Bürgerkrieg

Südsudan: Flucht vor Kämpfen zum Tag der Unabhängigkeit

Der Krieg im Südsudan ist zurück. In der Hauptstadt Juba kam es zu schweren Kämpfen. Tausende Menschen befinden sich auf der Flucht.

Journalisten liegen im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Juba (Südsudan) auf dem Boden eines Presseraums. Kurz vor einer geplanten Konferenz des Präsidenten Kiir mit Reportern wurde das Gebäude beschossen.

Journalisten liegen im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Juba (Südsudan) auf dem Boden eines Presseraums. Kurz vor einer geplanten Konferenz des Präsidenten Kiir mit Reportern wurde das Gebäude beschossen.

Foto: dpa

Juba.  Der Friedensprozess im Südsudan scheint wieder vollständig zusammengebrochen zu sein, nachdem es fast das gesamte Wochenende über in der Hauptstadt Juba zu zum Teil schweren Kämpfen zwischen Regierungssoldaten und Vize-Präsident Riek Machar loyal gegenüber stehenden Truppen gekommen ist. „Die Situation hier ist dramatisch. Die Kämpfe breiten sich aus, und wir können uns nicht bewegen“, teilte Jürg Eglin, Repräsentant des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (ICRC), am Sonntagnachmittag auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Die Menschen flüchten in großer Zahl. Es gibt zahllose Tote und Verletzte.“

Die heftigsten Kämpfe der vergangenen Tage brachen am Sonntagmorgen in dem nur wenige Kilometer südlich des Stadtzentrums gelegenen Ortsteil Jebel aus, wo Machars Truppen kaserniert sind und der im Rahmen eines Friedensvertrages im April wieder als Vizepräsident eingesetzte Oppositionspolitiker residiert. Regierungstruppen hätten Jebel mit Panzern und Helikoptern angegriffen, teilten Augenzeugen mit: Der Wohnsitz Machars sei aus der Luft angegriffen worden. Offenbar gelang es den Truppen des Vizepräsidenten im Laufe des Tages, die Regierungssoldaten zurück zu schlagen.

Kontrahenten rufen zur Ruhe auf

Die ersten Kämpfe waren bereits am Donnerstagabend ausgebrochen, als Regierungssoldaten an einer Straßensperre einen Konvoi der Truppen Machars kontrollieren wollten. Bei den anschließenden Schießereien sollen fünf Menschen getötet worden sein, hieß es. Noch während eines Treffens zwischen Machar und Staatspräsident Salva Kiir kam es dann am Freitag in der Nähe des Präsidentenamtes zu wesentlich heftigeren Kämpfen.

Journalisten, die während der Schießereien in einem Konferenzraum des Präsidentenbüros auf dem Boden Schutz suchten, sahen anschließend mehrere tote Regierungssoldaten auf dem Gelände des Präsidentenamtes liegen. Bei den Kämpfen sollen weit über 200 Menschen ums Leben gekommen sein. Sowohl Kiir wie Machar riefen anschließend ihre Truppen zur Ruhe auf: Zumindest am Samstag kam es daraufhin zu keinen weiteren Zwischenfällen.

Zehntausende Tote in den vergangenen zwei Jahren

Die am Sonntag wieder aufflammenden Kämpfe legen nun allerdings nahe, dass der im vergangenen Jahr ausgehandelte Friedensvertrag in Trümmern liegt. Der Südsudan befinde sich wieder „im Kriegszustand“, sagte Machars militärischer Sprecher Oberst William Gatjiath am Sonntagnachmittag gegenüber der BBC. Nach einem politischen Zerwürfnis zwischen Kiir und Machar war es im Dezember 2013 in Juba zu ähnlichen Kämpfen wie derzeit gekommen.

Der abgesetzte Vizepräsident war daraufhin mit ihm loyalen Soldaten aus der Hauptstadt geflohen und hatte in mehreren Regionen des Landes den Kampf gegen die Regierungstruppen aufgenommen. In dem seit über zwei Jahren anhaltenden Bürgerkrieg kamen mehrere zehntausend Menschen ums Leben, mehr als zwei Millionen Südsudanesen wurden vertrieben. Neben politischen hat der Streit zwischen dem Präsidenten und seinem Stellvertreter auch ethnische Gründe: Machar gehört dem Volk der Nuer an und wirft dem Dinka Kiir vor, im Südsudan eine „Dinkatur“ errichten zu wollen.

Feierlichkeiten für den Unabhängigkeitstag wurden abgesagt

Nach einem im August des vergangenen Jahres unterzeichneten Friedensvertrag kehrte Machar im April mit mehreren Tausend ihm loyalen Soldaten in die Hauptstadt Juba zurück. Es kam zur Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit, auch die zerstrittenen Truppen sollten wieder zusammen geführt werden.

Doch die Spannungen zwischen Kiir und Machar hielten an und kamen ausgerechnet zum fünften Jahrestag der einst überschwänglich gefeierten Unabhängigkeit wieder zum Ausbruch. Sämtliche Feierlichkeiten für den Unabhängigkeitstag am Samstag waren allerdings bereits zuvor abgesagt worden, weil der jüngste Staat der Welt so gut wie bankrott ist.