Griechenland-Krise

Jauchs unhöflicher Grieche ist gar kein Tsipras-Berater

Er tourt als Intimus von Alexis Tsipras durch die Talk-Show. Doch Theodoros Paraskevopoulos ist nur ein einfacher Angestellter der Syriza-Partei.

Theodoros Paraskevopoulos spricht fließend deutsch und verteidigt die griechische Position ohne Rücksicht auf Verluste, aber ein Berater der Regierung in Athen ist er nicht

Theodoros Paraskevopoulos spricht fließend deutsch und verteidigt die griechische Position ohne Rücksicht auf Verluste, aber ein Berater der Regierung in Athen ist er nicht

Foto: Paul Zinken / dpa

Näher als er könne "bestenfalls Frau Tsipras ihrem Mann sein", kündigte Talkmaster Günther Jauch am vergangenen Sonntag Theodoros Paraskevopoulos an. Der Mann mit dem weißen Haarschopf im grünen Pullover war da schon zum zweiten Mal in Folge zu Gast im Gasometer. Auch Jauchs Kolleginnen Anne Will und Maybrit Illner hatten ihn schon in ihre Runden geladen, stets als "Ökonom und Wirtschaftsberater von Alexis Tsipras".

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Wie Paraskevopoulos bei Jauch dann die griechische Position darlegte, war nicht nur für seine Mitdiskutanten Edmund Stoiber, Klaus Regling und Anja Kohl ein Ärgernis. In hervorragendem Deutsch hielt er den Europäern vor, sie versuchten, "die griechische Wirtschaft abzuwürgen"; Dem Moderator wie auch den anderen Gästen der Talkrunde fiel er regelmäßig ins Wort.

"Nur unter Anstrengung zu verfolgen" befand der TV-Kritiker der "Welt (Link: http://www.welt.de/143219088) " den Auftritt des Griechen, der "Focus bezeichnete Paraskevopoulos als "personifizierte Unverschämtheit".

Nun stellt sich heraus: Paraskevopoulos ist überhaupt nicht der Berater des griechischen Ministerpräsidenten. Wie das "Handelsblatt" berichtet, ist der 68-Jährige ein einfacher Angestellter der Parlamentsfraktion der Syriza. Seine höchste Funktion in der Partei sei das Amt als außerparteilicher Geschäftsführer der Fraktion gewesen, dieser Tage arbeite er in einem Team, das für die Koordination von Partei und Fraktion verantwortlich ist.

Die Wahrheit über Paraskevopoulos "will man nicht hören"

Der Mann ist weder ein gewählter Politiker noch ein offizieller Berater der Regierung in Athen. Dennoch wird er seit 2012 immer wieder von deutschsprachigen Medien als solcher bezeichnet und im Zusammenhang mit der griechischen Finanzkrise zu Rate gezogen.

Er und der griechische Ministerpräsident seien eng befreundet, ist in manchen der Kurzbiografien in Interviews mit ihm zu lesen. Das stellt das "Handelsblatt" unter Berufung auf Tsipras' Umfeld infrage: Man kenne Paraskevopoulos vor allem aus Interviews mit den Medien.

Und Paraskevopoulos selbst? Seit Jahren versuche er schon klarzustellen, dass er kein Berater von Tsipras sei, sagte er der Zeitung. "Aber man will das nicht hören."

Immerhin: Ökonom ist Paraskevopoulos wirklich. Er hat in Kiel Wirtschaftswissenschaften studiert, lebte von 1963 bis zum Ende der griechischen Militärdiktatur in Deutschland. Daher kann er auch so gut Deutsch. Das – und seine Bereitschaft zu polarisierenden Äußerungen – dürfte es auch sein, was den Griechen so beliebt bei TV-Redaktionen gemacht hat.