Nahost

Zwölfstündige Feuerpause in Gaza nur kurze Atempause

Einen Tag sollen im Gazastreifen die Waffen schweigen, damit sich die Menschen dort mit Essen, Wasser und Medikamente versorgen können. Diplomaten wollen über eine dauerhafte Waffenruhe verhandeln.

Foto: AFP

Die erbitterten Kämpfe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen sind am Sonnabend für zwölf Stunden gestoppt worden. Beide Seiten stimmten der Feuerpause zu, damit die 1,5 Millionen Bewohner des Palästinensergebiets neue Vorräte anlegen können. US-Bemühungen um eine längere Waffenruhe und eine echte Schlichtung des Konflikts waren aber zuvor gescheitert. Stattdessen sprach Israel von einer möglichen Ausweitung seiner Offensive.

Ein Außenministertreffen in Paris soll am Sonnabend Chancen für eine dauerhafte Friedenslösung ausloten – allerdings ohne die Konfliktgegner selbst. Teilnehmer sind neben US-Chefdiplomat John Kerry und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auch deren Kollegen aus Frankreich, Großbritannien, Italien, der Türkei und Katar sowie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton.

Die kurze Feuerpause ab 7 Uhr morgens soll bis Samstagabend um 19 Uhr deutscher Zeit dauern. Doch warnte die israelische Armee, sollte die Frist von „Terroristen ausgenutzt“ werden, werde man sofort reagieren. Zudem würden israelische Soldaten auch während der Feuerpause weiter im Gazastreifen nach Hamas-Tunneln suchen und diese „neutralisieren“.

Hoffen auf eine Verlängerung

Viele Menschen im Gazastreifen hofften hingegen auf eine Verlängerung. „Wir wollen einen längeren Waffenstillstand, nicht nur zwölf Stunden“, sagte Bewohner Mohammed Abu Schaban. „Wir hoffen, dass der Waffenstillstand anhält und wir nicht zum Töten und zur Zerstörung zurückkehren.“

Während der Luft- und Bodenkämpfe seit dem 8. Juli sind nach palästinensischen Angaben rund 900 Menschen ums Leben gekommen. Israel beklagt 40 Tote, darunter 37 Soldaten, zwei israelische Zivilisten und ein thailändischer Gastarbeiter. Israel hatte Stellungen und Arsenale der Hamas zunächst aus der Luft angegriffen, seit gut einer Woche sind auch Bodentruppen im Einsatz. Radikale Palästinenser haben inzwischen rund 2500 Raketen auf Israel abgefeuert.

Der Konflikt sorgt inzwischen auch für zunehmende Unruhe im Westjordanland – dem von der gemäßigteren Fatah-Bewegung regierten, weit größeren Palästinensergebiet. Bei Protesten gegen Israel wurden dort am Freitag nach palästinensischen Angaben mindestens sechs Menschen von israelischen Kräften getötet.

US-Minister Kerry und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatten sich in den vergangenen Tagen intensiv für eine einwöchige Waffenruhe eingesetzt, während derer über eine längerfristige Lösung verhandelt werden sollte.

Tunnel Ziel der Bodenoffensive

Nach israelischen Angaben lehnte das Sicherheitskabinett den Plan vor allem deswegen ab, weil das Militär damit die Zerstörung der Tunnel der Hamas hätte zurückfahren müssen. Die Tunnel dienen den Extremisten als Unterschlupf und Waffenlager sowie als möglicher Zugang auf israelisches Territorium. Israel hat die Zerstörung der Stollen als oberstes Ziel seiner Bodenoffensive ausgegeben.

Verteidigungsminister Mosche Jaalon wandte sich am Freitagabend mit einer Erklärung direkt an seine Truppen: „Ihr müsst euch auf die Möglichkeit vorbereiten, dass wir das Militär schon sehr bald anweisen, die Offensive im Gazastreifen signifikant auszuweiten. Die Hamas zahlt einen sehr hohen Preis und wird einen noch höheren Preis zahlen“.

Die israelische Regierung hat eine Demilitarisierung des Gazastreifens als Bedingung für einen dauerhaften Waffenstillstand ins Gespräch gebracht. In den vergangene gut fünf Jahren hat das Land bereits drei Kriege mit den radikalen Kämpfern in dem kleinen Palästinensergebiet geführt.