Premierministerin

Theresa May: Die wichtigsten Fakten zu Camerons Nachfolgerin

Die Pfarrerstochter Theresa May hat viele Seiten. Regiert nun eine zweite „Eiserne Lady“ in London? Dies sind die wichtigsten Fakten.

An diesem Mittwoch tritt sie ihr Amt als britische Premierministerin an: Theresa May.

An diesem Mittwoch tritt sie ihr Amt als britische Premierministerin an: Theresa May.

Foto: NEIL HALL / REUTERS

London.  Auf Theresa May warten als Nachfolgerin von David Cameron große Aufgaben: Sie will Großbritannien aus der EU führen, Schottland im Vereinigten Königreich halten und die Wirtschaft stabilisieren. Was ist das für eine Frau, die nun als zweite Frau nach der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher als Premierministerin in die Downing Street Nr. 10 einzieht? Zumindest muss die 59-Jährige einigen Vergleichen standhalten. Dies sind die wichtigsten Hintergründe zur neuen Regierungschefin.

1. Was führte Theresa May ins Amt?

Seitdem Premier David Cameron nach der Brexit-Entscheidung seinen Rücktritt für September 2016 angekündigt hat, suchen die Torries nach einem Nachfolger. Nun ging alles schneller als gedacht: Die letzte verbliebene Konkurrentin Andrea Leadsom gab am Montag überraschend auf, weil ihr die Unterstützung in der Partei fehlte. Damit fiel ein Wahlkampf weg. Tatsächlich stolperte Leadsom aber über eine Aussage in einem Gespräch mit der „Times“: Als Mutter sei sie die bessere Wahl als die kinderlose May, weil sie deshalb stärker der Zukunft des Landes verpflichtet fühle. Damit war es aus.

2. Ist Theresa May die nächste „Eiserne Lady“?

Einige Beobachter vergleichen May bereits mit Margaret Thatcher und sehen in ihr eine zweite „Eiserne Lady“. Zwar lässt sich die künftige Premierministerin auch nicht leicht über den Tisch ziehen, doch schlägt sie weitaus moderatere Töne an als einst Thatcher. Während die erste Premierministerin die Privatisierung mit harter Hand vorantrieb und eine rigide Wirtschaftspolitik fuhr („There is no alternative“), predigt Pfarrerstochter May den Zusammenhalt: „Wir glauben nicht nur an die Märkte, sondern an die Gemeinschaft. Wir glauben nicht nur an den Individualismus, sondern auch an die Gesellschaft. Wir hassen den Staat nicht, wir schätzen den Staat dort, wo nur er etwas bewirken kann“, sagte sie bei ihrer Antrittsrede zur neuen Tory-Chefin. Im Übrigen konterte May die Interview-Frage, ob die zweite Thatcher sei mit dem Satz: „Ich bin meine eigene Frau“.

3. Regiert in London nun eine britische Angela Merkel?

Naja, immerhin gibt es einige Parallelen. Und so wie jede mächtige Britin irgendwann mit Margaret Thatcher, der einzigen Frau vor May in der Downing Street, verglichen wird, so werden nun auch Gemeinsamkeiten zwischen May und Merkel gezogen. Eine kuriose Nebensächlichkeit: May wurde auch schon mit der berühmten Merkel-Raute gesehen. Beide sind Kinder der 50er-Jahre und wurden als erstes Kind eines Pfarrhaushalts geboren. Die Frauen sind beide verheiratet und kinderlos, beide wandern und kochen nach eigenen Angaben in ihrer Freizeit. Sie halten ihr Privatleben streng privat und die Presse meistens auf Abstand. Weit auseinander gehen die Meinungen hingegen mit Blick auf die Migrationspolitik und die Ehe für Homosexuelle. Die befürwortet May, Merkel nicht.

