Fluchtkorridore

Hilfsorganisationen warnen vor Massensterben in Aleppo

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Familien aus Aleppo werden von der syrischen Armee evakuiert.

Familien aus Aleppo werden von der syrischen Armee evakuiert.

Foto: Sana Handout / dpa

In einem gemeinsamen Appell kritisieren Hilfsorganisationen die Fluchtkorridore in Aleppo. Sie seien keine humanitäre Hilfsmaßnahme.

Bonn/Berlin/Aleppo.  Im Syrien-Konflikt haben Hilfsorganisationen vor dem Missbrauch sogenannter humanitärer Korridore als Kriegswaffe durch Russland und das Assad-Regime gewarnt. „Eine wirkliche humanitäre Hilfsaktion würde die Bewohner von Aleppo nicht zu der Wahl zwingen, entweder in die Arme ihrer Angreifer zu fliehen oder in den belagerten und bombardierten Stadtteilen zu bleiben“, erklärten etwa 40 Organisationen, darunter Care, Save the Children und World Vision, in einem am Mittwoch in Bonn und Berlin verbreiteten Appell.

„Wir befürchten, dass die Korridore eine humanitäre Katastrophe nicht verhindern, sondern vielmehr die verbleibenden Menschen in große Gefahr bringen würden“, betonten die Hilfswerke. Einen angeblich „sicheren Fluchtweg“ anzubieten, dürfe nicht im Umkehrschluss bedeuten, dass die verbleibenden Menschen in Aleppo zu militärisch legitimierten Zielen werden. „Die Stadt darf nicht zu einem weiteren Ort des Massensterbens werden“, mahnten die Organisationen.

Etwa 250.000 Menschen von der Versorgung abgeschnitten

Die Hilfsorganisationen reagieren auf die Ankündigung des Assad-Regimes und seines Verbündeten Russland von vergangener Woche, humanitäre Korridore für das freiwillige Verlassen der belagerten Stadt Aleppo einzurichten. Die Stadt wird in Teilen von Rebellen gehalten, ist aber von Truppen des Regimes eingekreist. Mindestens 250.000 Menschen sind von jeglicher Versorgung abgeschnitten.

Die Hilfswerke fordern die Staaten der Internationalen Syrien-Unterstützer-Gruppe auf, sich für ein Ende des Belagerungszustands und der illegalen Angriffe auf Zivilisten in Aleppo einzusetzen. Sie unterstützen die Forderung der Vereinten Nationen, den Schutz aller Menschen, die die Stadt freiwillig verlassen wollen, zu gewährleisten und zu überwachen. Zudem verlangen die Vereinten Nationen wöchentlich eine 48-stündige Feuerpause, um Hilfsgüter in die Stadt zu bringen. Ziel müsse ein Waffenstillstand und ein Ende der Bombardierung von Krankenhäusern und anderen zivilen Einrichtungen sein, heißt es in dem Appell. (epd)

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