Terrorismus

IS bekennt sich angeblich zum Anschlag in Tunesien

| Lesedauer: 3 Minuten
Sicherheitskräfte in Tunis nach einem Anschlag am Dienstag: Bei einer Explosion im Bus der Präsidentengarde hatte es mindestens zwölf Tote gegeben.

Sicherheitskräfte in Tunis nach einem Anschlag am Dienstag: Bei einer Explosion im Bus der Präsidentengarde hatte es mindestens zwölf Tote gegeben.

Foto: Mohamed Messara / dpa

Im Netz soll sich der IS zu dem Attentat in Tunis bekannt haben. Tunesiens Staatschef kündigt nun den „Krieg gegen den Terrorismus“ an.

Tunis.  Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem Bombenanschlag auf die tunesische Präsidentengarde bekannt. Bei dem mutmaßlichen Bombenanschlag in der Innenstadt von Tunis waren zwölf Sicherheitskräfte getötet worden. Mindestens 20 Menschen wurden nach Angaben des Staatsfernsehens verletzt.

In einer im Internet kursierenden, zunächst aber nicht verifizierbaren Stellungnahme heißt es, ein Dschihadist habe am Dienstag in Tunis einen Sprengstoffgürtel in einem Bus der Eliteeinheit gezündet. Das tunesische Gesundheitsministeriums hatte zuvor von einem 13. Toten berichtet, der möglicherweise der Angreifer gewesen sein könnte. Im Internet wurde zudem ein Foto des angeblichen IS-Attentäters gezeigt, auf dem er einen Sprengstoffgürtel tragen soll. Sein Name wird mit Abu Abdallah al-Tunisi angegeben – dies könnte darauf hindeuten, dass es sich bei dem Angreifer um einen Tunesier handelte.

Ausnahmezustand verhängt

Tunesiens Staatschef Béji Caïd Essebsi hat nach dem Attentat erneut den Ausnahmezustand über das Land verhängt. In einer Ansprache kündigte er am Dienstagabend einen „Krieg gegen den Terrorismus“ an.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Anschlag auf das Schärfste und sprach in einer in New York herausgegebenen Erklärung von einer abscheulichen Tat. Die Täter, Organisatoren und Sponsoren der Tat müssten zur Rechenschaft gezogen werden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus.

Ausgangssperre in der Hauptstadt

Ein Sprecher des tunesischen Präsidenten sagte, die Explosion in dem Bus der Sicherheitskräfte am frühen Dienstagabend scheine durch einen Selbstmordattentäter verursacht worden zu sein. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. In Tunis wurde eine Ausgangssperre von 21 Uhr abends bis fünf Uhr morgens angeordnet. Einen für Mittwoch geplanten Besuch in der Schweiz sagte Essebsi ab.

Islamistische Terroristen hatten in Tunesien in den vergangenen Jahren mehrfach Anschläge verübt. So tötete ein Extremist Ende Juni in einer Hotelanlage des Badeorts Sousse 38 Urlauber, bevor er selbst erschossen wurde. Bereits im März waren bei einem Angriff auf das Nationalmuseum Bardo in Tunis mehr als 20 Touristen getötet worden.

Fotos vom Tatort zeigten am Dienstag schwer bewaffnete Polizisten mit Maschinenpistolen sowie Krankenwagen. Die Regierung hatte vor wenigen Tagen die zweithöchste Sicherheitswarnstufe ausgerufen und als Grund dafür Informationen über mögliche Anschläge in Sousse oder anderen sensiblen Regionen genannt. Erst Ende Oktober war der nach der Terrorattacke von Sousse ausgerufene Ausnahmezustand in Tunesien nach drei Monaten ausgelaufen.

Tausende Tunesier schlossen sich IS an

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Tat. „Dieser Anschlag gegen Angehörige der tunesischen Sicherheitskräfte ist ein erneuter Angriff auf die Stabilität des tunesischen Gemeinwesens und seine demokratische Verfassung“, erklärte der SPD-Politiker am Dienstag in Berlin.

Die Anschläge der vergangenen Monate werden als Versuch der Extremisten angesehen, die junge Demokratie zu destabilisieren. In Tunesien sind Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida aktiv. Knapp 3000 tunesische Staatsbürger kämpfen nach Angaben der Regierung zudem in den Reihen der Terrormiliz IS in Syrien und im Irak. Sie stellen damit das größte Kontingent ausländischer Rekruten. (dpa)

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos