Studie

Neue Umfrage: Die Jungen wählten doch beim Brexit-Referendum

Nach dem Brexit war die landläufige Meinung, viele junge Briten hätten nicht gewählt. Eine neue Umfrage zeigt, dass das nicht stimmt.

Zwei Demonstranten halten während des „Marsch für Europa“ in London Anfang Juli eine EU-Fahne hoch.

Zwei Demonstranten halten während des „Marsch für Europa“ in London Anfang Juli eine EU-Fahne hoch.

Foto: NEIL HALL / REUTERS

London.  Sehr viel mehr junge Menschen als bisher angenommen haben sich in Großbritannien an dem Brexit-Referendum beteiligt. Das berichtet die Zeitung „The Guardian“ und beruft sich auf britische Wissenschaftler. Demnach gingen nicht nur 36 Prozent der 18- bis 24-Jährigen zur Wahl, sondern 64 Prozent. Nach dem britischen Votum, die EU zu verlassen, hatten zahlreiche Medien zunächst berichtet, dass nur wenige junge Wähler ihre Stimme abgegeben hätten und damit den Wahlausgang maßgeblich bestimmt hätten.

Denn es waren vor allem junge Briten, die mehrheitlich für den Verbleib in der EU stimmten: 75 Prozent wollten in der Europäischen Union bleiben – allerdings stimmten insgesamt 52 Prozent für den Austritt. Nach dem Referendum hatten sich viele junge Briten enttäuscht gezeigt vom Wahlausgang. Sie hatten dafür Kritik, meist von politischen Kommentatoren, einstecken müssen: Die junge Generation sei schließlich in großen Teilen gar nicht zur Wahl gegangen, hatte es geheißen. Diese Kritik ist nach den neuen Zahlen nun nicht mehr gerechtfertigt.

In ihrem nun erschienen Bericht zum Wahlverhalten beim Referendum beruft sich „The Guardian“ auf eine neue Umfrage, die vom Meinungsforschungsinstitut Opinium durchgeführt wurde. Ausgewertet hat die Zahlen der Politikwissenschaftler Michael Bruter von der London School of Economics. Er kam auf 64 Prozent. Damit wäre die Wahlbeteiligung junger Menschen fast doppelt so hoch wie zuvor angenommen. In vielen Zeitungsberichten war nach der Brexit-Abstimmung von einer Wahlbeteiligung von 36 Prozent in der genannten Altersgruppe die Rede gewesen

Eine fragwürdige Umfrage

Unter Berufung auf Politikwissenschaftler Bruter berichtet „The Guardian“, dass diese erste niedrigere Zahl auf Daten des Umfrageinstituts Sky Data basiert – die allerdings nicht nach dem Brexit-Votum erhoben wurden. Tatsächlich bezieht sich der Wert von 36 Prozent auf Erhebungen nach den Parlamentswahlen in Großbritannien von 2015. Damals wurde danach geforscht, welche Altersgruppen angaben, immer zu den Wahlen zu gehen. Eine Kurzmitteilung auf Twitter zeigt die fragwürdige Statistik:

Die neue, von Opinium durchgeführte Umfrage untersuchte hingegen, ob die befragten Personen tatsächlich zu den Urnen gegangen sind. Nach dem Zeitungsbericht hätten, abgesehen von der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen mit einer Wahlbeteiligung von 64 Prozent, die 25- bis 39-Jährigen zu 65 Prozent ihre Stimme abgegeben. Von den 40- bis 54-Jährigen seien 66 Prozent zur Wahl gegangen. In der Alterskohorte der 55- bis 64-Jährigen hätten sich 74 Prozent an der Wahl beteiligt. Am höchsten lag die Wahlbeteiligung in der Gruppe über 65 Jahren, von denen 90 Prozent an dem Referendum teilnahmen.

Diese Zahlen zeigen: Die Wahlbeteiligung aller Personen im Alter zwischen 18 und 54 Jahren war sehr ähnlich. Erst für die über 55-Jährigen lässt sich eine signifikant höhere Wahlbeteiligung feststellen.