Mit 90 Jahren

Polnischer General Wojciech Jaruzelski gestorben

Polens letzter kommunistische Führer ist am Sonntag seinem Krebsleiden erlegen. Wojciech Jaruzelski wurde 90 Jahre alt. In den 80ern ging er mit voller Härte gegen die Gewerkschaft Solidarnosc vor.

Foto: Bartlomiej Zborowski / dpa

General Wojciech Jaruzelski ist am Sonntag nach einem langen Krebsleiden im Alter von 90 Jahren gestorben. Das meldete ein Sprecher des Militärkrankenhauses in Warschau. Der letzte kommunistische Führer Polens wurde dort seit langem behandelt. Mitte Mai hatte er in dem Krankenhaus bereits einen Schlaganfall erlitten.

Jaruzelski verhängte am 13. Dezember 1981 als Regierungs- und Parteichef landesweit das Kriegsrecht in Polen, um die Gewerkschaft und Freiheitsbewegung Solidarność mit Hilfe der Armee zu zerschlagen. Solidarność gewann schließlich aber die Wahlen im Jahr 1989 und kam doch noch an die Macht, Jaruzelski musste abtreten. Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit wurde er für verhandlungsunfähig erklärt und musste sich nie für die Verhängung des Kriegsrechts und seine Rolle bei der Erschießung demonstrierender Arbeiter im Jahr 1970 vor Gericht verantworten.

Als einer von weltweit wenigen früheren Kommunistenführern übte er in späteren Jahren wiederholt Selbstkritik und entschuldigte sich mehrfach für die damaligen Vorkommnisse. Die Ausrufung des Kriegszustands, der Dutzende Tote und die Verhaftung von Tausenden Oppositionellen zur Folge hatte, verteidigte er jedoch bis zuletzt als „richtig und unvermeidlich“.

Nach eigener Aussage ließ er sich im Juli 1989 auf Rat des damaligen US-Präsidenten George Bush senior vom schon teilweise frei gewählten Parlament zum Staatspräsidenten wählen – mit nur einer Stimme Mehrheit. Schon Ende 1990 musste er das Amt nach den ersten direkten Präsidentenwahlen an den Solidarność-Gründer Lech Walesa abgeben.