US-Vorwahlen

Wie Cruz und Kasich Nominierung von Trump verhindern wollen

Die abgeschlagenen Präsidentschaftsbewerber, Ted Cruz und John Kasich, tun sich gegen den Republikaner-Favoriten Donald Trump zusammen.

Jeder für sich hat keine Chance, bis zum Parteitag der Republikaner genug Delegierten-Stimmen zu sammeln, um sich die Nominierungs als Präsidentschaftskandidat zu sichern. Senator Ted Cruz (l.) und Gouverneur John Kasich testen eine neue Strategie.

Jeder für sich hat keine Chance, bis zum Parteitag der Republikaner genug Delegierten-Stimmen zu sammeln, um sich die Nominierungs als Präsidentschaftskandidat zu sichern. Senator Ted Cruz (l.) und Gouverneur John Kasich testen eine neue Strategie.

Foto: Tannen Maury / dpa

Washington.  Getrennt marschieren, vereint verhindern: Um den favorisierten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump, auf der Zielgeraden zur Nominierung abzufangen, gehen seine Rivalen Ted Cruz und John Kasich eine ungewöhnliche Not-Allianz ein.

Der Senator aus Texas und Ohios Gouverneur wollen bei einigen der kommenden Vorwahlen gemeinsame Sache machen – ein Novum in US-Wahlkämpfen der jüngeren Vergangenheit. Cruz wird demnach im konservativ-ländlichen Indiana am 3. Mai Trumps einziger Mitbewerber um die 57 dort zu verteilenden Delegiertenstimmen sein – Kasich tritt gar nicht mehr an. Im Umkehrschluss kommt Cruz in den eher moderat-liberalen Bundesstaaten Oregon (17.5.) und New Mexiko (7. Juni) Kasich dort nicht bei dem Versuch ins Gehege, Trump möglichst viele Wahlmänner-Stimmen abzujagen.

Cruz und Kasich wollen Kampfabstimmung beim Parteitag

Der Grund liegt in den Zahlen: Trump hat bereits rund 850 Delegierte auf seiner Seite. Kommt er Mitte Juli zum Nominierungsparteitag in Cleveland mit 1237 Stimmen, ist seine Ausrufung zum Kandidaten für die Nachfolge von Barack Obama nicht mehr zu verhindern. Bleibt er unterhalb des Quorums, gibt es eine Kampfabstimmung mit offenem Ausgang.

Weder Cruz noch Kasich können rechnerisch aus eigener Kraft die Nominierung erreichen. „Aber sie können aufhören, sich gegenseitig zu kannibalisieren und Trump so den Steigbügel hinzuhalten“, erklärten Strategen beider Lager gegenüber US-Medien.

Trump-Lager spricht von „Wahlbetrug“

Ob der vor einigen Tagen noch undenkbare Schachzug gelingt, ist ungewiss. Trump beklagt sich seit Wochen lautstark darüber, dass das komplizierte Vorwahl-System bei den Republikanern anfällig für Manipulationen sei. Obwohl bereits weit in Führung, so sein Vorwurf, lasse das Partei-Establishment nichts unversucht, um ihm die Nominierung „zu stehlen“. Das jüngste Manöver erfüllt für das Trump-Lager den Tatbestand des Wahlbetrugs.

Trump liegt in den Bundesstaaten, die sich Kasich und Cruz „aufteilen“ wollen, in Führung. Wähler, die den herrschenden Politikbetrieb ohnehin kritisch sehen, könnten sich durch den „Deal“ provoziert fühlen, „nun erst recht für Trump zu stimmen“, fürchten republikanische Kreise.

Trump selber, der am Dienstag bei den Vorwahlen in den nordöstlichen Bundesstaaten Rhode Island, Connecticut, Maryland, Delaware und Pennsylvania als Favorit ins Rennen geht, hat das Manöver seiner Rivalen gewohnt einsilbig kommentiert. Cruz und Kasich, schrieb der New Yorker Bau-Milliardär auf Twitter, treibe nur eines: „Verzweiflung!“.

Bei Trumps Gegnern hat der Pakt zwischen Cruz und Kasich dagegen Zustimmung ausgelöst. „Trump hätte bei der Wahl im November gegen die wahrscheinliche demokratische Kandidatin Hillary Clinton keine Chance“, erklärten Sprecher mehrerer konservativer Lobby-Gruppen.

Das sieht offenbar auch der milliardenschwere Geschäftsmann Charles Koch so, der in der Vergangenheit zusammen mit seinem Bruder David dreistellige Millionensummen gegen demokratische Kandidaten wie Barack Obama investiert hat. In einem spektakulären Fernseh-Interview sagte Koch, Hillary Clinton sei wohl besser geeignet für das Präsidentenamt als alle republikanischen Bewerber. Dass Trump zum Beispiel als Terror-Präventionsmaßnahme die Registrierung aller in den USA lebenden Muslime fordert, erinnert Koch nach eigenen Worten an Nazi-Deutschland. „Das ist monströs.“