4. Für welche Politik steht Theresa May?

May setzt sich für einen neuen Konservatismus ein. Wobei nicht einfach zu sagen ist, wofür dieser genau steht: Sie arbeitet kühl, pragmatisch, zielorientiert. Sie hat Prinzipien und scheut keinen Streit. In den Jahren 2002 und 2003 war sie „Chairman“ der Tories, was in Deutschland dem Amt der Generalsekretärin entspricht. Als Innenministerin – seit 2010 – erarbeitete sie sich einen Ruf als Hardlinerin: Einwanderung, Terrorabwehr, Überwachung und Polizei. Sie verfügte die Ausweisung von Islamisten und will die Einwanderung begrenzen. Sie strebe ein Großbritannien an, „das für jeden funktioniert und nicht nur für die wenigen Privilegierten“, so die kabinettserfahrene May. Um das zu erreichen wolle sie die Gehälter von Chefs beschneiden und Arbeitervertreter in Unternehmensführungen einführen – nach deutschem Vorbild. Ins Bild passt auch die Ankündigung, die von Cameron angestoßenen Sozialreformen voranzutreiben. Ihre Zähigkeit bewies May auch dadurch, dass sich kaum jemand so lange wie sie auf dem schwierigen Posten an der Spitze des Innenministeriums hielt.

5. Warum trägt sie den Spitznamen „Eiskönigin“ und extravagante Schuhe?

Margaret Thatcher hatte ihre schwarze Handtasche, Theresa May ihre ausgefallenen Schuhe: Sie sind ihr Markenzeichen. Schon in ihren frühen Tagen im Parlament sorgte sie für Aufsehen unter den Abgeordneten mit ihrer ausgefallenen Schuhmode. Die britische Boulevardpresse stürzt sich leidenschaftlich auf grelle Ballerinas oder Schuhe mit Zebramuster. Im Kontrast zu diesem extravaganten Stil steht ihr Spitzname „Eiskönigin“, den sie im Unterhaus hat. Er rührt von ihrer kühlen Art, die Themen pragmatisch und effektiv anzugehen und wenig von Seilschaften zu halten. Mitarbeiter beschreiben sie als diszipliniert und kompetent, freundlich, aber nicht zum Smalltalk neigend. Sie studierte Geografie in Oxford. Danach arbeitete sie für die englische Notenbank und stieg in die Lokalpolitik ein, noch bevor sie 30 wurde.

6. Wird es mit Theresa May einen Ausstieg aus dem Brexit geben?

Nein. Diese stille Hoffnung der EU-Befürworter zerstreut die Tory-Abgeordnete mit ihrer klaren Aussage: „Brexit bedeutet Brexit.“ Auch wenn May im Wahlkampf um das Referendum dem „Remain“-Lager angehörte, ist sie nun an die Entscheidung des Volkes gebunden. „Es wird keine Versuche geben, in der EU zu bleiben, keine Hintertür und kein zweites Referendum“, sagte die 59-Jährige. „Das Brexit-Votum war außerdem ein Zeichen dafür, dass wir die Freizügigkeit kontrollieren müssen“, so May mit Blick auf den Zuzug von Ausländern. Trotzdem lässt sich über den Verhandlungsstil von May mit der EU lediglich spekulieren.

7. Welche Aufgaben warten jetzt auf die Regierungschefin?

Zunächst wird May ihr Kabinett zusammenstellen. Dann muss sie die Austrittsverhandlungen mit der EU führen. Das offizielle Austrittsgesuch nach Artikel 50 der EU-Verträge dürfte noch etwas auf sich warten lassen. Den Zeitpunkt ließ May offen. Neben dem zweijährigen Prozess des Brexit hat May aber noch eine Reihe anderer Baustellen. Sie muss eine Abwärtsspirale der Wirtschaft vermeiden und einen günstigen Zugang zum EU-Binnenmarkt erzielen. So gilt es für sie, das Vereinigte Königreich zusammenzuhalten und ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum Schottlands möglichst zu verhindern. (mit Material von dpa)