Umfrage

Flüchtlingskrise: Mehrheit der Deutschen zweifelt an Türkei

Seit Wochen setzt die Kanzlerin in der Flüchtlingskrise fast alles auf die türkische Karte. Doch die Deutschen sind skeptisch.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan: Die Deutschen haben erhebliche Zweifel, dass sein Land die Zahl der Flüchtlinge reduzieren wird.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan: Die Deutschen haben erhebliche Zweifel, dass sein Land die Zahl der Flüchtlinge reduzieren wird.

Foto: Legnan Koula / dpa

Berlin.  Die große Mehrheit der Deutschen hat nach einer Umfrage wenig Vertrauen in die Hilfe der Türkei bei der Reduzierung der Flüchtlingszahlen. Das ergab eine Erhebung des YouGov-Instituts für die Deutsche Presse-Agentur vor dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag.

Demnach halten 71 Prozent diese Erwartung für unrealistisch. Nur 21 Prozent glauben, dass es gelingt, mit Unterstützung der Türkei den Flüchtlingszuzug zu begrenzen. Die von Ankara als Gegenleistung geforderten sechs Milliarden Euro halten nur 20 Prozent der Befragten für gerechtfertigt; 67 Prozent meinen, diese Summe sei nicht angemessen.

Fast die Hälfte gegen EU-Beitritt

Auf dem Gipfel in Brüssel wird am Freitag erneut mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu über die Milliardenforderung verhandelt. Große Skepsis gibt es auch beim Wunsch der Türkei, die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zu beschleunigen: Nur vier Prozent sind der Meinung, dass die Türkei zügig in die EU aufgenommen werden sollte. 38 Prozent meinen, dass davor noch weitere Anforderungen erfüllt werden müssen. Praktisch jeder Zweite (49 Prozent) sagt, dass die Türkei gar nicht in die EU gehört.

Die von der Türkei als Gegenleistung für ihre Hilfe in der Flüchtlingskrise geforderten Reiseerleichterungen für türkische Bürger werden von einer großen Mehrheit abgelehnt. 70 Prozent der Befragten sind dagegen, dass Türken ohne Visum in die EU einreisen können. Nur 18 Prozent sind dafür.

Bedingungen für Reiseerleichterungen

Kanzlerin Angela Merkel versuchte noch einmal, Bedenken gegen die angestrebte Zusammenarbeit mit der Türkei in der Flüchtlingspolitik zu zerstreuen. „Die Türkei muss alle Bedingungen erfüllen, da gibt es keine Abstriche“, sagte die Kanzlerin am Montag in Berlin. Die Gespräche mit der Türkei über den Schutz der Außengrenzen seien nicht mit einem „Ja zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union verbunden“. Auch für die von Ankara gewünschten Erleichterungen bei der Visumspflicht gelte, dass „alle Bedingungen wirklich erfüllt“ sein müssten. (dpa)