Nahost-Konflikt

Israel zieht alle Bodentruppen aus dem Gazastreifen ab

Die israelische Armee will sich auf „defensive Positionen“ außerhalb des Palästinensergebiets zurückziehen, teilte ein Sprecher mit. Zudem gilt ab dem Morgen eine dreitägige Feuerpause.

Foto: Tsafrir Abayov / AP

Vier Wochen nach Ausbruch des Gazakrieges hat in Nahost eine dreitägige Waffenruhe begonnen. Israel zog noch vor Beginn der Feuerpause um 8 Uhr Ortszeit (7 Uhr MESZ) alle seine Bodentruppen wieder aus dem Gazastreifen ab. Ägypten hatte die Feuerpause zwischen Israel und militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen am Montag vermittelt.

Nächstes Ziel ist jetzt eine längerfristige Vereinbarung. Dazu sollen Delegationen Israels und der Palästinenser indirekte Gespräche in Kairo führen. Nach Medienberichten hat Israel ranghohen Repräsentanten der militanten Palästinenser in Gaza eine sichere Reise nach Kairo garantiert.

Die einen Monat lange Offensive Israels im Gazastreifen hat schwere Verwüstungen hinterlassen. Tausende Menschen haben nach UN-Angaben keine Bleibe mehr. Rettungskräfte begannen am Dienstag damit, Leichen aus Trümmerbergen herauszuholen.

Palästinenser kehre zurück in Wohnviertel

Nach Beginn der Waffenruhe begaben sich am Dienstag viele Einwohner zurück in ihre Wohnviertel. „Die Menschen beginnen, die UN-Schutzräume zu verlassen“, teilte der Sprecher des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA, Chris Gunness, am Dienstag mit. Mit 267.970 Flüchtlingen in 90 UN-Schutzräumen sei „zum ersten Mal ein leichter Rückgang der Zahlen“ zu verzeichnen, schrieb Gunness bei Twitter.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßte am Dienstag die Zerstörung der 32 Tunnel im Grenzgebiet. „Es gibt keine hundertprozentige Erfolgsgarantie, aber wir haben alles getan, um das bestmögliche Resultat zu erzielen.“

Wenige Minuten vor der offiziellen Waffenruhe schossen militante Palästinenser noch etwa 20 Raketen auf mehrere israelische Städte wie Jerusalem, Beerscheva und Aschdod ab. Der militärische Arm der radikal-islamischen Hamas teilte mit, seine Kämpfer hätten damit Rache für Israels „Massaker“ im Gazastreifen üben wollen.

Eine Rakete traf ein Haus in einer arabischen Ortschaft in der Nähe von Bethlehem im Westjordanland, in Jerusalem wurden Raketentrümmer gefunden. Nach palästinensischen Angaben reagierte Israel mit Luftangriffen in Gaza und in Chan Junis. Eine Armeesprecherin sagte, die Armee habe zuletzt wenige Minuten vor Beginn der Waffenruhe angegriffen.

UN begrüßt Waffenruhe

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die neue Vereinbarung im Gaza-Konflikt. In einer in New York herausgegebenen Erklärung rief er alle Parteien auf, sich an die 72 Stunden lange Waffenruhe zu halten. Eine einseitige siebenstündige Feuerpause, die Israel am Montag erklärt hatte, erwies sich als ebenso brüchig wie eine Waffenruhe am vergangenen Freitag.

Der israelische Militärsprecher Peter Lerner sagte am Dienstag, Israel habe vier Wochen nach Beginn der Offensive „Zuk Eitan“ (Fels in der Brandung) alle Bodentruppen aus dem Palästinensergebiet abgezogen. Israel will aber weiter auf mögliche Angriffe reagieren. „Wir werden Verteidigungspositionen aufrechterhalten“, sagte Lerner. Israel begann seine Bodenoffensive am 17. Juli.

Nach den Worten des israelischen Regierungssprechers Mark Regev entsprechen die Bedingungen der aktuellen Feuerpause jenen, die Ägypten bereits vor drei Wochen vorgelegt hatte. Die im Gazastreifen herrschende Hamas lehnte sie damals unter anderem mit der Begründung ab, dass die Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten nicht aufgehoben werde.

32 Tunnel zerstört

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben während des einmonatigen Gaza-Krieges 32 Tunnel der radikal-islamischen Hamas im Grenzgebiet zu Israel zerstört. „Wir haben diese Bedrohung ausgeräumt“, sagte Militärsprecher Lerner. Insgesamt habe die Armee seit dem 8. Juli 4800 Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen, sagte der Militärsprecher. 82 000 Reservisten seien für die Kämpfe eingezogen worden.

Bei Kämpfen und Luftangriffen sind nach Angaben von Armeesprecher Peter Lerner rund 900 militante Palästinenser getötet worden. Nach UN-Angaben waren acht von zehn toten Palästinensern Zivilisten.

Insgesamt kamen nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mehr als 1860 Menschen ums Leben, rund 10 000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten. Rund 100 verletzte Soldaten werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Die israelische Armee habe bei ihren Angriffen etwa 3000 Raketen der militanten Organisationen zerstört und diese hätten während des Kriegs mehr als 3300 Raketen auf Israel abgefeuert, sagte Lerner. Damit verfügten sie etwa noch über 3000 Geschosse.