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IS-Mörder „Dschihadi John“ ist Programmierer aus London

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Foto: Islamic State,Handout / dpa

Die Identität von IS-Henker „Dschihadi John“ ist offenbar aufgedeckt. Er taucht in den meisten Videos des Islamischen Staats auf - auch in Enthauptungsvideos.

Der britische Geheimdienst hatte ihn jahrelang auf seinem Radar. Die Schlapphüte des MI5 verhörten Mohammed Emwasi, hefteten sich an seine Fersen, beobachteten ihn. Sie sollen sogar versucht haben, den jungen Mann aus dem bürgerlichen Londoner Westen als Informanten anzuwerben. Im August 2013 verschwindet der Mann, der an der Universität von Westminster einen Abschluss als Informatiker gemacht hatte, von der Bildfläche – er ist plötzlich weg.

Ein Jahr später taucht er als „Dschihadi John“ in grausamen Videos der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wieder auf. Verschwunden der bürgerliche Hintergrund des lebenshungrigen Londoners, der auch als Rap-Musiker aufgetreten sein soll. Stattdessen trägt er einen schwarzen Umhang, hält ein Messer in der Hand, ist maskiert. Emwasi ist, so scheint es, der berüchtigte „Dschihadi John“. Der britische Sender BBC und die „Washington Post“ haben Informationen aus dem Umfeld des Mannes zusammengetragen, die die Übereinstimmung als hoch wahrscheinlich erscheinen lassen.

„Dschihadi John“ ist der Mann, der auf IS-Videos westliche Geiseln auf erniedrigendste Weise vorführt. In einigen der Filme soll sogar zu sehen sein, wie er Menschen eigenhändig umbringt. „Dschihadi John“ ist das Symbol des modernen Terrors der Marke IS – auch wenn er sein Antlitz nie zu erkennen gab. Aus IS-Haft entlassene Gefangene berichteten, es gebe noch zwei Briten, die für westliche Geiseln zuständig sind. Die Gefangenen nannten das Trio „die Beatles“.

Von Geheimdiensten nicht gut behandelt?

Eine Menschenrechtsorganisation, die sich unter anderem für die ohne Gerichtsurteil in Guantanamo Inhaftierten einsetzt, versucht, ein anderes Bild des Mannes zu zeichnen. Die in Großbritannien ansässige Organisation Cage macht geltend, Emwasi sei von Geheimdiensten und Behörden westlicher Staaten nicht gut behandelt worden. Das habe möglicherweise seine Flucht in den Terror befördert. „Der Mohammed, den ich kennengelernt habe, war extrem freundlich, extrem weich in seiner Wortwahl“, sagt der Cage-Vorsitzende Asim Kuresch.

Als er mit drei Freunden 2009 nach Tansania haben reisen wollen, sei er nicht ins Land gelassen worden. Stattdessen hätten ihn die Polizisten gedemütigt und in eine Zelle gesperrt. Vermutlich, weil sie ihn auf dem Weg nach Somalia wähnten, zur radikal-islamischen Al-Shabaab-Miliz, sagt Kuresch. Anschließend, in Amsterdam, habe ihn der britische Geheimdienst MI5 anwerben wollen und ihm offen Kontakte zu Al-Shabaab unterstellt. Später sei er auf dem Weg in sein Heimatland Kuwait an der Einreise gehindert worden. „Er sagte immer, er sei unschuldig und wolle nichts anderes, als in Kuwait heiraten und ein unbeschwertes Leben führen“, sagt Kuresch.

Wie konnte der nette Mann zum Killer werden?

Wie sehr auch immer Kureschs Version sich mit der Wahrheit decken mag, und selbst wenn sie stimmen sollte: Wie konnte der nette junge Mann aus London, der sehr auf sein Äußeres geachtet haben soll, zu einem gefürchteten Killer werden, zum Inbegriff für das Böse auf der Welt? Darauf hat auch Kuresch keine Antwort. „Jeder, der solche Verbrechen verübt, ist persönlich dafür verantwortlich. Nur: Wie konnte es soweit kommen?“, rätselt die Organisation.

Wissenschaftler wie der Liverpooler Professor David Lowe glauben, dass „Dschihadi John“ für die Radikalen des IS ein willkommenes Propaganda-Instrument war. „Sein britischer Akzent hilft für die Verbreitung ihrer Thesen enorm“, sagt Lowe. Tatsächlich konnte der Mann mit der schwarzen Kapuze in den Horrorvideos seine Hass-Botschaften in geschliffenem Englisch in die Welt setzen – ohne Übersetzungsprobleme.

( BM )

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