Bürgerkrieg

11,5 Prozent der syrischen Bevölkerung tot oder verletzt

470.000 Menschen sind laut einer Studie durch den Bürgerkrieg in Syrien umgekommen. Es sind fast doppelt so viele wie bisher geglaubt.

Mahmot Tacir ist einer von Tausenden Syrern, die unter dem Krieg leiden. Anfang Februar dieses Jahres wurde Tacir in einem türkischen Krankenhaus behandelt.

Mahmot Tacir ist einer von Tausenden Syrern, die unter dem Krieg leiden. Anfang Februar dieses Jahres wurde Tacir in einem türkischen Krankenhaus behandelt.

Foto: Sedat Suna / dpa

Damaskus.  Der Krieg hat Syrien verwüstet, die Städte zerstört und unzählige Menschen vertrieben. Die Zahl der Toten in dem bereits fast fünf Jahre andauernden Bürgerkrieg ist nach einer Studie des Think Tank Syrian Centre for Policy Research (SCPR) noch höher als bisher angenommen. Exklusiv zitiert die britische Zeitung „The Guardian“ aus einem Bericht der Organisation, nach dem sich die Zahl der Bürgerkriegstoten inzwischen auf insgesamt 470.000 beläuft. Die Vereinten Nationen hatten bisher 250.000 Tote gezählt, allerdings bereits vor 18 Monaten aufgehört, statistische Daten zu erheben.

Damit wurde nach dem SCPR-Report seit Beginn der syrischen Krise im März 2011 insgesamt 11,5 Prozent der Bevölkerung verletzt oder getötet. Die Zahl der Verwundeten beläuft sich auf 1,9 Millionen Menschen. Von den 470.000 gezählten Toten starben 400.000 durch direkte Gewalteinwirkung und 70.000 durch indirekte Ursachen wie mangelnde Gesundheitsfürsorge, chronische Krankheiten oder Unterernährung.

Kämpfe in Nordsyrien

Nach Informationen des „Guradian“ haben die Vereinten Nationen Mitte 2014 aufgehört, die Zahl der Toten im Syrien-Krieg zu zählen. Begründet wird dies mit Schwierigkeiten, verlässliche Informationen aus dem Bürgerkriegsgebiet zu erhalten. Die SCPR hatte nach Angaben des „Guardian“ noch bis vor Kurzem ihren Hauptsitz in der syrischen Hauptstadt Damaskus und recherchierte von dort aus in ganz Syrien. SCPR bezeichnet sich selbst als unabhängige Nichtregierungsorganisation (NRO).

Unterdessen spitzt sich die Lage rund um die nordsyrische Stadt Aleppo weiter zu. Nach Informationen des Roten Kreuz sind weitere 50.000 Menschen vor den schweren Kämpfen in der Region geflohen. Die humanitäre Lage der geflüchteten Männer, Frauen und Kinder sei sehr besorgniserregend, warnte der Regionaldirektor des Roten Kreuz für den Nahen Osten, Robert Mardini, am Mittwochabend in Genf.

Der Direktor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz erklärte weiter, dass die in Aleppo zurückgebliebenen Menschen ebenso in einer verzweifelten Situation seien. Alle Konfliktparteien müssten den humanitären Helfern uneingeschränkten Zugang zu den Bedürftigen geben. Viele Geflohene harren an der Grenze zur Türkei aus. Im Raum Aleppo rücken Truppen des Assad-Regimes und verbündete Einheiten mit russischer Luftunterstützung gegen Rebellen vor. (epd/JS)