Showdown in Watertown

Blutspur führte Polizei zum zweiten Verdächtigen von Boston

| Lesedauer: 4 Minuten

Die Jagd hat ein Ende. Der mutmaßliche Attentäter ist gefasst - und verletzt. Blut auf einem Motorboot brachte die Polizei auf die Fährte.

„GEFASST!!! Die Jagd ist vorbei. Die Suche ist abgeschlossen. Der Terror ist vorbei. Und die Gerechtigkeit hat gesiegt. Verdächtiger in Haft“, twitterte die Bostoner Polizei um 20.58 Uhr Ortszeit (2.58 Uhr MESZ) in die Welt. Viele Amerikaner konnten erleichtert ins Bett gehen.

Stundenlang hatten tausende Polizisten den Bostoner Vorort Watertown nach dem mutmaßlichen Bombenleger Dzhokhar Tsarnaev abgesucht - lange Zeit ohne jegliche Spur. Die Ermittler hatten den Rückschlag am Freitag bereits vor der Presse eingestanden – da brachte sie ein Hinweis aus der Bevölkerung doch noch auf die Fährte des Verdächtigen. Blutspuren auf einem Motorboot im Garten eines Hauses verrieten das Versteck von Tsarnaev. Der junge Mann soll gemeinsam mit seinem auf der Flucht getöteten Bruder Tamerlan den Anschlag auf den Bostoner Marathonlauf am Montag verübt haben.

US-Medien zufolge befand sich der Unterschlupf von Dzhokhar Tsarnaev nur ganz knapp außerhalb der Straßenzüge von Watertown, die Polizeieinheiten besonders minutiös durchkämmten. Das Boot wurde offenbar nur oberflächlich überprüft. Ein Anwohner bemerkte allerdings auf der Abdeckung des Bootes seines Nachbarn Blut und alarmierte die Behörden. „Wir bekamen einen Anruf und haben den Kerl gefasst“, sagte der Polizeichef von Watertown, Edward Deveau.

Explosionen und Schüsse kurz vor der Festnahme

Binnen Minuten waren die Einsatzkräfte vor Ort, doch der Verdächtige verschanzte sich in dem Boot. Dabei fielen auch Schüsse. Zunächst war unklar, wer diese abfeuerte. Auch mehrere Explosionen waren zu hören – offenbar handelte es sich dabei um Blendgranaten. Als sich Tsarnaev US-Medien zufolge nicht freiwillig zur Aufgabe bewegen ließ, entfernte die Polizei die Plane mit Hilfe eines Roboters und beendete die spektakuläre Flucht.

Der mutmaßliche Bombenleger wurde mit schweren Verletzungen in ein Bostoner Krankenhaus eingeliefert, sein Zustand war ernst. Die Polizei nimmt an, dass die Wunden von einem Schusswechsel bei einer Verfolgungsjagd in der Nacht zuvor stammen. Ob Tsarnaev auch bei der Festnahme getroffen wurde, war unklar.

Obama verspricht absolute Aufklärung

Mit der Festnahme war kaum mehr als 24 Stunden nach der Veröffentlichung der Fahndungsfotos der bis dahin völlig unbekannten beiden Terrorverdächtigen der ganze Spuk vorbei. Alles begann in der Nacht zum Freitag mit Meldungen über Schüsse und einen Raubüberfall in einem Bostoner Vorort. Bei einem Schusswechsel mit der Polizei kam der ältere Tsarnaev-Bruder und mutmaßliche Komplize Tamerlan (26) ums Leben. Die folgende Jagd auf den 19-Jährigen spielte sich vor den Augen der ganzen Nation ab. Rund eine Million Menschen in Boston durften ihre Häuser nicht verlassen, die ganze Stadt war vollkommen lahmgelegt - bis am Abend erlösende Nachricht von der zweiten Festnahme kam.

„Wir haben ein wichtiges Kapitel dieser Tragödie geschlossen“, sagte US-Präsident Barack Obama am späten Abend (Ortszeit) im Weißen Haus. Er schaute sich das ganze Drama in seinen Privatgemächern an und eilte nach der Festnahme zu seinen Beratern ins Oval Office. Jubelgesten jedoch vermied der Commander-in-Chief – dafür waren die Geschehnisse schlicht zu ernst. Stattdessen versprach er der Nation absolute Aufklärung. „Warum haben junge Männer, die hier aufgewachsen sind und studiert haben, zu so starker Gewalt gegriffen“ – das sei die Kernfrage. Nicht nur die Familien der Opfer verdienten Antworten.

„Wir müssen weitermachen...größer und stärker“

Doch nach den schrecklichen Tagen in der Ostküstenmetropole, die mit einer beispiellosen Ausgangsperre endeten, überwog das Aufatmen. Vor allem die Polizei wurde mit Dankbarkeit überschüttet. Die Bürger schüttelten den Beamten die Hände, gratulierten ihnen und ließen sich mit ihnen fotografieren. „Ich bin sehr stolz auf unsere Sicherheitsbehörden. Sie haben fantastische Arbeit geleistet“, sagte Stephen Batres, ein Feuerwehrmann. „Und das Sahnehäubchen ist, dass sie den Verdächtigen lebend festgenommen haben.“ Der 43-Jährige sei hoffnungsvoll, dass die Stadt nun über den Schrecken hinweg kommen wird. „Wir müssen weitermachen...größer und stärker“, sagte er.

( BM )

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos