Brexit

Britische Labour-Partei wagt Kampfabstimmung um Vorsitz

Während die Konservativen zügig eine Nachfolgerin für Premier Cameron gefunden hat, brach in der Labour-Partei ein Kampf um Posten aus.

Jeremy Corbyn ist noch Chef der Labour-Partei.

Jeremy Corbyn ist noch Chef der Labour-Partei.

Foto: NEIL HALL / REUTERS

London.  Die britische Labour-Partei steuert auf eine Kampfabstimmung um den Posten des Parteivorsitzenden zu. Das zeichnete sich am Dienstagabend nach einer Sitzung des Nationalen Exekutivkomitees der Partei ab.

Der unter massiven Druck stehende Vorsitzende Jeremy Corbyn dürfte dabei der Abgeordneten Angela Eagle gegenüberstehen. Damit dürfte sich die schwere Krise der Partei noch über Wochen fortsetzen. Denn Labour schafft selbst mit ausreichender Zeit nicht, was die Konservativen unter Zeitdruck schafften: einen gemeinsamen Kandidat zu finden. Die Tories haben Theresa May an ihre Spitze gestellt, die 59-Jährige wird wohl noch Mittwoch neue Premierministerin.

Für Corbyn wird es eng

Das Exekutivkomitee der Labour-Partei entschied derweil, dass Corbyn auch ohne Unterstützung der Labour-Abgeordneten zu einer Urwahl antreten kann. Er benötige nicht wie Herausforderer die Unterstützung von mindestens 50 Parlamentariern.

Während Eagle damit keine Probleme hat, dürfte es den 67-jährigen Parteilinken schwerfallen, so viele Stimmen hinter sich zu bringen. Corbyn ist zwar in der Parteibasis beliebt, nicht aber bei den Abgeordneten - die hatten ihm jüngst mit breiter Mehrheit das Misstrauen ausgesprochen.

Corbyn will Themen-Wahlkampf führen

Skeptiker fürchten bereits, dass der anhaltende Führungsstreit zur Spaltung der Partei führen könnte. Corbyn äußerte sich optimistisch nach der Entscheidung des Komitees. „Wir werden über die wichtigen Themen Wahlkampf führen“, sagte er mit Blick auf eine Urwahl. Er nannte dabei soziale Gerechtigkeit und Verstaatlichungen.

Kritiker werfen Corbyn vor, unter seiner Führung habe die Partei bei den Regionalwahlen im Mai Verluste erlitten und man sei beim EU-Referendum gescheitert, eine Mehrheit für den Austritt zu verhindern. Corbyn war erst im September 2015 mit breiter Mehrheit der Basis an die Parteispitze gewählt worden. (dpa)