USA

Verwirrung um Festnahme von Boston-Attentäter

In Boston scheint entgegen ersten Meldungen nun doch kein Verdächtiger festgenommen worden zu sein, wie die Polizei mitteilte. Dennoch gibt es bereits mehrere Hinweise.

Foto: Charles Krupa / AP

Die US-Behörden haben am Mittwoch Berichte dementiert, wonach bei den Ermittlungen zum Anschlag auf den Bostoner Marathon ein Verdächtiger festgenommen worden sein soll. Zuvor hatte eine mit den Ermittlungen vertraute Gewährsperson der Nachrichtenagentur AP gesagt, dass sich nach den Bombenexplosionen vom Montag ein Verdächtiger in Gewahrsam befinde. Die Bundespolizei FBI und das Büro der Staatsanwaltschaft in Boston erklärten hingegen, es seien noch keine Festnahmen erfolgt.

„Entgegen weit verbreiteter Berichte hat es keine Festnahmen in Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Marathon in Boston gegeben“, teilte das FBI in einer Erklärung mit. Nach Angaben der Gewährsperson, die mit der Nachrichtenagentur AP sprach, wurde der Verdächtige in einem Bundesgericht in Boston erwartet.

Den Ermittlern liegt im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen auf den Boston-Marathon offenbar ein Video mit einem der mutmaßlichen Täter vor. Die Aufzeichnung zeigt einen Mann, der eine Tasche abstellt, in der sich eine der Bomben befindet, wie der Vorsitzende des Stadtrats, Stephen Murphy, am Mittwoch erklärte. Berichten zufolge soll der Mann ein weißes Basecap und eine schwarze Jacke getragen haben.

Aus Ermittlerkreisen wurde bestätigt, dass es das Bild eines Verdächtigen gebe. Allerdings sei der Mann noch nicht identifiziert.

Für zusätzliche Aufregung sorgte die Evakuierung des Gerichtsgebäudes in Boston nach einer angeblichen Bombendrohung. Erst Stunden später durften Angestellte das Gebäude wieder betreten.

Das FBI kündigte für den Abend (Ortszeit) eine Pressekonferenz an, die allerdings kurz vor dem Beginn auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Der Gouverneur von Massachusetts, Patrick Duval, sagte später, es werde am Mittwochabend (Ortszeit) wahrscheinlich kein Briefing mehr geben. In einem Gespräch mit CNN bat er zugleich um Geduld bei den Ermittlungen.

Das FBI und andere Einsatzkräfte hatten die Bevölkerung aufgerufen, Hinweise, Fotos oder Videos oder verdächtige Beobachtungen während des Marathons an die Behörden weiterzugeben. Bei den Explosionen in der Nähe der Ziellinie des Marathons waren am Montag drei Menschen getötet und mehr als 180 weitere zum Teil schwer verletzt worden.

US-Präsident Barack Obama sprach von einem Terroranschlag. Bei den drei Todesopfern handelte es sich um einen acht Jahre alten Jungen, eine 29 Jahre alte Restaurant-Managerin und eine chinesische Studentin. Alle drei waren Zuschauer und hatten zusammen mit Freunden oder Verwandten in der Nähe der Ziellinie gewartet, als die beiden Sprengsätze kurz hintereinander explodierten.

Viele der zahlreichen Verletzten befanden sich zwei Tage nach den Explosionen weiter im Krankenhaus. 17 von ihnen befanden sich am Mittwoch noch in kritischem Zustand, darunter drei Kinder im Alter von fünf, neun und zehn Jahren. Zu Ehren der Opfer wollte Obama am Donnerstag in Boston einen Gottesdienst besuchen.

Lage in den USA angespannt

Die Bomben, die im Abstand von wenigen Sekunden explodierten, waren nach Erkenntnissen der Ermittler hergestellt mit Hilfe von Schnellkochtöpfen, die mit Sprengstoff, Nägeln und anderen tödlichen Schrapnellen gefüllt waren. Beide Bomben befanden sich in abgestellten schwarzen Reisetaschen. Laut Ermittlern war aber noch nicht geklärt, wie die Sprengsätze gezündet wurden.

Bomben aus Schnellkochtöpfen sind aus dem internationalen Terrorismus bekannt. Sie gelten als Waffen, die das Terrornetzwerk Al-Kaida im Jemen seinen Einzeltätern für Anschläge empfiehlt. Laut einem Geheimdienstbericht sollen solche Sprengsätze in Afghanistan, Indien, Nepal und Pakistan eingesetzt worden sein.

Die Lage in den USA ist nach den Bombenexplosionen in Boston angespannt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte am Mittwoch, die Sicherheitsvorkehrungen am Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York würden nach dem Anschlag verschärft.

Die Aufnahmen eines lokalen TV-Senders hatten die Ermittlungen vorangebracht. Dem „Boston Globe“ zufolge liegen dem FBI Bilder eines Verdächtigen vor, der eine schwarze Tasche zum Tatort trägt.