Trump-Gegnerin

Hillary Clinton im Interview: „Man hat mich dämonisiert“

Hillary Clinton über ihren Gegner Donald Trump, Glück und die Frage, warum es Frauen heute noch immer schwerer in der Politik haben.

Berlin. Sie wirkt jovial und gut gelaunt – als hätte sie alle Niederlagen der Vergangenheit längst weggesteckt. Vielleicht liegt es auch daran, dass Hillary Clinton Filmstar geworden ist: Die Dokumentation „Hillary“ (ab März auf Sky) zeigt bekannte und unbekannte Facetten ihrer Persönlichkeit. Und sie antwortet so reflektiert, authentisch und persönlich, dass man sie sich in dem Amt wünscht, das ihr verwehrt blieb: der US-Präsidentschaft.

Unser Interview findet unter den Vorzeichen der Corona-Seuche statt. Machen Sie sich Sorgen?

Hillary Clinton: Aber natürlich. Und solche Krankheiten wird es leider im Zeitalter der Mobilität künftig noch mehr geben.

In der vierteiligen Doku „Hillary“ geben Sie einen Einblick in Ihr Leben und Denken, wie wir ihn so noch nie bekamen. Bereiten Sie damit wieder Ihren Einstieg in die Politik vor?

Clinton: Ich beschäftige mich jetzt lieber damit, einen anderen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten an die Macht zu bringen. Abgesehen davon habe ich alle möglichen Projekte, die ich verfolge. Mit der Doku wollte ich nur, dass mich die Menschen besser verstehen. Vor allem, weil über mich so viele verrückte Ideen verbreitet wurden.

Die Sie vielleicht die Präsidentschaft gekostet haben?

Clinton: Das hatte sicher damit zu tun. Da gab es eine ganze Kampagne der Desinformation, die von Russland gesteuert wurde. Man hat mich dämonisiert. Mein Geschlecht spielte sicher auch eine Rolle. Daran ist absolut nichts zu deuteln. Als ich eine Lungenentzündung bekam, hieß es gleich, dass ich sterben würde. Wobei man solche Gerüchte auch schon vorher in einer Tour über mich verbreitete. Bei Bernie Sanders hat man eine Herzattacke einfach so hingenommen. Ich war mir dieser Vorurteile bewusst, aber ich dachte, dass ich sie überwinden könnte.

Aktuell liefern sich die Demokraten eine Schlacht um die Präsidentschaftskandidatur. Ihr alter Rivale Bernie Sanders liegt vorne. Zerbrechen Sie sich darüber den Kopf?

Clinton: Momentan ist noch gar nichts entschieden, die meisten Delegiertenstimmen sind noch nicht vergeben. Natürlich habe ich meine Meinung zu den Bewerbern, aber letztlich geht es nur um eine Frage: Wer ist am stärksten, um Donald Trump zu besiegen? Das ist mein einziges Anliegen. Und ich werde diese Kandidatin oder diesen Kandidaten voll unterstützen, egal wer das ist. Wobei ich hinzufügen muss, dass Bernie Sanders das seinerzeit bei mir nicht gemacht hat.

Es gibt ja Leute, die manches von dem, was Trump gemacht hat, nicht so schlecht finden.

Clinton: Mir fällt nichts Positives ein. Ich bestreite ja nicht, dass man politisch gesehen bestimmte Dinge verbessern kann, aber dieser Mann hat dafür keine Strategie. Und gleichzeitig hat seine Politik so viele negative Auswirkungen, schon allein außenpolitisch betrachtet. Er ist aus dem Klimaabkommen ausgestiegen und dem Atomabkommen mit dem Iran, er hat die Nato und die EU untergraben – und damit auch die Stellung der USA in der ganzen Welt. Und Trump liebt diese autoritären Führer, und er würde es ihnen am liebsten gleichtun: seine Gegner ins Gefängnis stecken, Leute nach Belieben zu feuern und Befehle zu erteilen, die bedenkenlos erfüllt werden.

Doch wir leben in einer Zeit, in der die Menschen sich nach solchen Führern zu sehnen scheinen.

Clinton: Weil wir in einer Krise der Demokratie leben – und einer Krise der politischen Institutionen und Führung. Ja, die Demokratie hat vielen Ländern große Errungenschaften gebracht, aber die Menschen sind damit nicht mehr zufrieden. Sie glauben, dass ihnen das nichts mehr bringt, werden gleichgültig und gehen nicht mal mehr wählen. Einige davon lassen sich dadurch zu extremen Positionen treiben – auf der Rechten und Linken.

Was lässt sich dagegen tun?

Clinton: Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall nicht mit Führern, die selbst diese Extreme vertreten. Trump ist dafür eben ein perfektes Beispiel. Er leistet nicht die harte Arbeit, die nötig ist, Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu finden, sondern er tweetet einfach nur. Er ist der perfekte Soziale-Medien-Führer. Es geht heutzutage ja nicht mehr darum, sorgfältig einen Konsens aufzubauen und Kompromisse auszuhandeln – was eben eine Demokratie ausmacht – sondern möglichst viele Klicks zu generieren. Aber die Politiker, die das wollen, müssen sich irgendwie Gehör verschaffen. Fragen Sie mich nicht, wie das geht. Aber es muss gelingen, ansonsten werden die Extremisten alles bestimmen. Und ein Trump ist hier für andere Staatsführer ein Vorbild, weil man ihm alles durchgehen lässt.

Vielleicht sollten auch mehr Frauen an die Macht kommen – wäre das eine Lösung?

Clinton: Es wäre jedenfalls einen Versuch wert. Ich denke, dass ich für andere Frauen die Tür geöffnet habe. Immerhin habe ich auch drei Millionen mehr Stimmen als Trump. Aber nach wie vor werden Frauen kritischer betrachtet als Männer, insbesondere wenn sie sich für so ein Amt bewerben.

Aber Sie sind jetzt glücklich?

Clinton: Rein privat betrachtet auf jeden Fall. Ich führe ein sehr angenehmes Leben. Aber politisch betrachtet kann man in Zeiten wie diesen nicht glücklich sein

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