Ukraine

Spezialeinsatz gegen Separatisten in Ostukraine begonnen

Einheiten der Kiewer Regierung rücken im Norden von Donezk gegen prorussische Separatisten vor, meldet Interimspräsident Turtschinow. Es gab erste Schusswechsel und Verletzte.

Foto: ALEXEY KRAVTSOV / AFP

Der seit langem angekündigte Spezialeinsatz der ukrainischen Regierung gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes hat begonnen. Allerdings sind sowohl der genaue Umfang der Operation als auch der Einsatzort der Spezialkräfte unklar. Interimspräsident Alexander Turtschinow teilte mit, die Einheiten würden im Norden des Gebiets Donezk nahe der Grenze zu Russland vorrücken. „Ziel ist der Schutz der Bürger vor Terroristen, die das Land zerreißen wollen“, sagte Turtschinow am Dienstag im Parlament.

Bei Schusswechseln sollen nach Darstellung der Aktivisten mehrere Menschen verletzt worden sein. Regierungskräfte hätten am frühen Morgen das Feuer auf Straßensperren vor Slawjansk eröffnet, sagte ein Sprecher der Separatisten. Bewaffnete hätten die Stadt umstellt. Dort bereiteten sich die nach Moskau orientierten Selbstverteidigungskräfte auf einen Angriff vor.

Eine Kolonne ukrainischer Militärfahrzeuge steht kurz vor der östlichen Stadt Slawjansk. Die Fahrzeugkolonne, darunter zehn Panzer, steht etwa 40 Kilometer von Slawjansk entfernt, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Separatisten halten Verwaltungsgebäude besetzt

In Slawjansk und zahlreichen anderen Orten halten Separatisten Verwaltungsgebäude besetzt. Sie fordern einen föderalen Staat mit weitgehenden Autonomierechten für das russisch geprägte Gebiet. Die Regierung in Kiew hatte die Aktivisten aufgefordert, bis zum Montagmorgen alle Gebäude zu räumen und die Waffen niederzulegen.

In Kramatorsk kamen die Separatisten der Aufforderung nach, sie zogen sich am Dienstag nach Polizeiangaben freiwillig aus dem Polizeihauptquartier zurück. Die Separatisten hatten das Gebäude seit Sonnabend besetzt.

Russischer Außenminister warnt vor Scheitern der Genfer Gespräche

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte erneut vor einem Scheitern der geplanten Genfer Gespräche, sollte die Regierung in Kiew Gewalt gegen die Separatisten anwenden. Die Chancen für direkte Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine, den USA und der EU würden dann erheblich sinken, sagte er bei einem Besuch in Peking.

Moskau sei daran interessiert, dass die für diesen Donnerstag vorgesehene Zusammenkunft zustande komme, beteuerte Lawrow. Vorwürfe der prowestlichen Regierung in Kiew, dass Russland die Unruhen in der Ostukraine mit Provokateuren schüren würde, seien „Unsinn“, sagte er.

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurde der prorussische Präsidentenkandidat Oleg Zarjow nach einer TV-Sendung von Unbekannten angegriffen und mit Schlägen traktiert. Mitarbeiter von Zarjow, der sich in einer Klinik behandeln ließ, machten Rechtsextreme für die Attacke verantwortlich. Die Wahl soll am 25. Mai stattfinden.