während der umstrittenem Visite zum Vorgehen der Polizei gegen die Ausschreitungen.

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Washington. Bereits auf der Fahrt im Konvoi aus dem Nachbarstaat Illinois nach Kenosha konnte Donald Trump nicht verborgen bleiben, dass er zwischen allen Stühlen sitzt.

Etliche Einwohner der 100.000-Einwohner-Stadt in Wisconsin, die nach Polizeibrutalität gegen den Schwarzen Jacob Blake der jüngste US-Schauplatz für Demonstrationen und schwere Unruhen wurde, begrüßten Trump entlang der Fahrroute überschwänglich. Sie sehen in seiner Anwesenheit ein „willkommenes Zeichen“ gegen die „blinde Gewalt”, mit der von auswärts angereiste Demonstranten dem Anliegen der „Black Lives Matter“-Bewegung „sehr geschadet haben”.

Trump in Kenosha – ein „billiger Wahlkampf-Stunt”?

Andere, vor allem linke Demonstranten, erkannten in der von den politisch Verantwortlichen vor Ort abgelehnten Visite Trumps einen „billigen Wahlkampf-Stunt”, der „nur noch mehr Zwietracht bringen wird”. Trump gehe es nicht um die Beseitigung des tief wurzelnden Rassismus, der in dem „unverhältnismäßigen Polizeieinsatz” gegen Jacob Blake zum Ausdruck gekommen sei, sagte eine 23-jährige Studentin aus Milwaukee einem örtlichen TV-Sender.

Blakes Onkel, Justin Blake, verstärkte das Argument. Während sich der US-Präsident persönlich ein Bild von den Brandschatzungen und Zerstörungen in der Innenstadt machte und Geschäftsleuten vor den Ruinen ihrer Häuser Wiederaufbauhilfe versprach, trat der Verwandte des mit sieben Rückenschüssen im Krankenhaus liegenden Afroamerikaners bei einer Gegenveranstaltung auf.

Onkel von Jacob Blake nennt Trump einen Rassisten

„Trump ist ein Rassist, der Rassen-Spannungen anheizt, seit er ins Weiße Haus gezogen ist“, sagte Justin Blake. „Warum sollte ich als Onkel von Jacob mit ihm reden wollen?” Trump selber hatte vor dem Abflug aus Washington ein Treffen mit der Blake-Familie abgelehnt, weil sie auf Anwesenheit eines Anwalts gepocht habe.

Der Bürgerrechtler Jesse Jackson, einst schwarzer Präsidentschaftskandidat der Demokraten, warf Trump bei Interviews in Kenosha vor, mit seinem Besuch Salz in die Wunden einer „tief verletzten” Stadt zu streuen.

Bürgerrechtler: „Trump agiert wie ein Brandbeschleuniger“

Dem Präsidenten gehe es darum, weitere Gewaltexzesse zwischen Linken und Rechten zu provozieren, um sich vor der Wahl im November gegenüber Herausforderer Joe Biden als Garant für Recht und Ordnung zu präsentieren, sagte Jackson weiter. Das sei „gefährlich und lächerlich”.

Die seit dem tödlichen Polizeieinsatz gegen Georg Floyd Ende Mai in den USA grassierende Gewaltwelle sei unter Trumps Präsidentschaft entstanden und „verschlimmert” worden, betonte Jackson. Vor allem, weil der Amtsinhaber „jeden Tag wie ein Brandbeschleuniger agiert”.

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Trump spricht der Polizei seinen Respekt aus

So hatte Trump Kenoshas Bürgermeister John Antaramian als „sehr dumm” bezeichnet, weil er wie auch Wisconsins Gouverneur Tony Evers das Angebot Trumps abgelehnt hatten, die Nationalgarde mit Tausenden von Soldaten brachial gegen linke Demonstranten aufmarschieren zu lassen.

Bei einer Begegnung mit Polizisten sprach Trump den Beamten Respekt für die „schwierigen Einsätze” der vergangenen Tage aus. Trump verteidigte die umstrittenen Polizeieinsätze der vergangenen Wochen indirekt: „Cops“ hätten oft nur Sekundenbruchteile, um eine Entscheidung zu treffen, sagte er. Dem Polizei-Departement in Kenosha versprach er eine Sonderhilfe von einer Million Dollar.

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US-Präsident verteidigt Mordverdächtigen

Bereits am Vortag hatte Trump den wegen zweifachen Mordes angeklagten Kyle Rittenhouse in Schutz genommen und damit empörte Reaktionen im Lager seines Herausforderers Joe Biden ausgelöst. Der 17-jährige Waffen-, Polizei- und Trump-Fan hatte als Vertreter einer informellen Bürgerwehr in Kenosha zwei linke Demonstranten (26 und 36) mit einem Sturmgewehr erschossen. Ein dritter Beteiligter überlebte schwer verletzt.

Trump verteidigt vor umstrittenem Besuch in Kenosha jugendlichen Todesschützen
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Rittenhouse’ Anwalt John Pierce sagte, sein Mandant habe aus Notwehr gehandelt, andernfalls hätte man ihn getötet. Trump machte sich die Argumentation, wissend um die Mordanklage der Staatsanwaltschaft, zu eigen. „Ich denke, er war in großer Not, er wäre wahrscheinlich getötet worden”, sagte der Präsident über den in rechtsextremen Internetkreisen inzwischen als Held gefeierten Heranwachsenden.

Joe Bidens Konter: „Wir brauchen einen Präsidenten, der die Temperatur in diesem Land senkt und nicht erhöht.“

Schwarzer Radfahrer von Polizei erschossen

Unterdessen reißen die Fälle von erschreckender Polizeigewalt gegen Afroamerikaner nicht ab. In Los Angeles wurde der 29-jährige Schwarze Dijon Kizzee nach Angaben des Anwalts seiner Familie mit bis zu 20 Schüssen in den Rücken getötet. Auslöser des blutigen Polizeieinsatzes: Kizzee hatte, wie das Sheriff-Departement (LASD) berichtete, als Fahrradfahrer gegen eine Straßenverkehrsvorschrift verstoßen. Lesen Sie dazu: Schwarzer Radfahrer in Los Angeles von Polizei erschossen

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