US-Republikaner

Trump wettert in TV-Debatte gegen "Political Correctness"

| Lesedauer: 4 Minuten
Milliardär Donald Trump bei der TV-Debatte

Milliardär Donald Trump bei der TV-Debatte

Foto: SCOTT OLSON / AFP

Im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur wettert Milliardär Donald Trump einmal mehr gegen Frauen, Einwanderer und US-Eliten.

Donald Trump ist seinem unverblümten Stil bei der ersten großen Fernsehdebatte im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner treu geblieben. Trump polterte erneut gegen illegale Einwanderer und die Eliten in Washington. Mit detaillierten politischen Plänen hielt sich der milliardenschwere Geschäftsmann nicht auf, seine Botschaft ist simpel: Die Vereinigten Staaten verlieren gegen die Welt und nur er könne das wieder richten. Der frühere Gouverneur von Florida und Favorit des republikanischen Establishments, Jeb Bush, bemühte sich dagegen um einen präsidialen Auftritt.

"Unser Land ist in ernsthaften Schwierigkeiten", sagte Trump bei der am Donnerstag vom Nachrichtensender Fox News in Cleveland veranstalteten Debatte. "Wir schlagen China nicht beim Handel. Wir schlagen Japan nicht mit ihren Abermillionen Autos, die in dieses Land kommen. Wir schlagen Mexiko nicht beim Handel und an der Grenze. Wir machen nichts richtig."

Trump ist nicht zu fassen

Der durch eine eigene Reality-TV-Show geschulte Trump ließ kritische Fragen der Moderatoren abprallen. Als die Fox-News-Journalistin Megyn Kelly ihn mit früheren Äußerungen konfrontierte, in denen er Frauen als "fette Schweine" und "Schlampen" bezeichnet hatte, antwortete der Milliardär ungerührt: "Nur Rosie O'Donnell." Die rundliche Schauspielerin hatte in den USA lange eine populäre Talkshow. Dann beschwerte sich Trump über die Kultur der "politischen Korrektheit", bei der jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werde.

Angesichts des 17-köpfigen republikanischen Bewerberfeldes hatte sich Fox News entschieden, nur die zehn Politiker mit den besten Umfragewerten zu der abendlichen Debatte einzuladen. Neben Trump und Bush waren dies Wisconsins Gouverneur Scott Walker, der frühere Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, der pensionierte Neurochirurg Ben Carson, die Senatoren Ted Cruz, Marco Rubio und Rand Paul sowie die Gouverneure von New Jersey und Ohio, Chris Christie und John Kasich. Die sieben weiteren Bewerber durften nur in kleiner Runde am Nachmittag debattieren.

Gleich zu Beginn sorgte Trump für ein Raunen und Buh-Rufe im Saal, als er eine Kandidatur als Parteiloser bei der Präsidentschaftswahl im November 2016 nicht ausschließen wollte. Auf die Frage der Moderatoren, ob er bei einer Niederlage im Vorwahlkampf auf einen Alleingang verzichten werde, antwortete er: "Ich werde zum gegenwärtigen Zeitpunkt dieses Versprechen nicht geben."

Die "dummen Spitzenpolitiker in den Vereinigten Staaten"

Trump widmete sich auch ausführlich seinem Lieblingsthema, dem Kampf gegen die illegale Einwanderung. Der 69-Jährige brüstete sich damit, das Thema erst auf die Agenda gesetzt zu haben. Die "dummen Spitzenpolitiker in den Vereinigten Staaten" würden nichts gegen die illegalen Einwanderer an der Grenze zu Mexiko unternehmen. "Wir müssen eine Mauer bauen. Und sie muss schnell gebaut werden", sagte er.

Die Bandbreite der diskutierten Themen reichte vom Atomabkommen mit dem Iran über die Schaffung von Jobs bis zu gesellschaftlichen Streitfragen wie Abtreibung und Homoehe. Eine richtige Debatte zwischen den Präsidentschaftsbewerbern entwickelte sich bei der zweistündigen Veranstaltung selten. Die Moderatoren lösten sich kaum vom Frage-Antwort-Format, um allen Teilnehmern genügend Redezeit zu gewähren. Am häufigsten zu Wort kaum laut einer Auswertung der "New York Times" aber Trump mit 11 Minuten und 14 Sekunden.

Bush wirft Trump "spaltende Sprache" vor

Bush warf dem Milliardär eine "spaltende Sprache" vor und versuchte, sich als seriöse Alternative zu präsentieren. In der Einwanderungspolitik behielt er seine gemäßigte Linie bei, die ihm die Skepsis des erzkonservativen Parteiflügels eingebracht hatte.

Der Sohn und Bruder der Ex-Präsidenten George H.W. Bush und George W. Bush machte auch deutlich, dass er keineswegs durch seine Herkunft zum Einzug ins Weiße Haus berechtigt sei. "Ich werde mir das verdienen müssen", sagte er. Sein innerparteilicher Hauptgegner dabei ist zumindest nach dem Stand der Umfragen Trump, den Meinungsforscher zuletzt an der Spitze des republikanischen Bewerberfeldes sahen.

( dpa )

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