US-Regierung

Trump: Wer aus der Familie wird der nächste US-Präsident?

Die Familien Bush und Kennedy haben es vorgemacht. Baut Donald Trump an einer Dynastie aus US-Präsidenten? Wer könnte ihm nachfolgen?

Die Trumps: Der US-Präsident mit (v. l.) Tiffany (Tochter aus Trumps zweiter Ehe), Donald jr. (Sohn aus erster Ehe), Ehefrau Melania; rechts von ihm Ivanka (Tochter aus erster Ehe) und Eric (aus erster Ehe). Im Vordergrund Kai und Donald III (Kinder von Donald jr.)

Die Trumps: Der US-Präsident mit (v. l.) Tiffany (Tochter aus Trumps zweiter Ehe), Donald jr. (Sohn aus erster Ehe), Ehefrau Melania; rechts von ihm Ivanka (Tochter aus erster Ehe) und Eric (aus erster Ehe). Im Vordergrund Kai und Donald III (Kinder von Donald jr.)

Foto: infusny-146 / ddp images / INSTAR

Washington. 
  • Donald Trump will noch einmal ins Weiße Haus – aber ebnet auch schon den Weg für einen Nachfolger
  • Die Trump-Dynastie lässt nicht locker: Donald Trump jr. soll der nächste Präsident werden
  • Die Bewerbung ist quasi schon raus – in Buchform: „Triggered“
  • Aber auch Ivanka wäre für den mächtigen Vater als Kandidatin „nur schwer zu schlagen“

„Acht Jahre Donald Trump – und wir werden Amerika nicht mehr wiedererkennen.“ So schrillt der Dauer-Warnton des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden. Rick Wilson denkt in viel längeren Bahnen.

Der gnadenloseste unter den Washingtoner Kritikern Trumps, ein Konservativer alter Prägung, sieht Amerika bis weit in die 2030er-Jahre hinein in den Händen einer Staats- und Privatgeschäfte skrupellos vermischenden Familiendynastie namens Trump – sollte der Amtsinhaber am 3. November eine zweite Amtszeit bekommen.

Bereits 2024 könnte die Stunde eines der fünf Kinder schlagen, die Trump senior mit drei Frauen gezeugt hat, prophezeit Wilson. Er denkt dabei gegen die landläufige Meinung nicht an „First Daughter“ Ivanka (38), über die ihre Mutter Ivana in ihren Memoiren orakelte, dass sie sicher einmal Präsidentin werde.

Wilson hat republikanischen Wählern den Puls gefühlt, mit Insidern in konservativen Kreisen gesprochen und sieht den Erstgeborenen, Donald Trump jr., in der Poleposition: einen Heißsporn von 42 Jahren, über den sein Vater auf dem Höhepunkt der Russland-Affäre unter Vertrauten gesagt haben soll, „Don“ sei nicht die „hellste Leuchte“.

Anlass: Der Junior, bei dessen Namensgebung Trump senior laut Ex-Gattin Ivana Zweifel hatte („Und was, wenn er ein Verlierer ist?“), organisierte 2016 ein törichtes Treffen mit einer putinnahen Anwältin, die schmutzige Infos über Hillary Clinton avisierte. Am Ende eine Luftbuchung, für die sich aber Sonderermittler Robert Mueller zum Leidwesen des Präsidenten sehr interessierte.

Trump-Sohn in Umfragen vor Rubio und Pompeo

Dass Donald jr., fünffacher Vater, geschieden, liiert mit der früheren Fox-News-Sprecherin Kimberley Guilfoyle, ernsthaft als Option gehandelt wird, in vier Jahren das politische Vermächtnis seines Vaters in die Nachspielzeit zu tragen, sind trotzdem keine „Fake News“. Eine Umfrage ergab vor wenigen Tagen, dass bereits 29 Prozent der republikanischen Wähler tatsächlich Don jr. als denjenigen sehen, der den Staffelstab übernehmen soll, wenn der Vater der Verfassung wegen nach zwei Amtszeiten abdanken müsste.

Nur Vizepräsident Mike Pence kommt mit 40 Prozent auf noch mehr Gefolgschaft. Große Namen wie Marco Rubio, Senator und Präsidentschaftskandidat 2016, oder Außenminister Mike Pompeo landen dagegen abgeschlagen auf den hinteren Plätzen – noch hinter Ivanka Trump, von der erstaunlicherweise nur 16 Prozent meinen, sie habe die Statur, um ihren größten Fan zu beerben.

Der Rückenwind für Donald jr., der als Kind, Jugendlicher und Erwachsener lange ein spannungsreiches Verhältnis zum Patriarchen unterhielt, kommt nicht aus heiterem Himmel. Bereits im Wahlkampf 2016 erwies sich der Hobby-Großwildjäger als wirksamste Waffe, um im Namen des Kandidaten Trump Arbeiterschaft und Prekariat anzusprechen.

Trump junior ist verbal ähnlich giftig wie sein Vater

Niemand im Umfeld des Präsidenten zieht giftiger und großmäuliger gegen Demokraten und alles Linke zu Felde als Don jr. In Ton und Gestik wirkt er mitunter wie eine 1:1-Kopie des Vaters. Wohl auch darum hat es sein Ende 2019 erschienenes Buch „Triggered“ schnell auf die Bestsellerliste der „New York Times“ geschafft.

Das 300 Seiten lange Pamphlet, in dem rund 300-mal die Formulierungen „mein Vater“ oder „mein Paps“ vorkommen, liest sich wie eine Bewerbung für die republikanische Präsidentschaftskandidatur 2024. Junior sagt, er habe den gleichen „Killerinstinkt“ wie sein Erzeuger. Und die gleiche „Energie“. Und überhaupt: „Von dem Moment an, in dem die Schwestern im New York Hospital den Namen Donald John Trump jr. auf meine Geburtsurkunde gesetzt haben, kann man sagen, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters getreten bin.“

Für Rick Wilson ein Schlüsselsatz. Weil Trump senior bei republikanischen Wählern Zustimmungswerte im beinahe honeckerschen Bereich genießt, sei es für Nicht-Trumpianer nahezu unmöglich, bei den Vorwahlen in vier Jahren gegen Don jr. zu bestehen – falls er antritt. Wilson: „Der Kult, der Trump (senior – Anm. d. Red.) nachrennt, folgt keinem anderen.“

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Ivanka Trump darf für Donald die Schatten-First-Lady geben

Dass sich die Wirklichkeit der Gedankenskizze annähert, zeigten jüngste Wahlkampfveranstaltungen, bei denen Don jr. in einpeitschender Entertainermanier das Publikum für den Vater anwärmte. In Texas schallte es plötzlich aus Tausenden Kehlen zurück: „2024!“ Der Sprössling fühlte sich gebauchpinselt und gab zurück: „Lasst uns erst einmal 2020 klarmachen.“

Don jr. vor Ivanka? Das ist eine innerfamiliäre Konkurrenzsituation, die Sprengstoff birgt und dem Patriarchen gar nicht gefallen dürfte. Bislang hat Donald Trump an der Vorzugsbehandlung seiner Tochter nicht den leisesten Zweifel gelassen. Er hält sie für „einzigartig“ und sah sie allen Nepotismusvorwürfen zum Trotz bereits als Ministerin in seinem Kabinett. Oder als US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Oder als Chefin der Weltbank.

Bei Staatsbesuchen oder Weltwirtschaftsgipfeln gestattet er ihr gegen alle diplomatischen Konventionen die große Bühne, wo Ivanka Trump mit makellos abgezirkelten Auftritten eine Art Schatten-First-Lady geben darf. Klar, wer ihm da vorschwebt, um den Namen Trump im Weißen Haus zu verewigen: „Wenn sie für die Präsidentschaft kandidieren würde, wäre sie sehr schwer zu schlagen“, sagte Trump im vergangenen Jahr. Über Don jr. ist kein auch nur annähernd vorschusslorbeeriger Satz überliefert.

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